Jever - 300 Jahre Püttgemeinschaft Wangerstraße sind nicht nur ein an der Zahl der Jahre messbares Jubiläum: Diese Püttacht ist wohl die älteste Brunnengemeinschaft der Stadt Jever und die Pütt ein Schmuckstück an der Wangerstraße. Die Wangerpütt ist eine der letzten Pütten in Jever, die mit ihrem alten Brunnen verrohrt ist – so fließt dort bis heute Wasser, wenn man den Schwengel bedient. Die Tradition pflegt die 26 Mitglieder starke Männerrunde – Hauseigentümer oder Pächter an der Wangerstraße.
Am Montag, 13. Januar, stehen Zylinder in Jever wieder hoch im Kurs. Auch Amtsketten und der „Söker“, eine Stange mit gebogener Eisenspitze, um tote Tiere und Gegenstände aus dem Brunnen zu fischen, sind in der Nacht wichtige Utensilien. Denn dann feiern die jeverschen Püttachten ihr „Püttbier“ – in ungebrochener Tradition: Seit 1756 wird das „Püttbier“ am Montag nach dem Dreikönigstag gefeiert.
In Jever gab es innerhalb der Stadtbefestigung 16 öffentliche Brunnen bzw. „Pütten“. Jeder Brunnen versorgte einen Stadtbezirk, dessen Bewohner zu einer „Püttacht“ gehörten.
Der NWZ-Jeverland-Bote bittet die Püttgemeinschaften, ihre neuen Püttmeister zu melden: Tel. 04461/96 53 11 oder E-Mail an agentur@redjever.de.
Püttbier – das ist bis heute in Jever und ganz besonders an der Wangerstraße – gelebte Tradition. Das Nachbarschaftsfest bezieht sich auf die jeversche Brunnenordnung von 1756, wonach am Montag nach Heilige Drei Könige die neuen Püttmeister eingesetzt wurden. Sie wurden aus der Mitte ihres Wohnviertels gewählt, um die dortige Pütt (lateinisch: puterus/Brunnen) gewissenhaft zu verwalten und zu pflegen. Aus den Pütten holten die Jeveraner bis 1929, als das Wasserwerk Feldhausen in Betrieb ging, ihr Wasser.
Die Wangerpütt stand bis Januar 2013 am Haus der ehemaligen Eisenwarenhandlung Brader an der Ecke Wangerstraße 5/Apothekerstraße, dem heutigen Sporthaus. Dann wurde sie restauriert und im Pflanzbeet vor dem Sporthaus wieder aufgebaut. Grund der Verlegung der Pütt: Der Wasser führende Brunnen sollte aus seinem Schattendasein befreit werden, um Einheimische und Touristen gleichermaßen auf die Brunnentradition in Jever aufmerksam zu machen. Und das ist gelungen, denn regelmäßig machen nicht nur die Stadtführer bei ihren Rundgängen Halt am Brunnen. Die Verlegung wurde im September natürlich groß gefeiert.
An ihren ursprünglichen Standort erinnert eine Metallplakette im Straßenpflaster der Kreuzung Wangerstraße/ Apothekerstraße.
Wie aus dem Püttbuch der „Wanger Straße“ von 1720 hervorgeht, nahm die nachbarschaftliche Organisationsform der Brunnenpflege immer stärkeren Einfluss auf die Festkultur der männlichen Stadtbevölkerung. Der Brunnenpflege widmet man sich auch beim 300. Jubiläumspüttbier – wegen des Pächterwechsels nicht im „Haus der Getreuen“, in dem die Püttacht sich seit Bestehen zum Püttbier trifft, sondern im Brauereimuseum an der Theodor-Fetköter-Straße..
Einer kleinen Führung durch Brauhaus-Geschäftsführer und Püttgenosse Michael Reitze folgt dann das von Schützenhofwirt Stephan Eden zubereitete traditionelle Moorwarfer Beefsteak-Essen. Und immer wieder wird – angestimmt von Liederwart Wilfried Fürlus und von Hermann Hohlen am Schifferklavier begleitet – fröhlich und lautstark gesungen, geklönt und über jeversche Geschichte gesprochen. Chronist und Schatzmeister Thomas Wolff trägt das Protokoll des vergangenen Püttbiers vor und erläutert den Stand der Püttachtfinanzen.
Den Kulturbeitrag, als Geschichtsvortrag viele Jahre von Dr. Fritz Blume gehalten, übernahm vor einigen Jahren Egon Hohn. Kurz vor Mitternacht startet die Männerrunde dann mit musikalischer Begleitung von Hermann Hohlen topfdeckelschlagend den Marsch durch die Wangerstraße zum Brunnen, wo „Schlag 12“ die „Wasserprobe“ nach mehrmaligem Pumpen vorgenommen wird. Eingeführt vor über 50 Jahren von „Ossi Fürlus“ vom einstigen Fischhaus Jan Seemann als Katerfrühstück, treffen sich die Püttgenossen am nächsten Morgen zum Püttmeister-Frühstück, zu dem der neue Püttmeister Frank Bremer in diesem Jahr ins Schlosscafé einlädt.
Wenn auch die Mitglieder der Püttacht nicht mehr wie in früheren Zeiten in ihren Häusern an der Wangerstraße wohnen, wird nicht nur am Püttbierabend die Gemeinschaft gepflegt. Der amtierende Püttmeister lädt in seinem Amtsjahr zu Aktivitäten ein, die uunter anderem zum Jade-Weser-Port, zur Hafenrundfahrt nach Leer, zur Bootstour auf den Ems-Jade-Kanal, zu Brauerei- und Zeitungsbesichtigungen oder zu den Klinkerwerken mit Ringofen nach Nenndorf und Neuschoo führten. Und auch im Jubiläumsjahr der Pütt gibt es im Sommer mit den Ehefrauen/Partnerinnen der Pütt-Nachbarn einen Ausflug.
Gemeinsam mit den Geschäftsleuten der Wangerstraße wird zum 300. Pütt-Jubiläum am 6. Juni mit einem Festakt am Brunnen ein Straßenfest gefeiert, zu dem alle Jeveraner und Gäste der Marienstadt willkommen sind.
