Horumersiel - Das Wetter war wie bestellt für den ersten Einsatz des neuen Prickenboots „Prigge“: Bei strahlendem Sonnenschein, schwachem Wind und tiefer ablaufender Ebbe hat eine vierköpfige Crew der Segelkameradschaft Horumersiel (SKHS) mit dem neuen Arbeitsboot Kurs auf die Jade genommen, um die Fahrrinne des Wanger-Außentiefs auszupricken – zu kennzeichnen. „Das ist super gut gelaufen. Besser als wir es uns vorgestellt haben“, zog Tanno Kruse von der Segelkameradschaft am Sonnabend nach fünfstündigem Arbeitseinsatz eine erste Bilanz.

Die Vorgeschichte: Nachdem im letzten Sommer der damit beauftragte Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) das Auspricken erst zwei Monate nach Saisonbeginn und nur unvollständig ausgeführt hatte, nahmen die drei Horumersieler Segelvereine die Sache in diesem Frühjahr selbst in die Hand. In Rekordzeit entstand beim Spezialbootsbau in Hooksiel ein von Bootsbaumeister Wolfram Heibeck konstruierter Katamaran, der als Plattform für die schwere Arbeit im Watt dient.

Die drei Horumersieler Wassersportvereine als Auftraggeber bewirtschaften gemeinsam den Hafen Wangersiel. Die Wangersiel Hafenbetriebs-Gesellschaft (GbR) der Vereine wendet für den Neubau rund 15.000 Euro auf. Für das Kennzeichnen der Fahrrinne fühlen sich Behörden nicht zuständig, weil in einer 60 Jahre alten Liste der „schiffbaren Gewässer“ in Niedersachsen das Wanger-Außentief nicht genannt wird. Damals dachte noch niemand an Wassersport in Horumersiel.

Alle Bemühungen, diese Liste der Realität anzupassen, stießen bei Landes- und Bundesbehörden auf taube Ohren. Auch von der Gemeinde Wangerland, dem Landkreis Friesland oder dem örtlichen Landtagsabgeordneten Olaf Lies gab es keinerlei politische Unterstützung.

Unter den Mitgliedern der Segelkameradschaft Horumersiel, des Yachtclubs Wangerland und des Horumersieler Yachtclubs wuchs indes der Unmut darüber, dass der Hafen oft schwer zu erreichen war. Auswärtige Gäste, die nicht die intime Ortskenntnis der Horumersieler Skipper besitzen, steuern aus dem Grund Horumersiel nur mit Bauchschmerzen an. „Das wird nun anders. Der Prickenweg ist markiert, bevor die Saison richtig beginnt“, freute sich der stellvertretende Vorsitzende des Yachtclubs Wangerland, Lutz Wittgenstein: „Das gab es noch nie.“

Für die erstmals tätige Prickenmannschaft war der Sonnabend ein erfolgreicher Arbeitseinsatz. „Wir haben rund 30 Pricken neu gesetzt. Es ist noch ein zweiter Einsatz erforderlich, um die alten Pricken abzusägen sowie noch zwei, drei Pricken einzuspülen“, berichtete Tanno Kruse.

Mit dem Katamaran, der nur geringen Tiefgang aufweist, habe man die vorgesehenen Positionen prima anfahren können. Mittels einer leistungsstarken Pumpe und einer Spüllanze wurden die rund sieben Meter langen Birkenstämme tief in den Wattboden eingespült. „Wir mussten ja auch erst sehen, wie’s läuft“, meinte Dr. Jens-Werner Hinrichs, der mit an Bord war.

Lediglich Andre Engelhard, der beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt angestellt ist, hatte praktische Erfahrungen mit der Arbeit im Watt. Für den Hafen Wangersiel ist die mutige Entscheidung der Vereine, ein besonderes Arbeitsboot bauen zu lassen, eine deutliche Qualitätsverbesserung. Wer ständig die Stärkung des Ehrenamts im Mund führt, sollte dieses Engagement für den Wassersport ruhig als vorbildhaft loben – vor allem, wo im Hafen ein Fahrgastschiff und die Seenotretter beheimatet sind.