Huntorf - Herausforderungen gab es einige zu meistern in vier Jahrzehnten Druckluftspeicherkraftwerk Huntorf. Da waren zunächst die technischen: Vor allem die so genannten Rohrfördertouren stellten die Ingenieure von Beginn an vor Probleme. So waren die zuerst eingebauten Stahlleitungen zu den in 650 bis 800 Meter Tiefe liegenden beiden Kavernen innerhalb kürzester Zeit verrostet. Schon nach zwei Jahren mussten sie durch solche aus Glasfaserverstärkten Kunststoff (GFK) ersetzt werden. Doch auch der erwies sich Hitze und Salz gegenüber als nicht standfest. Also folgten 2002 verzinkte Leitungen, die 2009 noch einmal ertüchtigt wurden, bevor 2014 wieder auf GFK umgerüstet wurde, und diese zuletzt 2016 noch einmal verbessert wurden. Eine Brennkammer für den enormen Druck von 42 Bar zu entwickeln, war hohe Ingenieurskunst. Und da waren – auch angesichts dieser Investitionen – die wirtschaftlichen Herausforderungen. Aber auch wenn das Kraftwerk manches Mal auf der Streichliste stand, konnte seine Wirtschaftlichkeit immer wieder nachgewiesen werden.

An all dies erinnerte Thomas Hohmann, Leiter der Uniper-Kraftwerksgruppe, bei den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen des Druckluftspeicherkraftwerkes Huntorf. Dies war am 4. Dezember 1978 in Betrieb gegangen. Und nun wurde gefeiert. „Wir machen’s wie die Queen“, so Hohmann unter Anspielung an die betagte britische Monarchin, die ihre Geburtstagsfeier auch immer in die wärmere Jahreszeit verlegt.

So arbeitet das Kraftwerk Huntorf

In Zeiten geringen Strombedarfs pumpt die Anlage Luft in zwei Salzkavernen. Wird viel Strom benötigt, wird die unterirdisch gespeicherte Druckluft mit Erdgas in der Gasturbine verbrannt, um Strom zu erzeugen – und das sehr schnell: Innerhalb weniger Minuten kann die Turbine ihre volle Leistung von 321 MW erreichen.

Das Kraftwerk ist so geplant, dass es unbemannt gefahren werden kann. Seine Betriebsbefehle erhält es aus Düsseldorf. Vor Ort arbeiten in der Regel nur zwei Mitarbeiter, die vor allem Wartungsarbeiten ausführen.

Das Druckluftspeicherkraftwerk Huntorf hat eine Ausspeicherleistung (Elektrische Nettoleistung) von 321 MW und eine Einspeicherleistung von 68 MW. Durch Ausweitung des Druckbereichs in der Kaverne konnte unlängst eine Kapazitätserweiterung von zuvor 1200 MWh auf 1680 MWh erreicht werden.

Das Spitzenkraftlastwerk Huntorf ist schwarzstartfähig: Die Anlage kann ohne fremde Energie gestartet werden. So kommt ihm auch eine wichtige Funktion für den Fall eines weitreichenden Netzausfalls zu. Mit seiner Hilfe könnte das Stromnetz nach und nach wieder hochgefahren werden.

Das Kraftwerk wird vor allem genutzt, um Bedarfe und Überschüsse an Energie im Netz auszugleichen. Zu Beginn sollte es vor allem Grundlaststrom des Kernkraftwerkes Unterweser in Schwachlastzeiten aufnehmen und in Spitzenlastzeiten ins elektrische Netz einspeisen. Heute hat es diese wichtige Funktion zum Speichern von Windenergie. Aber auch das Einspeisen ins Netz bei hohen Strompreisen und das Einspeichern in die Kavernen bei niedrigen trägt nicht unerheblich zur Wirtschaftlichkeit des Kraftwerks bei.

1978 hatte man mit dem Druckluftspeicherkraftwerk absolutes Neuland betreten. Und auch wenn bis heute weltweit nur ein anderes Kraftwerk dieser Art folgte – 1991 im US-amerikanischen McIntosh (Alabama) in Betrieb genommen – setzt man beim heutigen Eigentümer Uniper weiter auf die Technik.

Und nicht nur das: Jetzt steht die nächste Herausforderung an: Das 40 Jahre alte Kraftwerk fit für die Zukunft zu machen. Zum „alten Eisen“ gehört die betagte Technik nämlich noch lange nicht. Wasserstoff heißt der Stoff, mit dem das fast einmalige Kraftwerk auch künftig einen wichtigen Beitrag zum deutschen Energienetz leisten soll. „Derzeit laufen Gespräche mit der EWE“, verrät Uwe Krüger, Leiter Produktion der Kraftwerksgruppe. Gemeinsam soll der mögliche Einsatz von – mit Windenergie produziertem – Wasserstoff am Standort Huntorf erforscht und erprobt werden. Wenn es gelingt, die 40 Jahre alte Turbine mit Wasserstoff – statt wie bisher mit Erdgas – zu betreiben, würde „grüner Strom“ erzeugt, und das Kraftwerk bekomme „eine ganz neue und andere Bedeutung“, so Hohmann. „Dann werden wir noch länger Spaß und Freude daran haben.“ Und dann könnte noch so manch „runder Geburtstag“ in Huntorf gefeiert werden.

Markus Minten
Markus Minten Stadt Oldenburg und Ammerland (Leitung)