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nordwest-zeitung

SCHNEEKATASTROPHE 1978/79 Lokführer müssen Gleise freischaufeln

MAREN BETTMANN

Harpstedt - „Hier war so’n kleines Schleswig-Holstein.“ Wenn Horst Horstmann, ehemaliger Bauamtsleiter der Samtgemeindeverwaltung, an die Schneekatastrophe vom Winter 1978/79 zurück denkt, dann zieht er gern einen Vergleich zum nördlichsten Bundesland, das vor 30 Jahren besonders stark betroffen war. Starke Schneefälle in der Nacht zu Dienstag, 13. Februar 1979, legten auch über die Samtgemeinde Harpstedt eine schwere, weiße Schicht, die das Alltagsleben für einige Tage lahm legte.

„Unser Bauhof war fast Tag und Nacht im Einsatz, um die Straßen zu räumen“, erinnert sich Horst Horstmann. Die Straße nach Beckeln sei total abgeschnitten gewesen. „Da liefen die Leute zu Fuß und mit Schlitten über die Äcker, um nach Harpstedt zu kommen und sich dort mit Lebensmitteln zu versorgen“, berichtet der heute 80-jährige Horstmann.

Post fährt Umwege

Ex-Bürgermeister Hermann Bokelmann, damals Briefzusteller, weiß noch: „Wir konnten die Post für Harpstedt nicht aus Bassum abholen, weil die Straße dorthin dicht war.“ So sei man den Umweg über Fahrenhorst und Heiligenrode gefahren, um die Post abzuholen.

Den Kampf gegen die Schneemassen traten auch die 25 Mitarbeiter der damals noch existierenden Straßenmeisterei in Harpstedt an. Ihr damaliger Leiter Artur Ottawa erinnert sich: „Weil unser Fuhrpark zum Räumen nicht ausreichte, mussten wir uns von Firmen Großgeräte wie Bagger und Schaufellader anmieten.“ Zusätzlich wurden etwa 30 Soldaten als Hilfskräfte geschickt, und die Bundeswehr rückte mit Bergepanzern an.

Schnelles Handeln, so erinnert sich Ottawa noch gut, sei bei einem ärztlichen Notfall zwischen Kirchseelte und Klosterseelte gefragt gewesen. Seines Wissens sei der Patient am Ende aber noch rechtzeitig versorgt worden. Panik beschlich viele Bauern bei der Versorgung ihrer Tiere: „Wir hatten viele aufgeregte Anrufe, weil die Futtermittel knapp wurden und die schweren Silofahrzeuge viele Höfe nicht erreichen konnten“, erzählt der ehemalige Chef der Harpstedter Straßenmeisterei.

Busfahrer und Lokführer arbeiten mit Schaufel

Ebenfalls kein Durchkommen gab es für die Züge der Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn (DHE). Peter Sparkuhl, damals Busfahrer bei der DHE, weiß es noch wie heute: „Alle Busfahrer und Lokführer mussten mit der Schaufel versuchen, die Schienen frei zu bekommen. Bis Dünsen sind wir gekommen, dann haben wir aufgegeben.“ Hilfe kam schließlich von der Bundesbahn, die von Delmenhorst aus eine Lok mit Schneefräse bereit stellte.

Peter Sparkuhl konnte der weißen Pracht auch etwas Positives abgewinnen: „An den Tagen mit Fahrverbot fuhren in Harpstedt keine Autos, und man konnte schön in aller Ruhe spazieren gehen.“

Mehr Artikel zum Jahrhundertwinter im Nordwesten 1978/79 finden Sie unter www.NWZonline.de/scheekatastrophe.

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