Lemwerder/Berne - Warum so kurzfristig? Warum wird erst jetzt die geplante Schließung des Oberschulstandortes Lemwerder zum kommenden Schuljahr bekannt und Elternvertreter haben nun nur bis zum 3. September Zeit, schriftlich zu diesem Thema Stellung zu beziehen, weil schon am 5. September der Kreisschulausschuss zu dem Thema berät?
Den Elternvertretern in Lemwerder läuft die Zeit davon. Sie müssen schnell handeln, sich austauschen, informieren und Stellung beziehen und sind dabei über die Fakten noch nicht einmal konkret im Bilde. Denn: „Bis heute sind wir Elternvertreter von offizieller Seite nicht informiert worden“, sagt Elternsprecherin Dörte Woltjen und ist stocksauer über diesen Umstand. Am Montagnachmittag hatte der Landkreis Wesermarsch in einer Pressemitteilung erklärt: „Die Vorsitzenden der Schulelternräte beider Oberschulen sowie der Grundschulen in den Gemeindegebieten Berne und Lemwerder wurden mit Beginn des neuen Schuljahres vom Landkreis schriftlich beteiligt. Sie wurden darüber informiert, dass der Landkreis Wesermarsch beabsichtigt, beide Oberschulen am Standort Berne zusammenzulegen.“ Post, die in Lemwerder nicht angekommen ist.
Auf Nachfrage der NWZ erklärte der Landkreis am Dienstagnachmittag, wer wann informiert worden ist: „Die Kreisverwaltung hat am Freitag, 16. August, ein Informationsschreiben über die empfohlene Zusammenlegung der OBS Lemwerder und Berne am Standort Berne in die Post gegeben und an die Kreiselternratsvorsitzende und deren Vertreter sowie an die Stellvertreter der Vorsitzenden der Schulelternräte OBS Lemwerder und OBS Berne adressiert.“ Die Post sei an die Stellvertreter gegangen, da die Vorsitzenden der Schulelternräte der OBS Lemwerder und OBS Berne seit dem neuen Schuljahr kein Kind mehr in den Einrichtungen hätten. In solchen Fällen schreibe das Landesschulgesetz vor, das der Vorsitzende als Vertreter des Schulelternrates ausscheidet und der Stellvertreter automatisch nachrückt, wenn noch kein neuer Elternratsvorsitzender gewählt werden konnte.
Im Fall der Eschhofschule Lemwerder wurde Dörte Woltjen als bisher stellvertretende Elternratsvorsitzende mit Beginn des neuen Schuljahres zur Vorsitzenden und müsste laut Landkreis besagte Post erhalten haben. Doch auch bis Dienstagnachmittag war der Briefkasten von Dörte Woltjen in dieser Sache leer.
Erst am Wochenende hatten die Elternvertreter gerüchteweise von der drohenden Schließung des Schulstandortes erfahren. Fakten und konkrete Informationen: Fehlanzeige. Aber dafür der Druck im Nacken, bis zum 3. September eine schriftliche Stellungnahme abzugeben.
Warum also sind Informationen hier nicht viel früher geflossen, die Eltern offensiv eingebunden worden? Der Landkreis begründet das so: Der „Arbeitskreis Schulentwicklung“ habe die Zusammenlegung der beiden Schulen am Standort in Berne in seiner Sitzung am 26. Juni diskutiert. Dem Arbeitskreis gehören je ein Vertreter der Kreistagsfraktionen sowie der Erste Kreisrat an. In dieser Sitzung „verständigte man sich darauf, dass die Zusammenlegung aus fachlicher Sicht die sinnvollste Variante ist“. Dieses Ergebnis sei „in der Folgezeit innerhalb der Kreistagsfraktionen intensiv beraten“ worden. Eine Abstimmung mit den Schulleitungen sei am ersten Schultag nach den Ferien, also am 15. August, in einem persönlichen Gespräch erfolgt. „Da sich aus diesem Gespräch keine neuen Erkenntnisse ergaben und die Schulleitungen der Arbeitskreis-Empfehlung zustimmten, kam der AK am späten Nachmittag des 15. August erneut zusammen und vereinbarte, eine entsprechende Vorlage für den Schulausschuss vorzubereiten und die Eltern über die Elternräte umgehend zu informieren, was am 16. August per postalischem Schreiben geschah“, so der Landkreis.
Der Kreisschulausschuss berät das Thema am 5. September. Anwesend sind auch die Schulleitungen und Vertreter der Landesschulbehörde. Die Stellungnahmen der Elternschaft fließen in die Beratung ein, die entsandten Vertreter der Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft haben Sitz- und Stimmrecht in der Ausschusssitzung.
Die Empfehlung, die der Schulausschuss am Ende trifft, geht zur weiteren Beratung in den Kreisausschuss in nicht öffentlicher Sitzung am 9. September und in den Kreistag in öffentlicher Sitzung am 16. September. Bindend ist letztlich die Entscheidung des Kreistags.
Dass der Landkreis die Fusion der Schulen so schnell in die Gremien bringt, wird mit Fristen begründet, die einzuhalten seien. Denn: Ein Beschluss des Kreistags muss durch die Landesschulbehörde genehmigt werden. Verstreichen diese Fristen, würden alle Betroffenen im Ungewissen bleiben.
Hintergrund für die angestrebte Schließung des Standortes sind gesunkene Schülerzahlen. Die Oberschule Lemwerder braucht 174 Schüler, um zweizügig geführt zu werden. Seit 2017/2018 liegen die Schülerzahlen darunter. Laut Prognose soll das so bleiben. Gemäß der Vorausberechnung der künftigen Schülerzahlen durch den Landkreis – berechnet aus den Übergangsquoten der Grundschulen und den Geburtenzahlen – bleibt die erwartete Schülerzahl bis 2028/2029 durchgängig unter 174 und bewegt sich zwischen 136 (erwartet im Schuljahr 2023/2024) und 158 Schülern (2027/2028). Für das gerade erst gestartete Schuljahr für die Oberschule von 24 neuen Fünftklässlern ausgegangen worden, nun sind es 22.
Laut Prognose aus September 2018 sehen die Schülerzahlen für die Oberschule Berne im Zeitraum bis zum Schuljahr 2028/2029 besser aus: Dort wird mit 200 Jungen und Mädchen (Schuljahr 2022/2023) und 224 (2027/2028) kalkuliert – damit fällt Berne nicht in die Einzügigkeit. Gleiches gilt auch für die Oberschule in Elsfleth: Laut Vorausberechnung werden dort die Schülerzahlen zwischen 260 (2020/2021) und 298 (2023/2024) schwanken
