Garrel - „Anspannung war schon da“, diktiert Martin Backhaus nach der Wahl in den Block der Journalisten. Auf die leichte Schulter habe er die Urwahl der CDU für die Bürgermeisterwahl in Garrel nicht genommen, umso größer war die Freude, als das Ergebnis feststand. Kämpferisch und entschlossen gab sich Backhaus, betonte seine Verbundenheit mit der Gemeinde und verwies auf seine Verwaltungsvergangenheit. Das sicherte ihm letztlich 72 Prozent der Stimmen. 71 der 99 stimmberechtigten CDU-Mitglieder (bei zwei Enthaltungen) votierten für den 47-jährigen Versicherungsmakler, 25 für Dirk Koopmann.
Viel Bürokratie
Bevor die beiden Kandidaten „in den Ring“ steigen konnten, hatte CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Christoph Penning eine ganze Reihe an Formalitäten abzuarbeiten. Die Frage Pennings, ob es neben Martin Backhaus, der von der Findungskommission für die Bürgermeisterwahl und dem erweiterten CDU-Vorstand vorgeschlagen worden war, sowie Dirk Koopmann, der von CDU-Mitglied Annette Preuth benannt worden war, weitere Kandidaten gebe, blieb unbeantwortet. Und so hatten die Mitglieder zwischen diesen beiden die Wahl.
Martin Backhaus, dem der Vortritt in der Vorstellungsrunde zugelost worden war, setzte auf seine Wurzeln in der Gemeinde, in der er vielfältig ehrenamtlich engagiert ist. Er verwies auf seine langjährige Verwaltungserfahrung – zuletzt bei der Gemeinde Molbergen als Kämmerer –, die ihn für das Amt des Bürgermeisters qualifiziere. „Selbstbewusst, bodenständig, frisch und kompetent“ wolle er die Gemeinde nach außen repräsentieren und ein „Bürgermeister auf Augenhöhe“ sein.
Inhaltliche Baustellen
Die „Baustellen in der Gemeinde“ gemeinsam angehen – das sei seine Marschroute. Inhaltlich sprach er den Breitbandausbau an, die Gestaltung des Ortskerns, Verkehrssicherheit vor allem für die Schüler, forderte eine „langfristig geeignete Ortsentlastung“, Wohnbau- und Gewerbeflächen, Mietwohnungen, den Erhalt der Schulstandorte, mehr Kapazitäten für die Sportvereine, die Erweiterung des gymnasialen Angebotes an der Oberschule, um ein „Abitur made in Garrel“ zu ermöglichen oder transparente Ratsarbeit. „Ich habe richtig Lust darauf und den festen Willen, unser und mein Garrel gemeinsam mit allen Verantwortlichen nach vorne zu bringen.“
Digitales Angebot erweitern
Dirk Koopmann hob auf seinen „kaufmännischen Blick von außen“ ab als Quereinsteiger, gab sich fachkundig, verwies auf sein Engagement im CDU-Gemeindeverband und entwickelte seine Vision von Garrel 2030. Rat und Verwaltung begreife er als „Dienstleister für die Bürger“. Marketing mit der „Marke Garrel“ wolle er betreiben, um Unternehmen nach Garrel zu locken, das digitale Angebot im Rathaus erweitern, auch die Schulen digital gut ausstatten, bei der Optimierung der Verkehrssituation im Ortskern die Geschäftsleute nicht vergessen. Bei der ärztlichen Versorgung gebe es „einiges zu tun“, ein Feuerwehrbedarfsplan müsse erstellt und innovative Projekte wie die „Beverbrucher Begegnung“ müssten weiter gefördert werden.
Faires Verhalten
Nachdem CDU-Gemeindeverbandsvorsitzender Christoph Penning das Ergebnis verkündet und Martin Backhaus gratuliert hatte, griff Koopmann, ganz fairer Sportsmann, zum Mikrofon und sicherte dem CDU-Kandidaten seine Unterstützung zu. Im Gespräch mit der NWZ gab er sich enttäuscht über sein Abschneiden, betonte aber: „Ich wünsche, dass wir als CDU die Wahl gewinnen.“
Christoph Penning blickte auf „sechs knackige Wochen“ voraus, um die Garreler zu überzeugen, dass „unser Kandidat die richtige Wahl ist“. Der Forderung aus dem Plenum, einen „harten Wahlkampf“ zu führen, entgegnete Penning: „Wir werden uns auf die Stärken unseres Bewerbers konzentrieren und einen sauberen und fairen Wahlkampf führen.“
Backhaus ohne Parteibuch
Neben Backhaus, der kein Parteibuch hat, treten bislang bei der Bürgermeisterwahl in der mehr als 15 000 Einwohner zählenden Gemeinde Thomas Höffmann („Wählerbündnis pro Garrel“ aus BfG-, FDP- und SPD-Fraktion), Reinhard Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) und Detlev Buschenlange (unabhängig) an. Noch bis Montag, 28. Oktober, 18 Uhr, können Bewerbungen abgegeben werden.
