Jever - Es war ein Ereignis, das vielen Jeveranern bis heute nahegeht: Am 1. Oktober 1959 fing die Stadtkirche Jever Feuer – die Nachricht verbreitete sich damals wie ein Lauffeuer in der Stadt.
Gegen 16.10 Uhr war eine große Rauchwolke über dem Kirchplatz zu sehen, kurze Zeit später stand die barocke Stadtkirche lichterloh in Flammen. Den Feuerwehren, deren Mitglieder aufopferungsvoll und bis zur Erschöpfung gegen die Flammen kämpften, gelang es nicht, den Brand unter Kontrolle zu bringen und das Schlimmste zu verhindern: Löschwasser fehlte.
Am Ende lag das Kirchenschiff in Schutt und Asche. Brandursache waren vermutlich Holzschutzarbeiten im Dachstuhl und eine achtlos weggeworfene Zigarette.
Rund eine Stunde nach Brandausbruch krachte der Dachstuhl in sich zusammen. Der wie eine Fackel brennende Dachreiter stürzte auf die Straße, Orgel, Kanzel, Kronleuchter und Gestühl gingen unwiederbringlich verloren. Erhalten blieb, wie beim Brand 1728, das Edo-Wiemken-Denkmal.
„Das war alles aus Holz und brannte lichterloh“, erzählt Hans Wegener, der als Tischlerlehrling bei Taddiken an der Großen Wasserpfortstraße nah am Geschehen war. „Viele Dächer waren mit Strohdocken isoliert. Ein Funke hätte genügt, um das Material in Brand zu setzen.“ Die Bewohner saßen auf den Dächern und hielten Brandwache, teilweise brannten schon Strohdocken, in die die Dachpfannen eingelegt waren. „Ein stärkerer Wind – und auch die Altstadt wäre ein Flammenopfer geworden“, erzählt Hans Wegener, der zahlreiche Fotos vom Kirchenbrand zusammengestellt hat.
Das fehlende Löschwasser war das größte Problem, berichtet Wilfried Fürlus. Er war acht Jahre alt, wohnte an der Wangerstraße (Fisch Seemann), und spielte an diesem spätsommerlichen Donnerstagnachmittag in den Anlagen. Als die Sirenen ertönten und er den Qualm roch, rannte er zum Kirchplatz und sah das Unglück.
Die Feuerwehr Jever – die Wache war direkt gegenüber im heutigen Graf-Anton-Günther-Saal – leitete mit dem Tanklöschfahrzeug mit 2500 Litern Wasser sofort den Erstangriff ein. Doch das war ein Tropfen auf den heißen Stein.
Das Wasser aus den Hydranten der Ringleitung um den Kirchplatz reichte für einen effektiven Einsatz der Strahlrohre nicht aus. Und der Druckabfall ließ nur geringe Wurfweiten aus den Strahlrohren zu. Die Wasserförderung brachte wegen des damals langanhaltenden trockenen Sommers wenig Wasser aus den fast trockenen Graften. Mit dem Einsatz der Tanklöschfahrzeuge der Flugplatzfeuerwehr Upjever gelang es, das Edo-Wiemken-Denkmal zu schützen. Der Flugverkehr der Royal Air Force in Upjever wurde aufgrund des Einsatzes beim Großfeuer in der Stadt eingestellt.
Hermann Peters aus dem Gartensweg war direkt am Geschehen: Er arbeitete als Lehrling bei Baumeister Richard Borchers gerade am Giebel der Löwen-Apotheke. Um 16.20 Uhr sah er über dem Dach von Baumfalk die Rauchwolke aufsteigen. Er rannte zum Kirchplatz und sah, dass der Dachstuhl der Kirche brannte. „Mein Bruder, der schon Feuerwehrmitglied war, gab mir Anweisung, einen Verteiler zu bedienen“, erinnert sich Peters.
Beim nächsten Dienstabend trat Hermann Peters in die Freiwillige Feuerwehr ein. „Mit jugendlicher Begeisterung nahm ich an den Dienstabenden teil und fand in der Feuerwehr etwas, das mich für die Zukunft prägte: Kameradschaft, Pflichtgefühl und Disziplin“, so Peters. Der Kirchenbrand und sein Eintritt in die Feuerwehr stellte auch die Weichen für seine Berufslaufbahn: Er wurde Brandschutzprüfer für den Landkreis.
