Herr Kuban, am 26. Mai wollen Sie für die CDU ins Europäische Parlament gewählt werden – sind Sie als kürzlich gewählter Vorsitzender der Jungen Union Deutschlands nicht ausgelastet?

KubanEs wird der Jungen Union eine europäischere Ausrichtung geben. Wir werden uns – auch über die Europawahl hinaus – deutlich mehr mit europäischen Themen beschäftigen, die gerade auch die jüngere Generation umtreiben. Wenn ich da beispielsweise auch an die außenpolitischen Entwicklungen in vielen Ländern der Welt denke, glaube ich, dass es gut ist, dass die Junge Union einen Bundesvorsitzenden hat, der sich als Europapolitiker engagieren wird und auch dort eine starke Stimme für uns sein möchte.

Wie lauten Ihre Schwerpunkte für die Europawahl?

KubanIch möchte, dass Deutschland Innovationsweltmeister bleibt. Es geht darum, dass wir auch in den nächsten Jahren unsere Arbeits- und Ausbildungsplätze sichern können. Außerdem möchte ich mich für ein sicheres Europa mit einem starken Außengrenzschutz stark machen, damit wir offene Innengrenzen erhalten können. Wir müssen uns aber auch mehr um die Partner um uns herum kümmern – zum Beispiel in Afrika. Und schließlich müssen wir die Menschen in Europa deutlich mehr zusammenbringen – insbesondere auch die junge Generation. Wir werden die Austauschprogramme auch für Auszubildende deutlich stärker ausbauen und bewerben müssen und wir brauchen ein Interrail-Ticket für jeden 18-Jährigen, damit wir einen Austausch zwischen den unterschiedlichen Nationen und Kulturen in Europa möglichst für jeden Jugendlichen herstellen können.

an JU-Spitze

Tilman Kuban (31) aus Barsinghausen bei Hannover ist seit Kurzem Bundesvorsitzender der Jungen Union (JU), der Nachwuchsorganisation von CDU und CSU.

Und was sind Ihre zentralen Ziele als JU-Chef?

KubanIch bin jemand, der stets Klartext spricht. Dabei geht es mir auch darum, wieder einen klaren Kurs für die CDU zu erreichen. Wir sollten unser Profil als Jugendorganisation von CDU und CSU weiter schärfen und deutlich als Christdemokraten erkennbar sein. Ich denke da an Themen wie Innovation, Sicherheit und Europa. Außerdem möchte ich den Mitmach-Charakter in der Jungen Union deutlich ausweiten.

Klartext ist ein gutes Stichwort. Kurz nach Ihrer Wahl zum JU-Vorsitzenden haben Sie mit Ihrem „Gleichschaltungs“-Vorwurf in Richtung Bundes-CDU und Kanzlerin Angela Merkel Empörung ausgelöst. War das ein bewusstes Manöver, um als Neuer direkt Schlagzeilen zu machen oder ein „Ausrutscher“?

KubanIch weiß, dass dieser Begriff unpassend war und deswegen habe ich am nächsten Morgen entschieden, dass ich ihn zurücknehme. Es gehört auch zur Politik, für sich die Erkenntnis zu gewinnen, etwas nicht richtig gemacht zu haben.

CDU-Landeschef Bernd Althusmann nannte ihre Äußerung „nicht akzeptabel“ – gab es mittlerweile ein persönliches Gespräch zwischen Ihnen und Herrn Althusmann?

KubanBernd Althusmann und ich stehen im ständigen Austausch. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zueinander und daran wird sich auch nichts ändern.

Sie gelten als Merkel-Kritiker. Sollte die Kanzlerin nach ihrem Abtritt als CDU-Chefin nun auch den nächsten Schritt machen und die politische Bühne ganz verlassen?

KubanWas wir nicht gebrauchen können, ist eine Regierungskrise. Für uns ist klar, dass die CDU der Stabilitätsanker in dieser Koalition ist.

Sie waren zuvor Vorsitzender der Jungen Union Niedersachsens, ihr Nachfolger heißt Christian Fühner, Landtagsabgeordneter aus Lingen. Was braucht der 31-Jährige für dieses Amt?

KubanChristian Fühner übernimmt einen tollen Verband, dessen Vorsitzender ich fünf Jahre sein durfte. Diese Arbeit war mir immer eine große Freude und hat mich geprägt. Ich wünsche Christian viel Erfolg, aber es ist nicht meine Aufgabe, ihm Ratschläge zu geben. Er wird durch sein Landtagsmandat bestimmt einen anderen Akzent setzen als ich, aber ich bin fest davon überzeugt, dass er es sehr gut machen wird.

Endspurt: Friedrich Merz gehört ins Bundeskabinett, weil…

Kuban...er ein kluger Kopf ist.

Künstliche Intelligenz war vorige Woche ein Schwerpunktthema auf der Hannover Messe – Niedersachsen steht in diesem Bereich meines Erachtens…

Kuban...eher im Mittelfeld. Ich glaube, dass wir zulegen müssen. Wir sind im Bereich Sensorik und Robotik führend in Deutschland, aber wir müssen insbesondere bei Fragen der künstlichen Intelligenz deutlich nachholen.

Deutschland und die Digitalisierung, das sind zwei Dinge, die…

Kuban...durchaus ausbaufähig sind, wenn ich beispielsweise darüber nachdenke, was die Breitband- oder auch 5G-Versorgung angeht. Da sind wir deutlich hinterher und müssen aufpassen, dass wir im Bereich der Infrastruktur nicht den Anschluss zu anderen Ländern verlieren.

Ich bin gegen eine Grundrente, weil…

Kuban...wir unser Rentensystem jetzt schon zu einem Drittel aus Steuermitteln finanzieren. Und wenn wir nicht ganz genau aufpassen, wird unsere Generation am Ende viel in die Rentenkasse einzahlen, aber nichts mehr herausbekommen. Deswegen dürfen wir die Leistungen nicht immer weiter erhöhen.

Mein nächstes Karriereziel innerhalb der CDU ist…

Kuban...am 26. Mai ins Europaparlament einzuziehen.

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