Hundsmühlen - „Eigentlich müssten wir erweitern“, sagt Egon Freese. „Aber das geht nicht, weil wir dann die heute geltenden Grenzabstände nicht mehr einhalten könnten.“ Ihren Kühen zuliebe würden er und sein Sohn gern ins Tierwohl investieren: „Der Standard mit Laufgängen von vier bis 4,50 Metern und moderner Melktechnik ist heute besser. Aber das muss auch finanzierbar sein.“ Hundert Milchkühe haben Egon Freese und sein Sohn Dirk. Damit gehören sie eher zu den Kleinen der Branche. Zu investieren aber lohne sich nicht mehr: Die hohen Auflagen und die Baukosten ständen in keinem Verhältnis zum Milchpreis.
„Eigentlich ist die Milchproduktion nur noch Idealismus – wir Landwirte haben keinen Einfluss auf die Preise, tragen aber das volle Investitionsrisiko“, macht Dirk Freese deutlich. Eine selbstbestimmte Kalkulation? Fehlanzeige.
„Eigentlich ist die Milchproduktion nur noch Idealismus“, sagt Dirk Freese.
Weg vom teuren Soja
Egon Freese freut sich, dass sein Sohn den Hof eines Tages übernehmen wird. „Aber ich hätte kein Problem damit gehabt, wenn er einen anderen Weg eingeschlagen hätte“, betont er. Vor diesem Hintergrund hält er seinem Sohn den Rücken frei, wenn der Neues ausprobiert. Die Milchtankstelle etwa oder den Regiomaten, der mittlerweile wieder eingestellt worden ist. „Sobald man per Regiomat nicht nur Produkte vom eigenen Hof anbietet, schlägt die Steuer voll zu – das hat sich nicht gelohnt. Und das Angebot wurde auch nicht so angenommen, wie ich gehofft hatte“, ist die Erfahrung von Dirk Freese. Vater Egon nimmt’s locker: „Wenn man was Neues anfängt, birgt das immer ein Risiko“, sagt er ruhig. Und so hat es den 62-Jährigen auch nicht erschüttert, als der Anbau der Leguminosen, den sein Sohn vorangetrieben hat, im vergangenen Jahr verregnet ist. In diesem Jahr will Dirk Freese es noch einmal mit dieser besonders eiweißreichen Futtererbse für die Rinder versuchen. „Eiweißfutter ist die teuerste Komponente in der Milchviehwirtschaft“, erklärt er. „Deshalb wollen wir weg vom Soja. Wir versuchen, ein bisschen an den kleinen Schräubchen zu drehen und langsam Dinge zu ändern.“ Dirk Freeses jüngstes Projekt ist die Verpachtung von Ackerflächen an Privatleute, die auf kleinen Parzellen ihr eigenes Gemüse anbauen. „Das läuft gut“, freut er sich. Ein zweites Standbein allerdings seien solche Angebote nicht – höchstens ein Zubrot.
„Wachse oder weiche“
Die landwirtschaftlichen Betriebe im Landkreis Oldenburg bearbeiten durchschnittlich 60 bis 70 Hektar. 2003 bewirtschaften noch gut 40 % der Landwirte nur bis zu 20 Hektar.
Auch die Zahl der Familienarbeitskräfte hat sich seither drastisch verändert: 2003 arbeiteten noch 11,3 % aller Erwerbstätigen im Landkreis auf einem eigenen Hof, heute liegt der Anteil bei 5,9 %.
Im Kreislandvolksverband mit seinen 23 Ortsverbänden sind 2606 Mitglieder organisiert. Sie bewirtschaften eine Gesamtfläche von 55 607 Hektar.
Viele Betriebe im Landkreis stellen sich mit mehreren Betriebszweigen breiter auf, z.B. Schweinemast und Biogas, statt nur auf ein Standbein zu setzen.
Um als kleinerer Betrieb in der Landwirtschaft zu überleben, muss man mit sehr spitzem Bleistift rechnen, wissen die Freeses. „Der Milchpreis von 40 Cent, den wir im Moment haben, lässt es zu, auch mal Rücklagen zu bilden. Aber wer gerade viel investiert hat, für den bleibt es eng“, wissen sie. Die Landwirtschaftspolitik ärgert Dirk Freese. „Sobald die Politik eingreift, wird es für die Betriebe umständlicher, weil sie sich mit noch mehr Bürokratie auseinandersetzen müssen. Da sitzen keine Fachleute mehr, die sich an der Basis auskennen – das spürt man.“
In der Landwirtschaft gelte nur noch das Prinzip „Wachse oder weiche“, sagt er. Dabei wollten viele bäuerliche Betriebe nicht wachsen, sondern einfach nur von ihrer Arbeit leben. Seine persönliche Zukunftsperspektive? In Bewegung bleiben. Das sei ganz wichtig, sagt Dirk Freese, und der Vater nickt bestätigend. „Stillstand bedeutet Rückschritt.“
