Hude - „Hokuspokus Fidibus, drei Mal schwarzer Kater!“ – So lautet ein alter Zauberspruch. Im Fall eines schwarzen Katers aus Hude, muss er wohl leicht abgewandelt werden in: „... zwei Mal schwarzer Kater!“ Denn den Kater Max, den gibt es gleich zweimal: Einmal als „Max“ und einmal als „Efe“. Das sind die Namen, die seine Besitzer ihm gegeben haben. Denn Max (Efe) lebt jetzt gleich in zwei Familien, die bis vor kurzem nichts voneinander wussten.
Da liegt er. In einem Korbstuhl im Wintergarten seines Frauchens Monika Drees an der Hohen Straße und schläft. Sie streckt ihre Hand nach ihm aus und krault ihren Kater liebevoll am Hals. Das war lange Zeit nicht möglich, denn vor drei Jahren verwand Kater Max plötzlich spurlos aus dem Hause Drees, tauchte nur hin und wieder im Garten auf, um „nach dem Rechten zu sehen“, wie Monika Drees vermutet. Anfassen und streicheln ließ er sich nicht, kam auch nicht ins Haus. Die Zweifel waren groß, ob das wirklich Max war. Aber irgendwie hatte Familie Drees immer das Gefühl, dass das nur Max sein konnte...
Wie die NWZ berichtete, kam Max im September dann plötzlich zu Monika Drees zurück – als wäre nichts gewesen. Er legte sich auf seinen Platz und blieb. „Er schnurrte wie verrückt, als wir ihn streichelten“, erzählt die Huderin. Was Max die drei Jahre gemacht hatte, blieb zunächst ein Mysterium. Monika Drees konnte sich diese merkwürdige Geschichte nicht erklären und freute sich einfach, dass Max wieder da war.
Des Rätsels Lösung ergab sich dann sehr schnell: „Einen Tag nachdem die Geschichte in der Nordwest-Zeitung stand, rief ein Mann an und erzählte, dass der Kater die ganze Zeit bei seiner Familie gelebt hatte – nur neun Häuser entfernt“, erzählt Drees. Sie kann das Ganze immer noch nicht fassen.
Das Mysteriöse: Max zog es anscheinend in das Elternhaus ihres verstorbenen Mannes. „Das ist unglaublich“, sagt Monika Drees, „denn er hat gar keinen Bezug zu dem Haus. Außerdem habe ich Max erst bekommen, als mein Mann bereits verstorben war.“ Also immer noch ein Rätsel?
Für Monika Drees macht die ganze Geschichte jetzt Sinn. Als ihr Mann im Sommer 2015 starb, kam Kater Max zu ihr. Er sollte ihr Trost spenden. Vier Monate später, kurz vor Weihnachten, verschwand er dann. Ihre Theorie: „Ich glaube, dass der Mensch eine Seele hat und dass die Seele meines Mannes in den Kater übergegangen ist. Warum sonst ist er zu diesem Haus gelaufen?“
Auf den Zeitungsartikel gemeldet hat sich Salih Sarildiyan. Bei ihnen habe der Kater vor drei Jahren an die Tür gekratzt und wollte nicht mehr gehen, erzählt der Vater von zwei Kindern. Seine Töchter Azra (12) und Evra (21) hätten sich immer eine Katze gewünscht. Zum neuen Jahr sollte ein kleines Kätzchen angeschafft werden. Kurz vor der Silvesternacht hätte aber bereits Max vor der Tür gestanden. „Die Kinder haben sich gefreut, aber wir haben natürlich zuerst einmal alles getan, um herauszufinden, wem das Tier gehört“, so Sarildiyan. Das Tierheim und Facebook-Aufrufe konnten auch nicht weiterhelfen. Also blieb der Kater. Sie ließen ihn kastrieren und „er wurde ein Familienmitglied“. Dass er Max hieß, wusste Familie Sarildiyan nicht. Sie gab ihm den Namen „Efe“, der im Türkischen für einen starken Mann steht, der sich für Schwächere einsetzt. Ein halbes Jahr später erhielt Max im Hause Sarildiyan auch noch eine Gefährtin.
Max, der nun Efe hieß, blieb bei Sarildiyans ein Freigänger, was auch die kurzen Besuche im Garten von Monika Drees erklärt. Einige Zeit, nachdem die Sarildiyans umziehen mussten, weil das Haus, in dem sie bislang wohnten, abgerissen wurde, kam der Kater dann nicht mehr zu ihnen zurück. Die Familie war sehr besorgt und traurig – bis sie das Bild von Max in der Nordwest-Zeitung sah.
Und jetzt? – Jetzt hat Kater Max zwei Familien, wo er zu Hause ist. Zwar hat er sich dazu entschieden, wieder bei Monika Drees zu leben. Aber er kommt immer wieder auch zu Besuch bei seiner zweiten Familie. Mal für eine halbe Stunde, aber manchmal bleibt er auch über Nacht. Die Familien Drees und Sarildiyan sitzen derweil zusammen. Und sie erzählen sich gegenseitig die Geschichte um das große Mysterium des schwarzen Katers, lachen über seine Eigenarten und Charakterzüge, die alle nur zu gut kennen. „Eine Schmusekatze ist er ja nicht“, weiß Monika Drees. Da stimmt ihr Salih Sarildiyan zu: „Er zeigt es einem sofort, wenn er auf etwas keine Lust hat. Aber er ist ein außergewöhnlicher Kater, total umgänglich und locker.“ Was auch immer der wahre Grund für das Verschwinden von Max war – dadurch haben sich in jedem Fall neue Freundschaften entwickelt.
