Jever - Montag nach dem Dreikönigstag ist ein besonderer Tag in Jevers Festkalender: Er erinnert an die einstige große Bedeutung der öffentlichen Brunnen (Pütten) und ihrer Brunnengemeinschaften (Püttachten). Kein jeversches Fest wird so gepflegt und bewahrt auch das Geschichtsbewusstsein in der Marienstadt.
Zu jedem der einst offenen Brunnen gehörte ein „Söker“, mit dem Unrat aus dem Brunnen gefischt wurde. Der Söker ist ein Metallstab mit gebogener Spitze. Als im 18. Jahrhundert die Schwengelpumpe bezahlbar wurde, war dies ein wesentlicher Fortschritt der Hygiene – das Wasserholen mit Kette und Eimer fiel weg, die offenen Brunnen konnten geschlossen werden. Der Söker blieb als Symbol erhalten.
Für die gemeinschaftliche Nutzung der Brunnen und ihre Unterhaltung gab es lange unterschiedliche Regeln. Erst der Erlass durch den „Bürgermeister und Rath der Hochfürstlichen Anhalt-Zerbstischen Erb-Stadt Jever“ vom 9. Oktober 1756 gab allen Püttachten eine einheitliche Satzung. Sie verpflichtete jedes Mitglied einer Püttacht, das Amt des Püttmeisters für ein Jahr zu übernehmen.
Das beinhaltete, am Ende der Amtszeit beim Püttbier Rechenschaft abzulegen. Weil man auf reines Wasser angewiesen war, wurde die Pütt zum Symbol der Nachbarschaft. Die sorgsam gepflegten Chroniken belegen das.
Wangerpütt
Im Fokus des Püttbiers stand bei der Wangerpütt das 300-jährige Bestehen der zweitältesten Püttacht Jevers. Püttmeister Frank Bremer als Nachfolger von Dr. Andreas Klose leitet die Pütt im Jubiläumsjahr. Egon Hohn, der nach dem Ausscheiden von Dr. Fritz Blume den obligatorischen Vortrag hielt, hob das saubere Wasser der Pütt als überlebenswichtig hervor. Er zitierte aus den bis im 20. Jahrhundert in Sütterlin geschriebenen Püttbüchern, dass nur „männliche Hausbesitzer“ Püttmeister werden konnten. Im Kriegsjahr 1915 erfolgte die Jahresabrechnung still ohne alkoholische Getränke. Im Zweiten Weltkrieg wurde im Püttbuch nichts verzeichnet. In einem alten Püttbuch ist zu lesen: „Gleichwohl wir im Zeitenwandel stehen, das Püttbier darf nicht untergehen.“
Kurz nur der Besuch von Bürgermeister Jan Edo Albers im Tagungslokal Brauereimuseum, weil das „Haus der Getreuen“ noch geschlossen ist: Nach dem Überbringen der Glückwünsche eilte er in den „Schwarzen Bären“, um als Püttmeister der Rats-/Albanipütt den „Anschluss“ nicht zu verpassen.
Buskohlpütt
Aufatmen in der Buskohlpütt: In Jürgen Ultsch und weiteren neuen Mitgliedern konnte das „Aus“ der nur noch sieben Püttenthusiasten gestoppt werden. Sie bedankten sich bei Johann Ihnken für seine Amtsführung und ernannten Hans Hermann Störmer zum neuen Püttmeister, der mit Günther Sievers zuständig für die Tradition und Pflege des Originals und der fast hundertjährigen Miniaturpütt ist.
Bremer Schlüssel
Die Püttacht „Bremer Schlüssel wünscht sich, dass der Nachfolger der Gaststätte wieder die alte Bezeichnung „Bremer Schlüssel“ aufnimmt“, denn danach ist die Pütt benannt. Chronist Johann Michels-Lübben verlas ein Protokoll von 1980, als die Pütt saniert wurde. Seit Ende 2019 erstrahlt das erneuerte Pumpengehäuse wieder in Taubenblau und Weiß als Traditionsvermittler am Alten Markt. Die Püttmeisterwürde übernahm um Mitternacht Johann Michels-Lübben von Andreas Minßen.
Ristpütt
Mit dem Inspizieren der Pütt bei Brunnenbesitzer Alexander Siegwolf und Frau Katrin Fehlbier (sie kauften im September 2019 das Gebäude von Rolf Ortgies) begannen die Mitglieder der Rahrdumer Ristpütt ihr 27. Püttbier. Zunächst nahmen sie Alexander Siegwolf mit dem Taufwasser aus dem hofeigenen Brunnen in die Püttgemeinschaft auf. Die Püttgemeinschaft ist noch jung, doch der Brunnen auf dem Hof über 100 Jahre alt. Stefan Behnke ist neuer Püttmeister. Das Amt des Eismeisters, der für Sauberkeit und Eisfreiheit des Brunnens sorgt, übernahm Alexander Siegwolf
Cyriacus-Pütt
Stimmungsvoll war die Cyriacus-Pütt am Dannhalmsweg mit Girlanden und bunten Lichtern geschmückt. Zur Pütt gehört ein in den Sockel gemauertes Bild des Hl. Cyriakus – Jevers erstem Schutzpatron. Nachfolger von Püttmeister Udo König wurde Günther Beike. In drei Jahren, so Püttmitbegründer Ingo Hashagen, feiern wir das 40. Püttbier.
Melkenklamppütt
Gegründet wurde diese Pütt 1972, das erste Püttbier wurde bei Hannelore und Wilhelm Liebholz, danach bei Otto Meents und nun bei Ramona und Joachim Helmerichs, gefeiert.
