Hannover/Im Nordwesten - „Wölfe fressen kein Gras“, „Rettet die Schafe, rettet die Weidetiere – Schutzjagd jetzt“: Mit eindringlichen Parolen und deutlichen Worten haben am Montag mehr als 50 Tierhalter vor dem Landtag in Hannover den Abschuss auffälliger Wölfe gefordert.

„Die jüngsten Vorfälle in Löningen, wo dem Deichschäfer sechs Schafe gerissen, 45 Lämmer totgeboren und weitere fünf Schafe schwer verletzt wurden, zeigen, wie sehr der Druck auf die Weidetierhalter durch den Wolf zunimmt“, erklärte Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers und rechnete vor, dass sich die Zahl der aktuell etwa 250 Wölfe in Niedersachsen bis zum Ende der Legislaturperiode im Herbst 2022 verdoppelt haben dürfte.

NEUER VORFALL IM KREIS CLOPPENBURG Mutmaßlicher Wolfsriss – Schäfer fürchtet um Existenz

Ellen Kranz
Löningen

Das „Aktionsbündnis aktives Wolfsmanagement“ fordert von der Landesregierung einen „aktiven Schutz der Weidetiere“, dazu zähle auch die „Jagd auf den Wolf in den Hochburgen mit Wolfsrissen“.

Die Demonstranten überreichten Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (Sande/Kreis Friesland) eine entsprechende Petition. Der SPD-Politiker äußerte zwar Verständnis für die Sorgen der Tierhalter, konnte ihnen aber keine allzu großen Hoffnungen machen. Schutzjagden etwa stünden dem EU-Recht entgegen.

Lies bekräftigte, dass er in Berlin weiter auf eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes drängen werde, um in gravierenden Fällen nicht nur einzelne Tiere, sondern ganze Wolfsrudel „entnehmen“ – also töten – zu dürfen. Was die Wolfspopulation insgesamt angehe, müsse es eine „Regelung auf nationaler Ebene“ geben, antwortete er auf eine entsprechende Frage von Landvolk-Vize Ehlers und erntete Kritik von Schäfern, die dem Minister „schöne Worte“ vorwarfen.

TIERE BEI LÖNINGEN GERISSEN Bekommt Deichschäfer Entschädigung?

Ellen Kranz
Löningen

„Viele Ihrer Ausführungen kennen wir schon, aber uns läuft die Zeit davon“, sagte Ehlers und kündigte an: „Wenn es nicht bald konkrete Lösungen gibt, kommen wir wieder.“ Auch den illegalen Abschuss des streng geschützten Wolfes zog Ehlers als „letztes Mittel“ in Betracht.

Zu den Demonstranten vor dem Landtag gehörten auch Carolin Westerkamp vom Landvolk Cloppenburg, Christoph Friederich vom Landvolk Vechta und Rinderhalter Jürgen Göttke-Krogmann aus Lohne (Kreis Vechta). Friederich berichtete von einem jungen Rüden, der jegliche Scheu vor Menschen verloren habe, und Westerkamp von einem Wolf, auf dessen Konto mehr als 100 Risse gingen. „Die Freilandhaltung von Weidetieren wird durch den Naturschutzstatus des Wolfes bedroht“, beklagte Rinderhalter Göttke-Krogmann und stellte klar: „Wölfe fressen kein Gras.“