Lemwerder - Sieben Wochen ist Nummer 63 alt, und guckt noch etwas scheu aus dem Pferdeanhänger. Gleich hat das Stutfohlen seinen ersten großen Auftritt: gemeinsam mit seiner Mutter wird es bei der Fohlenschau auf dem Hof Sosath vor der Kommission des Oldenburger Pferdezuchtverbandes präsentiert.
Was dem Fohlen noch an Erfahrung fehlt, bringt Besitzer Rolf Klockgether aus Ovelgönne mit. Er züchtet seit 30 Jahren Pferde – das Präsentieren auf der Fohlenschau gehört mit zur Vermarktung. Damit sein Tier erfolgreich verkauft werden kann, hofft der Ovelgönner auf gute Bewertungen durch die Prüfungskommission.
Die Prüfung
Die Prüfungskommission kommt vom Oldenburger Pferdezuchtverband. Dr. Wolfgang Schulze-Schleppinghoff ist Zuchtleiter des Verbandes. Er steht seit drei Jahrzehnten auf den Reitplätzen und nimmt Fohlen in seinen strengen Blick. „Wir beurteilen nach drei Kriterien. Das sind Typ, Korrektheit der Gliedmaßen und Stellung“, sagt er.
Nicht so wichtig ist, wie der Pferdenachwuchs sich auf dem Platz aufführt. Bocksprünge, kleine Fluchtversuche oder ein schneller Hakenschlag sind kein Problem, es geht nicht um gutes Betragen.
Vor die Verbandskommission geführt, werden die Fohlen zunächst im Stand beurteilt, später im schnellen Trab und in einer Schrittrunde. Dann fällt Schulze-Schleppinghoff das Urteil. „Gutes Fundament“, „Schönes Gesicht“, „korrekt getaktet“, „Man wünscht sich mehr Rist“ – das ist nichts für Laien. Negative Bemerkungen hört man bei der Beurteilung selten, eher werden die Stärken der Tiere betont.
Von den Züchtern ersehnt sind die Worte „Bekommt eine Prämie“. Die bekommt das Fohlen vom Pferdezuchtverband, wenn es einen besonders guten Eindruck macht. Die Prämie, besser noch eine Auszeichnung zum Elitefohlen, ist der erste Schritt zum erfolgreichen Verkauf.
Der Weg zur Auktion
Bei der Fohlenschau auf dem Hof Sosath wurden in zwei Tagen insgesamt 150 Fohlen für die Zuchtverbände begutachtet. 100 Tiere bekamen eine Prämie, 15 wurden als Elitefohlen ausgezeichnet und bekamen die begehrte Zulassung für die Auktion in Vechta.
Im Geschäftsbericht des Oldenburger Pferdezuchtverbands wurden allein im vergangenen Jahr 6446 Fohlen registriert. „Das waren 438 Tiere mehr als im Vorjahr“, sagt Pressesprecherin Katharina Teutsch. Bekommt ein Fohlen eine Eliteprämie, bedeutet das nicht automatisch die Zulassung für die Eliteauktion im August. Denn dort können auch Pferde ohne Prämie zugelassen werden. „Die Entscheidung für die Zulassung fällt unsere Auktionskommission immer individuell“, erklärt Teutsch. Hat ein Tier also keine Prämie bei der Fohlenschau erhalten, aber trotzdem einen sehr guten Stammbaum, gibt es trotzdem Chancen auf die Zulassung.
Läuft das Fohlen eines Züchters auf der Verbandsauktion, ist ein guter Verkauf in Sicht. Im vergangenen Jahr wurden auf der Auktion 181 Fohlen für einen Durchschnittspreis von 14 000 Euro bei den Auktionen im Oldenburger Pferdezentrum Vechta zugeschlagen, teilt der Verband mit. Das waren 30 Fohlen mehr als 2016. Der Höchstpreis für ein Fohlen lag im vergangenen Jahr bei 110 000 Euro.
Und wie züchtet man nun ein gutes Fohlen? Dazu gehören viel Gespür und Pferdeverstand. Zur Fohlenschau zum Gestüt Sosath waren Züchter gereist, die gar kein Fohlen vorstellten. Sie wollten sich die Nachkommen der Hengste auf der Station ansehen. „Der Hengst muss zur Stute passen“, sagt Gerhard Knut aus Rodenkirchen, der auf der Suche nach dem richtigen Pendant für seine Stute ist.
Erfolg in der Zucht
Um noch bessere Zuchtergebnisse zu erzielen, arbeitet der Oldenburger Pferdezuchtverband seit einigen Jahren mit dem System der „Linearen Beschreibung“. Jedes registrierte Fohlen wird in der Computerdatenbank mit seinen Merkmalen erfasst.
Rolf Klockgether hatte mit seinem Fohlen Nummer 63 ein gutes Gespür – es bekam eine Verbandsprämie. Zu einer Auktion wird er die kleine Stute nicht anmelden. „Ich ziehe sie selbst groß. Dreijährig wird sie wieder vorgestellt und absolviert die Verbandsprüfung der Zuchtstuten“, erklärt er. Doch erstmal geht es wieder auf den Anhänger und zurück auf die Weide. Der erste Schritt zum Erfolg ist geschafft.
