Jeddeloh - Als der SSV Jeddeloh im Sommer mit Jouke Faber und Olaf Blancke das neue Trainerduo für die anstehende Regionalliga-Saison vorgestellt hatte, herrschte eine gewisse Aufbruchsstimmung bei den Ammerländer Fußballern. Mit Offensivfußball wollte das Team vom Küstenkanal in der vierthöchsten Spielklasse überzeugen. Jetzt – ein halbes Jahr später – erinnert in der Vorweihnachtszeit wenig an diese gute Stimmung – im Gegenteil: Es kracht!.
Die gewünschte Entwicklung stellte sich zuallererst nicht ein. Faber und Blancke wurden Mitte November ihres Traineramts enthoben. Der an diesem Wochenende spielfreie SSV steht zum Abschluss des Jahres mit 16 Punkten im Tabellenkeller und könnte, falls die Konkurrenz aus Altona und vom Heider SV punktet, sogar auf einem direkten Abstiegsplatz überwintern.
Schwierige Situation
Für die letzten beiden Partien vor der Winterpause – das dritte Spiel bei Altona 93 fiel aus – sprang Ansgar Schnabel, der Sportliche Leiter des SSV, als Interimstrainer ein. Dass die Aufgabe für ihn so schwer werden würde, hatte auch er nicht erwartet: „Wir haben vor drei Wochen eine stumme Mannschaft mit wenig Selbstvertrauen übernommen. Zusätzlich stellten wir große Defizite im konditionellen Bereich fest. In den Einheiten konnten wir dann jedoch schnell klare Fortschritte erkennen. Deshalb hätten wir gern noch einige Partien vor der Winterpause gespielt.“
Jetzt geht es für die Verantwortlichen beim SSV darum, einen klaren Schnitt mit den Leistungen der Hinrunde zu machen. Dabei spart Schnabel auch nicht an Selbstkritik. „Nach vielen persönlichen Gesprächen mit den Spielern in den vergangenen Wochen habe ich einsehen müssen, dass ich einen großen Fehler gemacht habe. Die Freistellung des Trainers habe ich verzögert, was im Nachhinein falsch war. Hätte ich es früher zugelassen, hätten wir jetzt mehr Punkte auf dem Konto“, kritisiert er die Arbeit des Niederländers Faber. „Zu viele Gegentore in den letzten Minuten und dadurch resultierende Punktverluste sind das Ergebnis falscher Trainingssteuerung und fehlender Kondition. Die hat zum Ende hin oft gefehlt“, stimmt ihm Frank Claaßen, ebenfalls Sportlicher Leiter beim SSV, zu.
Vor allem die fehlende Kondition der Spieler stieß ihm in seiner kurzen Zeit als Coach übel auf: „Vor dem ersten Training sind Spieler von sich aus zu mir gekommen und haben erzählt, dass sie keine Power für 90 Minuten haben. Nach dem ersten Training, bei dem wir vier gegen vier gespielt haben und die Belastungszeit der Jungs insgesamt 16 bis 20 Minuten betragen hat, haben Spieler anschließend gesagt, dass sie schwere Beine haben, weil sie so intensiv dieses Jahr nicht trainiert hätten“, führt Schnabel seine Kritik an Fabers Arbeit weiter aus.
Das Verhältnis zwischen dem Ex-Coach und der SSV-Führung schien bereits früher beschädigt worden zu sein. In einem Interview im Fachmagazin „Kicker“ hatte der Niederländer Schnabel deutlich angegriffen. Er sprach von „respektlosem Verhalten“, warf ihm zu viel Macht im Verein vor. Schnabel wollte sich zwar zu diesen Anschuldigungen nicht äußern. Dafür fand Frank Claaßen, ebenfalls Sportlicher Leiter beim SSV, klare Worte: „Mit diesen diffamierenden Äußerungen hat sich Faber selbst ins Abseits gestellt. Es wurde eine Grenze überschritten, die auch arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen könnte.“
Im Sommer zufrieden
Auch über die Qualität in der Mannschaft gab es zwischen sportlicher Leitung und Trainerteam zwei Meinungen. „Im Sommer haben uns noch alle auf die Schulter geklopft und Faber sprach von Platz drei bis sechs. Wir waren ehrlicherweise auch ein wenig irritiert. In den letzten vier Wochen sprach er dann plötzlich von fehlender Qualität. Unserer Meinung nach war dies eine totale Fehleinschätzung“, betont Claaßen.
In Jeddeloh wolle man jetzt aber in die Zukunft schauen, stellen Schnabel und Claaßen klar. „Das Team hat häufiger seine Daseinsberechtigung in der Regionalliga nachgewiesen. Wir vertrauen unserem Kader absolut, wohlwissend, dass wir uns in einer sportlich sehr brenzligen Situation befinden. Im Winter wird es vermutlich kleinere Veränderungen geben. Wirtschaftlich sind uns auch ein Stück weit die Hände gebunden, große Sprünge sind daher eher nicht zu erwarten“, sagt Claaßen.
Der Vertrag mit Ryoya Ito wurde bereits in beiderseitigem Einverständnis aufgelöst. Torjäger Tim van de Schepop (zwölf Treffer) soll indes gehalten werden. „Fakt ist, dass er einen laufenden Vertrag besitzt und aktuell unsere Lebensversicherung darstellt. Auf Strecke gehört Tim jedoch klar in den höherklassigen Fußball“, sagt Claaßen. Hoffnung setzt man deshalb auf die Fortschritte, die die verletzten Offensivkräfte Julian Bennert und Moritz Seiffert zuletzt gemacht haben. Wer das Team im neuen Jahr als Trainer betreuen soll, steht aber noch nicht fest.
