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Letzte Überfahrt Der Fähre Kleinensiel Zum letzten Akt Bockwürste im Sekundentakt

Kleinensiel - Wir schreiben den 20. Januar 2004. Für die Besatzung der Weserfähre Kleinensiel/Dedesdorf ist es kein Tag wie jeder andere – und für die 300 Passagiere, die an diesem Dienstag kurz vor Mitternacht an Bord der „Stadland“ gekommen sind, auch nicht. Die Fähre setzt zum letzten Mal über – es ist ein Abschied nach mehr als 700 Jahren.

Über dem Wesertunnel

Denn unter dem Wasser des Stroms, das in der Dunkelheit nur zu erahnen ist, verläuft bereits der neue Verkehrsweg: der Wesertunnel.

Einige Passagiere sind schon seit dem späten Nachmittag da und pendeln von Ufer zu Ufer. Es sind ehemalige Beschäftigte der Verkehrsbetriebe Wesermarsch (VBW) und Einwohner von Kleinensiel und Dedesdorf, die ein letztes Mal mit der Fähre fahren wollen. Viele von ihnen kennt der damalige VBW-Betriebsratsvorsitzende Johannes Kranz persönlich, und Stunde um Stunde steht er an Deck, um mit ehemaligen Kollegen „diesen schlimmen Tag“ gemeinsam zu begehen.

„40 von uns verlieren um Mitternacht ihren Arbeitsplatz“, sagt Johannes Kranz bitter, „und am 31. August kommen noch mal 16 hinzu.“ Von einst 63 Beschäftigten auf den Weserfähren sollen schließlich sieben übrig bleiben – für die Linie Golzwarden/Sandstedt. Dass Teile der VBW-Spitze an „der Jubelfeier im Tunnel“ zur Einweihung teilgenommen haben, erfüllt ihn mit Grimm.

Nur Zeitverträge

Fast alle Mitarbeiter hatten Zeitverträge, die „mit Inbetriebnahme des Tunnels“ auslaufen. Sie wussten, was auf sie zukommt. Doch das ist kein Trost, wenn neue Arbeitsplätze nicht in Sicht sind.

An Deck der „Stadland“ ist zu hören, dass ältere Fähr-Beschäftigte im Arbeitsamt mit hämischen Bemerkungen empfangen worden seien.

Im Imbiss herrscht dichtes Gedränge, die beiden Mitarbeiterinnen geben fast im Sekundentakt letzte Bockwürste aus. Sechs Jahre lang haben Renate und Uwe Böger aus Blexen den Imbiss betrieben. „Die Bockwurst hat allen immer gut geschmeckt“, resümiert Renate Böger. „Dabei haben wir dreimal den Lieferanten gewechselt.“

Im Steuerhaus waltet der Schiffsführer Bernd Becker umsichtig seines Amtes. Seine Frau Bärbel und die Tochter Varina sind an diesem letzten Tag bei ihm. Sieben Jahre ist der ehemalige Binnenschiffer bei den VBW beschäftigt; jetzt wechselt er mit der „Stadland“ nach Golzwarden – zunächst bis zum 31. August. Was dann kommt, entscheiden die Verkehrsströme.

Nach Golzwarden

Becker selbst überführt das Schiff am nächsten Morgen um fünf nach Golzwarden. Am 21. Januar, Punkt Mitternacht, lässt er ein letztes Mal das Nebelhorn ertönen und setzt eine mit Autos reichlich bestückte Fähre nach Dedesdorf über. Kassiert wird längst nicht mehr.

Der Freundeskreis Wisch schwenkt Fackeln und entzündet Wunderkerzen. Plötzlich schießt eine Rakete in die Luft, von der Reling sprüht Goldregen in den Strom. Aus dem Festzelt des Bürgervereins Dedesdorf dringt Schlagermusik herüber. Jetzt kippt die Stimmung endgültig, Passagiere singen „Auf Wiedersehen“. Und einer sagt trocken: „Das war’s.“

Henning Bielefeld
Henning Bielefeld Redaktion Nordenham (Stv. Leitung), Redaktion Stadland
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