Die Behörden verweisen die Bürger bei Corona-Verdacht an die Hausärzte. Sind Sie für die Situation gerüstet?
BudelmannZurzeit besteht keine Überforderung mit der Situation, aber die Befürchtung, dass diese eintritt – wegen unzureichender Materialversorgung, räumlicher Defizite und fehlenden praktikablen Verhaltensabläufen für das Praxispersonal. Die gebetsmühlenartigen und an sich sinnvollen Verhaltensweisen wie Niesetikette, Handhygiene und räumliche Distanz, zum Beispiel in Form eines Isolierzimmers, lassen sich in einer normalen Allgemeinarztpraxis nicht oder nur schwer umsetzen.
Welche Unterstützung fordern Sie von den Behörden?
BudelmannWir brauchen vor allem lokale, verbindliche Informationen und Materialunterstützung. Wir als Hausärzte fühlen uns in der Informationspolitik, die sich vor allem um die Krankenhausversorgung dreht, nicht ausreichend wahrgenommen und unterstützt, um Patienten, Mitarbeiter und uns selbst zu schützen und qualitativ hochwertig zu behandeln.
Sind Sie denn noch ausreichend mit Schutzkleidung, Handschuhen und Masken ausgestattet?
BudelmannEinmalkittel und Schutzmasken sind über den Fachhandel seit Wochen nicht zu erhalten. Geeignete Desinfektionsmittel sind nicht nachzubestellen. Einmalhandschuhe sind noch vorhanden. Die notwendigen Atemschutzmasken haben wir uns in geringen Mengen aus Altbeständen organisiert.
Welche Auswirkungen hat das Corona-Virus auf die Versorgung von Patienten mit anderen Krankheiten?
BudelmannDie routinemäßige Versorgung von schwer kranken Patienten, bei denen kein akuter Notfall vorliegt, wird von uns momentan aktiv ausgesetzt, um eine Ansteckungsgefahr dieser Risikogruppe zu vermeiden.
