Kiel/Varel - Ohne die erhoffte Medaille im Gepäck musste Lea Sophie Kunst am Sonntag die Heimreise von den deutschen Meisterschaften der U-19-Beachvolleyballer in Kiel-Schilksee antreten. An der Seite ihrer neuen Partnerin im Sand, Tessa Hassenstein (VCO Hamburg), war die Titelverteidigerin vom Vareler TB diesmal knapp an einer Medaille vorbeigeschrammt und belegte den vierten Platz.
Besser lief es für Svenja Müller, mit der Kunst im Vorjahr noch den Titel in dieser Altersklasse gewonnen hatte und noch dazu U-18-Europameisterin geworden war. Am Sonntag setzte sich Müller mit Greta Klein-Hitpaß im Finale mit 2:0 Sätzen gegen Nele Schmitt/Paula Schürholz (alle Düsseldorf) durch und wurde erneut Deutsche Meisterin.
Doch es hätte auch anders kommen können: Im Halbfinale standen sich die beiden Titelverteidigerinnen gegenüber. Und es wurde ein ganz enges Match in drei Sätzen, bei dem sich die an Nummer eins gesetzten Müller/Klein-Hitpass gegen Kunst/Hassenstein (Nummer vier) mächtig strecken mussten.
Ärgerliche Niederlagen
„Es ist schon ärgerlich, dass wir eine Medaille verpasst haben – gerade weil es im Halbfinale und Spiel um Platz drei so knapp war“, gestand Kunst am Montag, nachdem sie in ihrer neuen Heimat Berlin, wo sie am Olympia-Stützpunkt lebt und trainiert, morgens schon wieder die Schulbank gedrückt hatte: „Dennoch haben Tessa und ich die Zielvorgabe, das Erreichen der Halbfinals, geschafft und können insgesamt zufrieden sein.“
Aber der Reihe nach: Mit drei Siegen aus drei Spielen hatten sich Kunst/Hassenstein in der Poolphase den Gruppensieg geholt und zogen somit direkt ins Achtelfinale ein. Die anderen drei Kaderteams des Bundesstützpunktes taten es ihnen gleich.
Im Achtelfinale dominierten Kunst/Hassenstein beim 21:17 und 21:11 das Team Hesse/Vogel (Kiel/Schwerin). Im Viertelfinale ließen sie der Paarung Dörschug/Schulz (Düsseldorf/Mainz) mit 21:13 und 21:17 keine Chance. Da sich auch die anderen DVV-Kaderteams schadlos hielten, waren die DM-Favoriten im Halbfinale unter sich.
Bei der U-19-DM waren 32 Frauenteams am Start. Gespielt wurde zunächst in acht Gruppen (Pools) à vier Teams. Der Gruppenerste qualifizierte sich direkt für das Achtelfinale. Die Gruppenzweiten und -dritten spielten in einer Zwischenrunde derweil die Gegner der Gruppenersten im Achtelfinale aus. Dann ging es weiter mit dem Viertelfinale, Halbfinale und Endspiel.
Besonders im Fokus stand dort das „Duell“ der beiden Titelverteidigerinnen, die sich diesmal am Netz gegenüber standen. Schon der erste Satz war sehr umkämpft und ging mit 21:19 an Müller/Klein-Hitpass. Im zweiten Durchgang wurde es noch enger, am Ende konnten Kunst/Hassenstein den siebten Satzball für sich entscheiden und zum 1:1 ausgleichen.
Davon angespornt, startete das Duo stark in den dritten Satz und ging mit 4:1 in Front. Doch die topgesetzten Gegnerinnen schlugen zurück und drehten das Spiel zum 15:12-Satzgewinn. „Die Partie hätte auch anders ausgehen können, leider hat am Ende die Annahme bei uns nicht mehr so gepasst“, bedauerte Kunst.
Im kleinen Finale trafen Kunst/Hassenstein auf das an drei gesetzte Bundeskader-Team Grüne/Schieder (Hildesheim/Lohof). Mit Anna-Lena Grüne hatte die Varelerin im Vorjahr die U-18-DM gewonnen sowie 2017 den Bundespokal geholt.
Im Kampf um die Bronzemedaille mobilisierten Kunst/Hassenstein in Kiel noch mal alle Kräfte, mussten sich aber in drei spannenden Sätzen mit 16:21, 21:17 und 13:15 geschlagen geben und verpassten somit das Treppchen.
Nach der „Traumsaison“ im Vorjahr, als Kunst zweifache Deutsche Meisterin und Europameisterin geworden war, blieb die 17-Jährige in dieser Spielzeit, in der sie immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatte, also ohne großen Titel. „Dennoch ist die Saison eigentlich ganz okay gelaufen“, will sich Kunst davon nicht aus der Bahn werfen lassen. Zumal es von Bundestrainer Jörg Ahmann bei der U-19-DM viel Lob für ihre Leistung gerade im Halbfinale und Spiel um Platz drei gab.
Weiteres Selbstvertrauen und wertvolle Wettkampfpraxis gegen starke Konkurrenz hat die Teilnahme per Wild-Card an der Techniker Beach Tour der Frauen gegeben. Dort hatte Kunst am Strand von St. Peter Ording an der Seite von Müller sogar ihre ersten beiden Siege in der höchsten nationalen Spielklasse gefeiert und war bis ins Achtelfinale vorgedrungen.
Nächste große Ziele
Die U-19-DM in Kiel war für die Varelerin nun bereits das letzte Beachturnier dieser Saison. In der deutschen Rangliste steht sie aktuell auf Platz 46. Nach einer dreiwöchigen Pause, in der sie in Berlin komplett frei hat, steigt die 17-Jährige am Olympia-Stützpunkt dann schon wieder ins Beachtraining ein. Auf dem Programm stehen zudem diverse Kaderlehrgänge. Am Punktspielbetrieb in der Halle nimmt Kunst erneut nicht teil.
Für 2020 hat sie sich weitere Siege auf der Techniker Beach Tour vorgenommen. „Zudem möchte ich mich in allen Bereichen weiterentwickeln“, sagt die Varelerin und liebäugelt mit einem Start beim internationalen Höhepunkt, der U-20-EM.
