Wie sind darauf gekommen, beim Bildungswerk einen Kurs zum Zyklus der Frau anzubieten?
Martina JanhsenIch arbeite beim Sozialdienst Katholischer Frauen hauptsächlich in der Schwangerschaftsberatung. Im Rahmen dessen bin ich auf einen Artikel über MFM (siehe Infobox) gestoßen. Das ist ein Workshop, in dem bildhaft, mit Musik und mit Texten mit tollen Begrifflichkeiten Mädchen zwischen zehn und zwölf auf die erste Regelblutung vorbereitet werden. Vorher wird ein Elternabend angeboten. Danach kam immer die Rückmeldung: „Ach Mensch, war das schön und informativ, wir haben so viel gelernt“. Daher habe ich mich dazu ausbilden lassen, den Workshop auch für Mütter oder Eltern anzubieten.
Was machen die Teilnehmerinnen in dem Workshop?
JanhsenEs geht darum, Wertschätzung dem eigenen Körper gegenüber zu üben. Der Abend beginnt mit einem Lebensfluss und Bildern zu unterschiedlichen Lebensstationen. Mir ist es ganz wichtig, auch den Zugang zu den Emotionen zu bekommen und zu zeigen, dass es nicht nur ein biologischer Vorgang ist, sondern ganz viel mit der seelischen Verfassung zu tun hat. Dann habe ich noch mal ein besseres Verständnis – dass es in Ordnung ist, dass ich auch mal einen trüben Tag habe und mir das erklären kann, hilft manchmal schon. Dann kann man sich auch ganz anders darauf einstellen.
Martina Janhsen arbeitet beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Cloppenburg.
Zum Zyklus der Frau bietet die 58-jährige Garrelerin am Dienstag, 18. Februar, einen Workshop beim Bildungswerk Friesoythe an. Der Workshop möchte Frauen, mit anschaulichen Materialien, in die körperlichen und seelischen Zusammenhänge des Zyklusgeschehens einführen, heißt es in der Ankündigung. Los geht es um 18 Uhr. Anmeldungen sind möglich unter
Im Rahmen der sexualpädagogischen Arbeit beim SkF gestaltet Janhsen bereits MFM-Workshops für Schülerinnen. MFM steht für „My Fertility Matters“ (dt.: Meine Fruchtbarkeit zählt). Ins Leben gerufen wurde das Projekt von der Ärztin Elisabeth Raith-Paula. In den Workshops lernen Mädchen, wie sich der Körper in der Pubertät verändert. Für Jungs gibt es ebenfalls Kurse.
Das Thema Zyklus im Allgemeinen und Menstruation im Besonderen sind oft eher tabuisiert. Was glauben Sie, woran das liegt?
JanhsenFrüher war alles, was mit Blutung zu tun hatte, schmutzig, tabuisiert, es war nichts schönes. Man findet in der Vergangenheit wenig Material, das darstellt, dass der Zyklus etwas ist, worauf ich auch stolz sein kann. Das versuchen wir, in den Workshops deutlich zu machen. Klar haben manche Beschwerden oder es geht ihnen nicht so gut. Aber Mut zu machen, zu sagen, kuschelt euch auf dem Sofa ein, lasst es euch gut gehen, das hilft. Dann kann man das auch besser annehmen. Und ich glaube, das geht auch mit erwachsenen Frauen. Beim Workshop kann man sich einen Abend Zeit nehmen und schauen: Was kann ich positives entdecken oder was ist auch gut daran. Ich glaube, dass das auch was im Alltag verändert. Bei den Mädchen klappt das immer, ich hoffe, dass das auch bei den Erwachsenen funktioniert.
Viele, oft jüngere, Frauen versuchen, dieses Tabu aufzubrechen. Bemerken Sie davon schon etwas?
JanhsenIch merke, dass überall, wo man versucht, so einen Raum zu schaffen, es gerne angenommen wird. Viele Frauen profitieren davon, wenn sie merken, dass sie damit nicht alleine stehen und es vielen Frauen so geht. Da erlebe ich die Frauen sehr offen. Aber man muss ihnen auch so einen geschützten Raum anbieten. Das stärkt das Selbstbewusstsein. Je mehr wir das haben, desto mehr wird das Tabu brechen, davon bin ich überzeugt.
Haben Sie Rückmeldungen bekommen, dass die Mädchen nach den Workshops offener über solche Themen sprechen?
JanhsenJa, es gibt viele Rückmeldungen von den Müttern, dass der Umgang mit Tampons, zum Beispiel der Einkauf, völlig unproblematisch läuft. Es überrascht viele Mütter, dass sowas auch Freude machen kann und die Kinder nicht verschämt an der Kasse stehen.
An wen richtet sich der Bildungswerk-Workshop?
JanhsenMein Wunsch wäre, dass viele Mütter kommen, deren Kinder noch nicht oder gerade vor der Pubertät stehen, damit sie Zuhause mit ihnen darüber ins Gespräch kommen können. Aber auch andere Frauen sind willkommen. Denn auch, wenn man mit der Kinderphase schon durch ist, beschäftigt man sich immer noch mit seinem Körper. Und wenn wir ein bisschen dazu beitragen können, dass man da ein bisschen mehr Spaß, Freude, Selbstwert hat, dann ist das doch ein gutes Ergebnis.
