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Schnellere Planung und mehr Digitalisierung

29.06.2019

Im Nordwesten Vom Fachkräftemangel bis zur mangelhaften Infrastruktur. Logistiker haben einige Herausforderungen zu meistern. Wie das gelingen kann und wo es noch hakt, erklären die beiden IHK-Experten Arno Ulrichs und Felix Jahn.
Frage: Herr Jahn, wie sehen Sie den Nordwesten logistisch aufgestellt?
Jahn: Der Nordwesten ist ein Kraftzentrum der Logistik in Deutschland. Das hängt mit der geografischen Lage zusammen. Zum einen ist da die Nähe zu den Niederlanden, Skandinavien oder den osteuropäischen Nachbarn. Aber auch die Seehäfen in Wilhelmshaven und Brake sorgen für internationalen Logistikverkehr. Wir sind eine Transitregion, durch die der Logistikverkehr fließt und zugleich sind wir Ziel- und Quellregion für Warenströme.
Frage: Welche Bedeutung hat die Küstenautobahn (A 20) für die Logistik in unserer Region?
Jahn: Die Küstenautobahn ist ein wichtiges Bauprojekt. Denn sie überwindet die räumliche Trennung zwischen Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Zudem verbessert sie die Hinterland-Anbindung zu den deutschen Seehäfen. Ferner entlastet die A 20 das vorhandene Straßennetz. Straßen sind nach wie vor der Hauptverkehrsträger. Laut Prognosen wächst der Verkehr bis 2030 sogar noch weiter. Außerdem könnte die A 20 einen echten Schub für unsere Region bringen. In der Regel siedeln sich an der Autobahn Unternehmen an – so war es auch bei der A 1. Neue Infrastruktur bringt neue Unternehmen.
Frage: Wo sehen Sie neben der Infrastruktur noch Verbesserungsbedarf?
Jahn: Ein Problem ist, dass die Planung der Projekte ewig dauert. Das Planungsrecht ist einfach zu kompliziert. Außerdem benötigt Logistik gute Rahmenbedingungen. Das sind zum Beispiel mehr Lkw-Stellplätze an den Autobahnen. Auch das Feiertagsfahrverbot ist ein Problem. Der Reformationstag und einen Tag später der Feiertag Allerheiligen in Nordrhein-Westfalen haben etwa dafür gesorgt, dass an zwei Tagen die Logistikkette mit dem benachbarten Bundesland unterbrochen war. Die Industrie und die Logistiker wünschen sich daher, dass das Feiertagsfahrverbot an nicht bundeseinheitlichen Feiertagen aufgehoben wird.
Frage: Der Güterverkehr auf der Straße ist in den vergangenen Jahren um etwa 40 Prozent gestiegen. Haben Sie eine Idee, wie man die Hauptlast von der Straße bekommen könnte?
Jahn: Eine Möglichkeit, die Straße zu entlasten wäre, dass Lang-Lkw grundsätzlich auf allen Autobahnen und Bundesstraßen fahren dürfen. Sie können deutlich mehr Warenvolumen transportieren. Dann hätte man zumindest einige kleinere Lkw weniger auf der Straße. Aber auch die Leistungsfähigkeit der Verkehrsträger Schiene und Wasserstraße muss gestärkt werden. Denn wenn mehr Transporte von Gütern per Bahn und Schiff stattfinden können, spielt sich weniger auf der Straße ab.

Frage: Herr Ulrichs, wie sehen Sie die Region logistisch aufgestellt?
Ulrichs: Die Region ist logistisch gut aufgestellt, alle regional wichtigen Verkehrsträger haben eingespielte Wege und Verbindungen. Insbesondere der Lückenschluss der A 31 im Emsland hat der ganzen Region noch einmal einen enormen Impuls gegeben und den Bereich Logistik deutlich gestärkt.
Frage: Welche Herausforderungen gilt es zu meistern?
Ulrichs: Viele Verkehrswege sind in den vergangenen Jahren nicht adäquat unterhalten worden. Jetzt gibt es einen Nachholbedarf – und entsprechend viele Baustellen. Das behindert den Verkehrsfluss und setzt Logistiker unter Druck. Lastwagen stehen im Stau. Eine Verstetigung der Unterhaltung der Verkehrswege könnte das Problem lösen. Darüber hinaus gilt es, für die geleisteten logistischen Dienstleistungen auch den angemessenen Preis zu bekommen. Wir erleben, dass immer mehr Kompetenzen auf Logistiker übertragen werden, die Unternehmen früher selbst erledigt haben. Ein Beispiel ist die Konfektionierung von Lieferungen. Diese zusätzliche Leistung wird aber entweder gar nicht oder zu gering bezahlt. Weiterhin steht die Branche extrem unter Preisdruck. Denn Spediteure aus Osteuropa können Touren zu sehr günstigen Konditionen anbieten. Außerdem sind die infrastrukturellen Voraussetzungen zu schaffen, damit die Digitalisierung in der Logistik auch in unserer Region voll greifen kann – also Breitbandausbau und Mobilfunkausbau (5G-Standard).
Frage: Wieso ist die Digitalisierung so wichtig?
Ulrichs: Die Digitalisierung ist in der Logistik von herausragender Bedeutung – sie erlaubt die automatisierte Verzahnung von Güterströmen und Dienstleistungen und stellt damit die Zukunft der Logistik dar. Gleichzeitig ist die Digitalisierung ein entscheidender Beitrag gegen den Fachkräftemangel. Denn durch immer mehr automatisierte Prozesse kann Personal eingespart werden. Einfache Tätigkeiten werden zunehmend von EDV-Systemen und Robotern übernommen.
Frage: Logistik ist oftmals auch ein Zusammenspiel von Straße, Luft, Wasser und Schiene. Funktioniert dieses Zusammenspiel in unserer Region?
Ulrichs: Der kombinierte Verkehr funktioniert. Vor allem zwischen Straße, Wasser und mit leichten Abstrichen auch bei der Schiene, wobei jeder Verkehrsträger seine Stärken hat. Bei der Straße ist es die zeitliche Passgenauigkeit und Flexibilität, beim Wasser und der Schiene die geringe Umweltbelastung. Gern würden deshalb auch Unternehmen mehr Güter per Schiff oder Bahn transportieren lassen – aber betriebliche Abläufe und die Ansprüche der Kunden lassen sich nicht immer damit kombinieren.

Sabrina Wendt
Redakteurin
Wirtschaftsredaktion
Tel:
0441 9988 2042
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