Großefehn - Für den Fall, dass sich die schweren Vorwürfe gegen den Wittmunder SPD-Landtagsabgeordneten Jochen Beekhuis (Großefehn) bestätigen, fordert der Vorstand des SPD-Ortsvereins (OV) Riepe (Gemeinde Ihlow) mehrheitlich dessen Rücktritt von allen Ämtern und Mandaten. Das teilte der OV-Vorsitzende Burkhard Smidt mit. Außer im Landtag sitzt Beekhuis im Rat seiner Heimatgemeinde Großefehn und als Fraktionschef im Auricher Kreistag.

Die Kreistagsfraktion stellt sich indes hinter Beekhuis. Das teilte Fraktionsvize Hans Terfehr mit. „Bisher stehen nur Mutmaßungen und Anschuldigungen im Raum, weder der Fraktion noch dem Fraktionsvorstand liegen Unterlagen oder sonstige Beweise vor“, erklärte er. Die Fraktion setze weiterhin auf Beekhuis als Vorsitzenden.

Seit Mitte vergangener Woche steht Beekhuis unter Druck: In privaten Chats soll der 42-Jährige auf üble Weise gegen Parteikollegen, Frauen, Homosexuelle und Übergewichtige ausgeteilt haben. Ein Hacker hatte seine Facebook-Korrespondenz illegal im Internet verbreitet.

Beekhuis droht nun das Ende seiner politschen Karriere. Im Jahr 1999 trat der Großefehntjer den Sozialdemokraten bei, und seit 2001 mischt er in der Kommunalpolitik mit: Damals wurde er mit 24 Jahren als jüngstes Mitglied in den Rat seiner Heimatgemeinde gewählt.

Fünf Jahre später schaffte Beekhuis den Sprung in den Auricher Kreistag – ebenfalls als zu dieser Zeit jüngster Abgeordneter. In Parteikreisen galt der Großefehntjer als Nachwuchs-Star.

Nach der nächsten Kreistagswahl 2011 wählten ihn die Mitglieder der SPD-Fraktion zu ihrem Vorsitzenden. Ende des Jahres forderten Parteifreunde ihn auf, sich im Wahlkreis Aurich als Bewerber für die Landtagswahl 2013 ins Spiel zu bringen.

Wäre Beekhuis darauf eingegangen, hätte er sich dem zweiten Jung-Star der ostfriesischen SPD in den Weg gestellt: dem ein Jahr älteren Wiard Siebels aus Aurich. Der saß damals schon mehr als drei Jahre lang im Landtag, war unter den Genossen beliebt und galt als sicherer Kandidat für 2013. Beekhuis verzichtete auf eine Kandidatur: „Mein Platz ist jetzt hier in der Kommunalpolitik.“

Mitte 2012 legte der für den Wahlkreis Aurich-Emden zuständige SPD-Bundestagsabgeordnete Garrelt Duin sein Mandat nieder, um Wirtschaftsminister in Nordrhein-Westfalen zu werden. Die Genossen in Großefehn und Wiesmoor schlugen Beekhuis als Kandidaten für die Bundestagswahl 2013 vor. Am Ende entschied sich die SPD allerdings für Johann Saathoff als Kandidaten.

Im September 2013 wurde schließlich der Grundstein für Beekhuis’ Einzug in den Landtag gelegt: Der SPD-Abgeordnete Holger Heymann wurde zum Wittmunder Landrat gewählt und schied aus dem Landtag aus. Beekhuis wurde für die Wahl 2017 als Kandidat in Heymanns Ex-Wahlkreis Wittmund/Inseln nominiert – und zog dank 43,63 Prozent der Erststimmen ins Parlament ein.

Beekhuis’ Karriere war bislang geprägt von der Politik: Nach seinem Master in Politikwissenschaften arbeitete er für die Bundestagsabgeordnete Karin Evers-Meyer (Friesland). Sein Landtagsmandat läuft noch bis 2022. Was dann folgt, ist offen.