Holler-Neuenwege - Die letzten Bissen des Schnitzels und die Pommes kriegt der Gast im Restaurant einfach nicht mehr runter. Er ist pappsatt. Die Essensreste gehen zurück in die Küche. Doch was passiert dann mit den Überbleibseln? Sie dürfen nicht in den Biomüll, sondern müssen vorschriftsgemäß entsorgt werden. Ein Unternehmen, das diese Entsorgung übernimmt, ist etwa die Firma Refood in Holler-Neuenwege.
2017 gab sie ihr ursprüngliches Betriebsgelände in Altmoorhausen auf und zog in das Gewerbegebiet zwischen Oldenburg und Wüsting. „Wir haben mit dem vorherigen Standort sehr gute Erfahrungen gemacht und uns in Hude wohl gefühlt. Das war ein wesentlicher Entscheidungsfaktor, auch weiterhin hier ansässig zu bleiben“, sagt Niederlassungsleiter Lorenz Baden.
Das Unternehmen sammelt jährlich etwa 550 000 Tonnen Reststoffe von über 70 000 Kunden ein.
Refood betreibt fünf Biogasanlagen in Marl, Schwallungen, Kogel, Malchin und Genthin.
28 000
Haushalte können mit der in Refood-Biogasanlagen in Deutschland erzeugten Energie mit Strom und Wärme versorgt werden. So können laut dem Unternehmen 56 000 Tonnen CO
Mit 40 Fahrzeugen schwärmen die Fahrer von Holler-Neuenwege in die Region aus. „Mit rund 75 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern organisieren wir vom Standort Hude aus die Abholung von Speise- und Lebensmittelresten von rund 5000 Kunden im Umkreis von 100 Kilometern“, so Baden. Zu den Kunden, die Speisereste entsorgen lassen, zählen viele verschiedene Einrichtungen: Seniorenheime, Hotels, Sternegastronomie oder Schnellrestaurants. „Im Grunde da, wo gegessen und getrunken wird“, erklärt Marcel Derichs, Sprecher von Refood. Die gefüllten Tonnen mit Speiseresten werden vor Ort von den Fahrern eingesammelt. Zudem kann über das Unternehmen gebrauchtes Frittierfett entsorgt werden.
Abgelaufener Joghurt, aufgetaute Tiefkühlpizza oder überreife Bananen: Überlagerte Lebensmittel vom Handel umfassen einen weiteren Bereich der Arbeit bei Refood. Und auch Überbleibsel aus der Lebensmittelindustrie wie zum Beispiel Reste, die beim Schneiden oder Entkernen anfallen, können durch Refood entsorgt werden.
Die Entsorgung wird für die Lebensmittelkontrollbehörde digital dokumentiert. „Wir brauchen da eine entsprechende Verwaltung“, sagt der Refood-Sprecher. Die Mitarbeiter erfassen die Behälteranzahl, Behältergröße, Füllmenge sowie Tag und Uhrzeit.
Sobald die Fahrzeuge mit den Tonnen voller Speise- und Lebensmittelreste in der Niederlassung ankommen, durchlaufen sie mehrere Schritte. Zunächst werden sie zerkleinert und von den Verpackungen getrennt. Plastik, Gabeln, die aus Versehen entsorgt wurden, oder Servietten werden getrennt entsorgt, so Derichs. Die organischen Reststoffe werden in einem Hygienisator für eine Stunde auf über 70 Grad erhitzt, um dadurch Bakterien und Keime abzutöten. Dann werden weitere Störstoffe wie Knochen, Glas oder Sand abgetrennt. Nachdem die Reste entfettet wurden, werden sie im letzten Schritt aus Holler-Neuenwege zu einer der fünf Biogasanlagen gebracht. „Die Biomasse, die in Hude gesammelt wird, geht nach Marl oder Kogel“, so der Sprecher. Es folgt ein mehrstufiger bakterieller Prozess. Aus der Biomasse werden dann erneuerbare Energien in Form von Strom und Wärme sowie ein nachhaltiger Dünger erzeugt. Der aus der Biogasanlage gewonnene Strom wird von der Firma in den Anlagen genutzt und ins öffentliche Netz eingespeist.
Das gebrauchte Frittierfett und Fette aus Lebensmitteln gibt Refood als Rohstoffe an die Biodieselindustrie zur Weiterverarbeitung. Die Behälter, die durch die Fahrer mit Frittierfett oder Lebensmittelresten gefüllt abgeholt werden, werden durch gereinigte Tonnen ausgetauscht und durchlaufen in der Niederlassung eine Art Waschstraße, berichtet der Sprecher.
Nach den ersten acht Monaten in Holler-Neuenwege zeigt sich der Niederlassungsleiter zufrieden: „Refood Hude hat sich in den letzten Jahren überaus positiv entwickelt, was sich an dem neuen Standort besonders vor dem Hintergrund der in Wirtschaft und Gesellschaft wachsenden Bedeutung von sinnvoller Verwertung von Lebensmittelresten als auch die Produktion von erneuerbarer Energie fortsetzen wird.“
