Lüerte - „Mama! Da steht ein Auto auf dem Dach!“ Timo Brengelmann kennt die Sprüche, wenn Kinder mit ihren Familien an seinem Haus in Lüerte vorbeilaufen. Der Anblick ist in der Tat selten: Nicht in, sondern auf der Garage steht sein ockerfarbenes Auto. Ein Trabant. „601 Limousine, 26 PS, verbraucht 8,5 bis neun Liter auf 100 Kilometer, Viergang-Getriebe und Lenkstock-Schaltung“, zählt der 42-Jährige auf. „Und er stinkt wie die Pest“, ergänzt Mutter Linda und lacht.

Das Fahrzeug stinke natürlich nur, wenn der Motor laufe – das ist aber seit mehreren Jahren nicht mehr der Fall gewesen. Aber von vorn.

3,1 Millionen Trabis

Fast 3,1 Millionen Trabant-Autos sind nach Angaben des Berliner Trabi-Museums zwischen 1957 und 1991 produziert worden. Die Karosserie besteht aus Kunststoff. „Deshalb rostet das Auto auch nicht“, erklärt Timo Brengelmann. Die Fahrzeuge wurden im damaligen VEB Automobilwerk Zwickau hergestellt. Von der Bestellung bis zur Lieferung eines Trabants vergingen mehrere Jahre.

Noch heute gibt es Fanclubs: So zum Beispiel den Trabant Club Nordsee mit Sitz in Rastede.

Die Simson Sperber SR 4-3 ist nach Angaben des DDR-Zweirad-Museums in Berlin zwischen 1966 und 1972 mit einer Stückzahl von circa 80 000 hergestellt worden. Zudem soll es das leistungsstärkste Modell der Vogelserie von Simson gewesen sein.

Im Jahr 2000 hat sich Timo Brengelmann das Kultauto, das in der ehemaligen DDR gefahren wurde, angeschafft. „Meine Bekannten hatten einen kaputten Trabi.“ Sie gaben ihn in Reparatur und bekamen von den Eltern, die einst in der ehemaligen DDR lebten, einen Ersatz-Trabi. „Den habe ich dann übernommen“, erinnert sich Brengelmann. „100 D-Mark habe ich damals bezahlt.“ Eine Zulassung für den Straßenverkehr hatte der Trabant nicht. „Er war zum Spielen da: Ich bin damit durchs Feld gefahren.“ Sich mit dem Auto auf die Straße zu begeben, hätte sich wohl abenteuerlich gestaltet: „Das Auto hat keine Tankanzeige.“ Bedeutet: Um zu prüfen, wie viel Benzin der Tank noch hat, muss die Motorhaube geöffnet und ein Stab aus einem Behälter gezogen werden. „So, als würde man den Ölstand kontrollieren.“ Eine Kilometeranzeige hat das Auto aber. „96 700 sind runter“, sagt der Lüerter bei einem Blick übers Lenkrad. Um Wischwasser auf die Scheibe zu befördern, muss eine Pumpe bedient werden.

2002 beschloss Brengelmann, dass der Trabi nicht länger auf dem nassen Rasen stehen bleiben kann. Freien Platz? Gab es noch höchstens auf der Garage. Mit einem Radlader beförderte Brengelmann das 1982 erbaute Fahrzeug auf das Garagendach. „Ich hab’s alleine gemacht – hat fünf Minuten gedauert.“

Einmal hat das Auto bisher geschrubbt werden müssen. „Im Sommer, als wir die Bäume im Garten entfernt haben. Der Trabi war wegen der Bäume ganz grün.“ Dabei hat sich ein Außenspiegel abgelöst. Zudem musste eine Tür gespachtelt werden.

Ein weiteres Fahrzeug, das in der ehemaligen DDR gefahren wurde, steht nicht auf sondern in Brengelmanns Garage: „Eine Sperber, Typ SR 4-3, Baujahr 1969. Die habe ich schon seit Jahrzehnten.“ Das Leichtkraftrad, das er ebenfalls durch Bekannte erstanden hat, fährt bis zu 80 Stundenkilometer schnell. Und wenn Brengelmann wollte, könnte er damit am Straßenverkehr teilnehmen. „Ich könnte dafür sofort eine Zulassung bekommen.“

Verena Sieling
Verena Sieling Redaktion Wildeshausen