Kreyenbrück - Den Duft von Bolognese hatten sie schon in der Nase. Auf den Teller bekamen aber 117 Schüler der IGS Kreyenbrück die Spaghetti nicht, die es am Dienstag in der Schulmensa gab. Am ersten Schultag nach den Ferien mussten sie hungrig bleiben. Grund: das digitale Bezahlsystem in der Mensa funktionierte mal wieder nicht einwandfrei.
Um an die Verpflegung zu kommen, müssen die Schüler ihren Mensa-Chip, den sogenannten Token, scannen. Zeigt der Computerbildschirm Grün an, dann gibt’s Essen – bei Rotlicht keines. Am Dienstag blitzte erstaunlich oft Rot auf. Mit dem Vermerk „Fehlerhaftes Guthaben“. Hier läuft mittags nämlich alles bargeldlos. Per Dauerauftrag wird das Essensabo bezahlt. Dafür wurden mit der Software der Firma Breustedt (MensaMax) für jeden Schüler Konten angelegt, auf die die Eltern einzahlen.
„Mit den Konten von 117 Schülern war am Dienstag anscheinend etwas nicht in Ordnung“, sagt Schulleiter Jens Kazmirek, „15 Kinder meldeten sich bei der Schulsekretärin.“ Meike Arndt kann nämlich per Computer ermitteln, ob die Konten im Minus sind. Das Kantinen-Team, das täglich rund 650 Mittagessen ’rausgibt, hat diese Möglichkeit nicht. Nach einer Stunde der Recherche war klar gewesen: „Das kann nur ein technisches Problem sein.“ Doch da war die Mittagspause längst vorbei.
Der Schuleiter
Jens Kazmirek sagt zu dem Vorfall: „Das Bezahlsystem der Firma Breustedt, für das sich die Stadt in allen Schulkantinen entschieden hat, ist schon lange ein großes Ärgernis für uns. Es gibt immer wieder Probleme.“ Meike Arndt, die dann stets die erste Ansprechpartnerin für die Schülern und Eltern ist, nickt: „In solch geballter Form gab es das aber noch nicht. Sonst waren es meistens eher Einzelfälle.“
Hätte man den Kindern nicht einfach trotzdem Essen geben können? „Nein, das hat die Stadt untersagt“, antwortet Jens Kazmirek. Nur wenn eindeutig zu erkennen sei, dass es sich um einen technischen Fehler handele, dürften die Kinder vom „Verein Kostbar“, der die Mensa betreibt, auch bei rotem Signal versorgt werden.
Die Stadt
Dass bestätigt Stadtsprecher Reinhard Schenke auf Nachfrage der NWZ. Voran schickt er die Entschuldigung der Stadt für diese technische Panne am Dienstag und die Zusage, dass allen Eltern der Essensbeitrag kurzfristig zurück überwiesen werde. Schenke zur Regelung: „Die Vorgabe für die weiterführenden Schulen der Stadt ist, dass ohne ausreichendes Guthaben in MensaMax eine Teilnahme am Mittagessen grundsätzlich nicht erfolgen kann. Ist die Teilnahme aus technischen Gründen nicht möglich, sollen die Schülerinnen und Schüler dennoch versorgt werden und die Kosten werden von der Stadt Oldenburg getragen.“
Leider sei das aktuelle Problem nicht direkt als technisches Problem zu erkennen gewesen. „Erst im Anbetracht der relativ vielen Fehlermeldungen kamen zum Ende der Essensausgabe Zweifel auf, dass es sich um ein technisches Problem handeln könnte, so Schenke, der aber betont: „Im Grundschulbereich werden immer alle angemeldeten Kinder mit Essen versorgt.“ Das Bezahlsystem werde bei allen weiterführenden Schulen der Stadt eingesetzt.
„Das Problem beschränkte sich nach aktuellem Stand auf die Essensausgabe der IGS Kreyenbrück am Dienstag und war am nächsten Tag wieder behoben“, sagt der Stadtsprecher. Es habe sich um ein technisches Problem im Zuge der „EBICS-Umstellung“ gehandelt. Zur Erklärung: EBICS steht für „Electronic Banking Internet Communication Standard“ und ist ein elektronisches Zahlverfahren. Fälschlicherweise wurde an der IGS Kreyenbrück in über 100 Fällen ein fehlendes Guthaben angezeigt. Schenke: „Dieses Problem ist bisher nicht aufgetreten. Bei der Vielzahl der täglichen Essen kommen technische Probleme jedoch leider immer mal wieder vor.“
Die Eltern
Das weiß auch die Mutter zweier Töchter, die die IGS Kreyenbrück besuchen. Die Frau, die ungenannt bleiben möchte, hatte sich an die NWZ gewandt: „Es gab ja immer wieder Einzelfälle und Problemchen mit dem System. Aber das am Dienstag, das war schlimm. Den Kindern kein Essen zu geben. Es war Schule bis um 16 Uhr. Wenn man seinen Strom oder sein Wasser nicht bezahlt, bekommt man Karenzzeit eingeräumt, bei einem möglichen Minus auf dem Essenkonto aber nicht. Das kann doch nicht sein!“ Und dann werde das überzählige Essen wohl auch noch weggeworfen.
Das Essen
Zumindest ein Teil konnte weiterverwendet werden: für Nudelsalat.
