Garrel - Glücklicherweise hatte Thomas Höffmann am Montag Urlaub. So konnte er am Sonntagabend ausgelassen mit seinen Unterstützern den Erfolg bei der Bürgermeisterwahl feiern. Auf der Wahlparty im „Schallander“ nahm er zahlreiche Glückwünsche entgegen und konnte in einer langen Nacht auf den Erfolg anstoßen.
In den Kirchdörfern Falkenberg (79,8 Prozentpunkte), Nikolausdorf (72,8) und Beverbruch (70,3) fuhr Höffmann seine besten Ergebnisse ein. Lediglich in Petersfeld und in Bürgermoor/Kellerhöhe „scheiterte“ er an der 50-Prozent-Marke.
Thomas Höffmann
Nach dem Erfolg kommt nun die Arbeit. Und die soll gleich in der kommenden Woche starten, sagte Thomas Höffmann im Gespräch mit der NWZ. In Bremen, wo er beim Senator des Inneren beschäftigt ist, wird er nun seine Arbeit übergeben. In Garrel freue er sich schon auf die neuen Mitarbeiter.
Mit den Fraktionen im Gemeinderat will er sich nun an einen Tisch setzen. Zur Sprache bringen will er dabei auch seine SPD-Parteizugehörigkeit. Die ruhe derzeit, wie Höffmann sagt. „Ich möchte nicht als SPD-Bürgermeister antreten“, betonte Höffmann seine Unabhängigkeit.
Wann der Umzug nach Garrel, den er im Wahlkampf angekündigt hatte, ansteht, ist noch offen. „Wir wollen bauen oder kaufen. Aber der Markt ist im Moment leer gefegt.“
Das sagt die CDU
Für die Garreler CDU bedeutet das Ergebnis ein Desaster. Erstmals wird kein CDU-Bürgermeister im Rathaus sitzen. Christoph Penning, Vorsitzender des Garreler CDU-Gemeindeverbands, zeigte sich auch am Tag nach der Wahl ratlos, woran es gelegen habe. Nun gehe es daran, das Ergebnis aufzuarbeiten. Dazu möchte Penning auch die Bürger einbeziehen und sie fragen, was sie möchten. Er will auch ganz grundsätzlich die Frage stellen, ob politische Parteien noch gewünscht und notwendig seien. Die CDU-Mehrheit für eine „Hau-Drauf-Mentalität“ im Rat zu nutzen, um den Bürgermeister auszuspielen – dafür stehe er nicht.
Positiv sei, dass das politische Interesse in den vergangenen Monaten groß gewesen sei, sagte Penning, verbunden mit der Hoffnung, dass das so bleibe. Er sei nach wie vor der Überzeugung, den besten Kandidaten aus den Bewerbungen gefunden zu haben, bekräftigte Penning.
Der CDU-Kandidaten Martin Backhaus konnte einzig den Wahlbezirk Bürgermoor/Kellerhöhe gewinnen mit 51,3 Prozent. In Petersfeld bekam er immerhin noch 38,3 Prozent. In keinem anderen Wahlbezirk konnte Backhaus die 30-Prozent-Marke überwinden. Regelrecht abgestraft wurde er in Falkenberg mit lediglich 5,2 Prozent.
Das sagt die Opposition
„Der Bürger hat entschieden und erkannt, wer die Qualitäten für das Amt hat“, sagte noch am Sonntagabend im Gespräch mit der NWZ Arnold Hannöver, Fraktionssprecher der BfG. Das von der CDU zunächst ausgegebene Motto „Ein Garreler für Garrel“ habe nicht gezogen. „Die Menschen wollen ehrliche Politik. Jetzt geht es um die Gemeinde.“
SPD-Fraktionsvorsitzender Paul Drees ist überzeugt, dass Thomas Höffmann als Person und mit Kompetenz gepunktet habe und „letztlich auch mit seiner Authentizität“. Dass Höffmann allerdings mit einem solch klaren Votum gewinnen würde, „hat mich schon sehr überrascht“.
Drees wie auch FDP-Amtskollege Uwe Behrens glauben nicht, dass die Zusammenarbeit im Gemeinderat unter den neuen Vorzeichen leide.
In Gesprächen in den vergangenen Tagen habe sich immer häufiger gezeigt, dass der Oppositionskandidat Thomas Höffmann womöglich auch ohne Stichwahl „durchmarschieren“ könne. Dass er allerdings einen solchen Erdrutsch-Sieg einfahren würden – „damit haben wir alle nicht gerechnet“, so Behrens. Er sieht das vor allem dem guten Wahlkampf und der akribischen Vorbereitung des Kandidaten Höffmann geschuldet, der häufig mit fundierten Aussagen habe punkten können.
SPD in Friesoythe
Diese fundierten Aussagen werden dem Friesoyther Stadtrat künftig fehlen. Darin war Höffmann seit 2016 Mitglied der SPD-Stadtratsfraktion. Das Mandat gibt er nun zurück. „Wir bedauern das natürlich. Wir verlieren einen Ratskollegen, den wir wegen seiner ruhigen und sachlichen Art sehr schätzen“, sagte SPD-Fraktionsvorsitzende Renate Geuter. Gleichzeitig freue man sich riesig über das sehr gute Ergebnis des Fraktionskollegen. Geuter: „Dass es im ersten Anlauf schon geklappt hat, ist genial.“
Meyer/Buschenlange
Reinhard Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) holte sein schlechtestes Ergebnis in Beverbruch mit 1,8 Prozent, sein bestes mit 6,5 Prozent in Garrel/Esch.
Dort bedeuteten die 19,22 Prozent auch das beste Ergebnis für den unabhängigen Kandidaten Detlev Buschenlange. 7,8 Prozent in Beverbruch bedeuteten den geringsten Zuspruch.
