Hannover/Nienburg - Der seit Ende Januar zum Abschuss freigegebene Problem-Wolf „GW717m“ aus dem Kreis Nienburg entzieht sich weiter erfolgreich seiner Tötung, darf sich aber nicht in Sicherheit wiegen. Wie eine Sprecherin des niedersächsischen Umweltministeriums auf Nachfrage unserer Zeitung andeutete, sieht es ganz danach aus, als würde die an diesem Samstag auslaufende Ausnahmegenehmigung zur „Entnahme“ erneut verlängert werden. Die Genehmigung werde erst auslaufen, „sobald die Gefahr erheblicher Schäden nicht mehr angenommen werden kann“.
Das scheint allerdings aktuell nicht der Fall zu sein. Der Rodewalder Rüde ist laut Ministerium nachweislich noch im Territorium unterwegs. Der letzte Riss, der eindeutig „GW717m“ zugeordnet werden konnte, habe sich am 14. Juli gute 20 Kilometer von Nienburg entfernt in Rethem ereignet. Opfer war ein Schaf. Der Riss sei zugleich der letzte eindeutige Nachweis des Tieres gewesen.
Die Frage, warum es seit Jahresbeginn nicht gelungen ist, den Wolf, der Schutzzäune überwunden und etliche Rinder in einer Herde getötet hatte, zu erlegen, beantwortet das Umweltministerium so: „Für die Entnahme eines nicht besenderten Wolfes gibt es in Niedersachsen keinen Präzedenzfall. Die Maßnahme in einem sehr großen Revier, die unter höchstmöglicher Schonung der übrigen Rudelmitglieder erfolgt, ist ein schwieriges Unterfangen.“ Dieses sei durch die „Aktivitäten von Störern“ noch verschärft worden. Zudem macht das Ministerium Einfluss durch „in sozialen Medien geschürte Stimmung“ geltend.
Zudem würden selbstverständlich alle tier- und artenschutzschutzrechtlichen Belange berücksichtigt. Das schließt den von einigen Jägern empfohlenen Rückgriff auf die Lappjagd aus. Bei dieser Methode wird ein Gebiet mit Lappen (Blendzeug) eingegrenzt. Das Wild verlässt das Gebiet an den Stellen, wo sich keine Lappen befinden und kann dort erlegt werden. Allerdings ist die Lappjagd umstritten und in Deutschland stark reglementiert.
Bisher hat die erfolglose Jagd auf den Rodewalder Wolf das Land Niedersachsen weit mehr als 83 000 Euro gekostet.
