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nordwest-zeitung

Küstensteine In Jever Simples Hobby mit „Ansteckungsgefahr“

Chihuahua Schombel

Jever - Im Schlosspark Jever, am Fuße eines Baums, liegt er versteckt: Bunt bemalt, mit einem braunen Pferdchen in der Mitte und dem Hinweis „Bitte posten: Facebook #Küstensteine“ auf der Rückseite: Ein Küstenstein, der seine Reise antreten oder verlängern will, wartet nur darauf, mitgenommen zu werden.

Die Jeveranerin Nicole Mack versteckt ebenfalls Steine, gern auf Augenhöhe mit ihren Findern, also auf Fensterbrettern, Denkmälern, Brunnen, auch auf Rundungen von Fenstern und Hausfassaden. Angefangen hat sie mit den Steinen Anfang August, seitdem hat sie rund 200 Steine bemalt und verteilt. Davon hat sie 20 bis 25 Steine auf Facebook wiedergesehen. Ihr neues Hobby, das ihr Ruhe und Freude bereitet, übt sie jeden Tag aus. „Steine zum Bemalen finde ich immer am Strand und im Wald beim regelmäßigen Spazieren gehen. Meine Kinder hatten früher auch viele Steine gesammelt. Seit sie aus dem Haus sind, darf ich mich an ihrem Vorrat bedienen“, sagt Mack.

Bald 30 000 Mitglieder

Seit Mitte März gibt es die Facebook-Gruppe „#Küstensteine“, gegründet von Thomas Palm aus dem Schleswig-Holsteinischen Heide. Mittlerweile sind es rund 28 800 Mitglieder. Es gibt dazu noch Facebook-Untergruppen wie zum Beispiel die „ElbStones“, „FrankenStones“ und die „FriesenKiesel“ aus Varel. Nicole Mack überlegt jetzt auch noch „Jeverstones“ ins Leben zu rufen.

Thomas Palm ist von dem steten Zuwachs seiner Gruppe überwältigt: „Wir hätten bei der Gruppengründung niemals gedacht, dass so ein simples Hobby, wie kleine Steine zu bemalen und für andere Leute zu verstecken, so ansteckend sein kann. Ich dachte, wir werden nicht mehr als vielleicht hundert Leute. Und heute sind wir schon 28 800 Mitglieder in der Gruppe und es kommen täglich bis zu 100 neue Mitglieder dazu.“ Er und seine kreativen Mitstreiter haben auch was besonderes geplant. „Wir treffen uns für den November in Heide und bemalen gemeinsam für eine Nikolaus-Aktion Steine. Auch eine Ausstellung von einigen unserer Steine ist geplant. Diese Steine sollen dann anschließend versteigert werden – der Erlös wird komplett an die Kinderkrebshilfe gespendet.“

Das Ziel der ☺#Küstensteine ist einfach: Herausfinden, wie weit die Steine reisen, sowie Freude und Entspannung beim Bemalen. Freude empfinden so die Künstler und die Finder gleichermaßen. Wem ein Stein besonders gefällt, darf ihn auch behalten. Nicola Mack hat auch den einen oder anderen Lieblingsstein. „Nach einer Woche entlasse ich sie aber wieder in die Freiheit“, verspricht sie.

Berlin, Rom, Kopenhagen: Die Steine kommen viel herum, denn sie sind auch praktische Reisebegleiter. Gestartet ist der Trend übrigens in den USA unter dem Namen „Painted Rocks“ auf Facebook. Palm übernahm schließlich die Idee und begann in Schleswig-Holstein, seine bemalten Steine „auszuwildern“, wie Anhänger der „#Küstensteine“es nennen.

Bilder und Sprüche

Nicole Mack in Jever ist aber nicht wichtig, dass ihre Steine eine möglichst weite Reise hinter sich bringen. „Ich freue mich viel mehr darüber, wenn ich weiß, dass meine Steine Platz in einer Schatztruhe eines Kindes oder auf der Fensterbank einer alten Dame gefunden haben“, schwärmt sie. Wichtig beim Bemalen der Steine ist außerdem, den Startort, in ihrem Fall Jever, anzugeben sowie ihre Initialen „N.M.“ und „#Küstensteine“.

Auf Umweltschutz wird im Übrigen auch geachtet. So sollen die Steine mit Acrylfarbe bemalt und mit Klarlack lackiert werden, damit die Farbe nicht abblättert. Ansonsten sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. „Ich schreibe gern Sprüche auf meine Steine wie ,Keep on Rocking‘ oder ,Von nichts kommt nichts‘, die andere motivieren und den Tag verschönern sollen. Auch male ich auf die Steine Tiere, Punkte, Streifen“, erzählt Mack, als sie ihre Sammlung vor sich ausbreitet.

„Malen ist neben Strand und Wald die beste Therapie,“ sagt Nicole Mack. „ Man wird einfach kreativ – und wenn das andere Menschen erfreut, ist es umso schöner.“ Dabei ist es – wie man annehmen könnte – kein reines „Frauending“, sondern wird auch von Männern teilweise professionell ausgelebt. „In der Facebook-Gruppe posten so viele Frauen und Männer ihre Steine, darunter auch ein männliches Mitglied, das richtige Porträts auf die Steine malt“, freut sich Mack.

Darauf ist zu achten

Neben einem umweltfreundlichen Lack sollte nichts auf den Steinen kleben, was abfallen und von Tieren verschluckt werden könnte. Außerdem sollten nur Steine und keine anderen Materialien wie zum Beispiel Fliesen verwendet werden. Diese können zerspringen und haben dann scharfe Splitter, an denen sich Tiere schwer verletzen können.

Die Küstensteine sollten möglichst nicht in Fahrzeuge und nicht direkt an Straßen, Bahngleisen und Gewässern gelegt werden. Hier ist insbesondere für Kinder die Unfallgefahr zu hoch.

Auf Facebook sind in der Gruppe „Küstensteine“ die verschiedensten Steine zu bestaunen. Wer sich darüber hinaus über den Trend informieren möchte, kann dies auf der Webseite

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