Grafschaft - · Schon Albert Einstein wusste: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, keine Menschen mehr.“

Aussaat im Herbst

Warum ist es im Herbst so wichtig schon jetzt an die Aussaat fürs Frühjahr 2020 zu denken? Hier gibt es Tipps:

Damit Insekten im März schon etwas zu fressen haben, sollte im Herbst ausgesät werden. Noch lassen sich gut Stauden, Gehölze und Blumenzwiebeln pflanzen. Die Blüten von Krokussen, Blausternchen, Winterling, Schneeglöckchen und anderen Frühblühern erscheinen bereits in den ersten Monaten des neues Jahres und dienen als wichtige Nahrungsquelle für die ersten Insekten. Auch Stauden wie das Lungenkraut, Blaukissen oder die Schleifenblume blühen zeitig.

Im Gartencenter kann man sich beraten lassen, welche Pflanzen am besten für Insekten geeignet sind und wie die Erde gegebenenfalls vorbereitet werden muss. Man sollte außerdem darauf achten, dass in den Frühlings- bis Herbstmonaten möglichst durchgängig Blühpflanzen zur Verfügung stehen. Offene Blüten sind geeigneter als gefüllte – sonst kommen Insekten nicht an Nektar und Pollen heran.

Aber auch ein Balkon oder nur eine Fensterbank kann mit bunten Blühpflanzen ausgeschmückt werden und hat trotzdem den Effekt eines schmackhaften Nektar-Büfetts für die kleinen Lebewesen.

Insektensterben ist seit einiger Zeit ein großes Thema. Ohne Bienen und andere Insekten wäre unsere Versorgung mit Lebensmitteln in Gefahr. Ralf Itzin aus Grafschaft wollte das nicht länger hinnehmen und wandelte kurzerhand Brachland zu einer Bienenweide um.

Zuerst fing er aber im Kleinen an: „Ich hatte vor über fünf Jahren Resterde damals noch in Wilhelmshaven in meinem Garten. Die habe ich dann mit Bienenweide bepflanzt und mich darüber gefreut. Dann habe ich 10 Kilogramm Bienenweidesamen gekauft und an die Wilhelmshavener gegen eine Spende abgegeben“, erzählt der 60-Jährige.

Vom Erlös kaufte er einen weiteren Sack Bienenweide. „Ich wollte die ,grüne‘ Stadt am Meer mitgestalten.“

Nicht nur das: Aus Wilhelmshaven, der „grünen Stadt am Meer“, wollte Ralf Itzin eine „bunte Stadt am Meer“ schaffen. Vor einem Jahr fiel Ralf Itzin schließlich eine Anzeige ins Auge: „Streuobstwiese in Grafschaft zu verpachten.“ Kurzerhand nahm er das Angebot an und trat quasi im Alleingang selbst als Hauptsponsor ein. Mit seiner „SermaX GmbH“ betreibt Ralf Itzin unter anderem das Geschäft „Dein Traumrad“, mit dem er auch Werbung für seine Bienenweide macht. Saatgut-Lieferanten wie „Wildsaaten“ oder „Jadenova“ kamen schnell als Spender hinzu.

Zur Aufbereitung des Brachlands spendete Oscorna einen Bodenaktivator, die Imkerei Janssen half bei der Aussaat. Mittlerweile hat es Ralf Itzin auf insgesamt rund 4000 Quadratmeter Bienenweide beziehungsweise Insektenwiese in Grafschaft und Upjever gebracht.

Das Projekt findet vor allem in den sozialen Medien Anklang: „Durch die Bienenweide in Grafschaft und Upjever und den Facebookauftritt konnte ich viele Menschen motivieren, auch etwas gegen das Insektensterben zu tun“, sagt Ralf Itzin begeistert von dem Erfolg. Säckchen mit Saatgut verteilt Itzin zum Beispiel direkt vor Ort.

Viel Arbeit ist nicht notwendig zur Anlage einer Insektenweide: Die Samen werden im Herbst ausgesät und die Flächen der Natur überlassen, sagt er. „Im Frühjahr muss nur einmal gemäht und das Schnittgut abgetragen werden.“ ·

Nun versuchen er und seine Helfer, neue Flächen dazuzubekommen. Itzin denkt über eine Stiftung nach, die Nutzungsrechte an Flächen halten könnte, um weitere Weiden anzulegen. „Wenn man mit offenen Augen durch die Landschaft geht, sieht man viele Flächen, die sich dazu eignen“, sagt der Unternehmer. Zurzeit laufen Gespräche über die Pacht von Brachland zwischen Upever und Bundeswehr bei Feldhausen. Außerdem wünscht er sich eine Kooperation mit dem hiesigen Landfrauen-Verein.

Ralf Itzin, der sich seit fünf Jahren rein pflanzlich ernährt, liegt der Umweltschutz am Herzen. „Durch die Medien sind die Menschen heute aufgeklärter und sehen beispielsweise die Wespe nicht mehr als Schädling an, sondern wollen sie und andere Kerbtiere schützen“, sagt er.

Und der Insektenschutz habe „ansteckenden Charakter“ bekommen, sagt Itzin. Zur aktuellen Diskussion zwischen Kreislandvolkverbänden und Bund über das Aktionsprogramm Insektenschutz hat Itzin ebenfalls eine klare Meinung: „Eine Kooperation ist definitiv besser als ein Gegeneinander.“ Generell solle man gesprächsbereit und offen für Neues sein, ist Itzins Credo. Er blicke zwar „sehr optimistisch“ in die Zukunft, warnt aber: „Wir haben es 5 vor 12 und es muss was getan werden!“

·Und was kann jeder Einzelne tun, um den Bienen und anderen Insekten zu helfen? „Bienenweide wächst im kleinsten Kübel oder Balkonkasten. Wer einen Garten mit Rasen hat, kann einen Teil einfach nicht mähen und stehen lassen. Das hilft den Insekten schon“, erklärt der Unternehmer. Mehr Infos unter