• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Plus Mein Werder

Eilts’ Erlebnisse: Ein unerwartetes, abruptes Ende

16.04.2019

Bremen Die Saison 2001/02 sollte definitiv meine letzte Saison als Spieler sein. Ich wollte noch einmal an die Leistungen und Einsätze der Saison 2000/01 anknüpfen und danach als Jugendtrainer im Nachwuchsbereich einsteigen. Aber es kam ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Für mich kam es zu einem unerwarteten, abrupten Ende.

Ich wollte gut vorbereitet in meine letzte Saison starten, sodass ich nur eine kurze Urlaubspause machte und mich dann schon individuell auf die Saisonvorbereitung einstimmte. Ich arbeitete an meiner Grundlagenausdauer und auch ein wenig an der Schnelligkeit. Die Arbeit an der Schnelligkeit war für mich sehr wichtig, da ich nie ein Sprinter war und die Schnelligkeit mit zunehmendem Alter doch etwas nachlässt. Mit gezieltem Schnelligkeits-Training allerdings wollte ich diesem natürlichen Prozess entgegenwirken.

Ich startete, meiner Meinung nach sehr gut präpariert, in meine letzte Saisonvorbereitung als Profi. Ziemlich schnell merkte ich aber, dass irgendetwas anders war als all die Jahre zuvor. Ich kam nicht richtig in Tritt. Ich konnte im Training machen, was ich wollte, ich lief meiner alten Form hinterher. In allen Bereichen machte ich bei mir Defizite aus. Ich kam nicht mehr so, wie ich es von mir gewohnt war, in die Zweikämpfe. Trotz des Trainings vor der eigentlichen Vorbereitung, ging meine Spritzigkeit verloren. Mein Passspiel wurde zunehmend ungenauer und ich wählte oft die falschen Lösungen.

Jüngere Spieler zogen an mir vorbei

Hinzu kam, dass die Spieler, die ebenfalls meine Position spielen konnten, nicht nur deutlich jünger waren. Sie wurden auch immer stärker und überholten mich leistungstechnisch. Die ersten vier Spieltage der neuen Saison stand ich dennoch jeweils in der Anfangsformation. Meine Leistungen waren aber nicht so, wie man sie von mir kannte.

Am 25. August 2001 war schließlich unser Pokalspiel beim VFB Lübeck. Was noch keiner ahnte: Es sollte mein letzter Pflichtspieleinsatz für den SV Werder Bremen sein. Ich spielte von Beginn an. Unser Spiel war nicht sonderlich berauschend, aber wir siegten mit 3:2 und zogen in die nächste Runde ein.

Der nächste Bundesligaspieltag war dann erst am 9. September. Wir hatten eine Auswärtspartie beim 1.FC Kaiserslautern. Ich war natürlich im Kader, aber ich sollte diesmal nicht von Beginn an spielen. Daran hat ein Spieler, der es nicht mehr kannte, auf der Ersatzbank zu sitzen, im ersten Augenblick schwer zu kauen. So ging es mir auch. Wobei mir schon klar war, dass andere Spieler zurzeit die Nase vorn hatten und somit zurecht ich der Anfangsformation standen. Und auch in den nächsten beiden Spielen kam es zu keiner Veränderung der Situation. Dies bedeutete, dass ich auf der Ersatzbank saß und nicht zum Einsatz kam.

Im Training merkte ich derweil deutlich, dass meine Leistungskurve noch weiter in den Keller ging. Ich spürte, dass ich nicht mehr an meine früheren Leistungen anknüpfen konnte und ich die Situation verändern musste, da sie mir ziemlich zusetzte. Also fasste ich ziemlich schnell den Entschluss, meine aktive Karriere zu beenden. Ich bin nicht unbedingt der Spielertyp, der von der Bank kommt und dann gleich da ist. Ich brauchte immer das Gefühl, den Rhythmus eines Spiels mitbestimmen zu können. Dies war einfach nicht möglich, wenn ich eingewechselt wurde.

Frank Rost wurde sehr wütend

Dementsprechend suchte ich umgehend das Gespräch mit Manager Klaus Allofs und Trainer Thomas Schaaf und teilte ihnen meinen Entschluss mit, meine Karriere zu beenden. In dieser kleinen Runde besprachen wir gemeinsam die Situation und kamen zu dem Entschluss, dass ich weiter Teil der Mannschaft bleiben und meine Karriere als Standby-Profi bis zum Saisonende fortführen und ein wenig das Trainerteam unterstützen sollte. Dies bedeutet, dass ich weiterhin mit der Mannschaft trainierte und an den Spieltagen das Training mit den Spielern leitete, die es nicht in den Kader geschafft haben.

Als die Mannschaft über meinen Schritt informiert wurde, war sie sehr überrascht, hielt sich mit ihren persönlichen Einschätzungen aber weitestgehend zurück. Nur einer meinte, er müsse mir richtig die Meinung geigen und sagen, wie sch****e er es findet. Dies war natürlich unser Torwart Frank Rost. Wie es seinem Naturell entspricht, schleuderte er mir im ersten Augenblick Worte an den Kopf, die ich hier nicht unbedingt wiedergeben möchte. Er hat sich dann aber auch schnell wieder beruhigt und konnte meinen Entschluss doch nachvollziehen.

Dies war eine sehr gute Lösung und ich merkte, wie bei mir wieder alles besser wurde. Der Druck war weg und die Leistungen im Training wurden wieder besser. Ab und zu fragte Thomas Schaaf noch nach, ob ich mit in den Kader wollte. Ich lehnte aber immer ab, und ließ den jüngeren Spielern den Vortritt.

Für mich gingen damit 18 Jahre Werder Bremen als aktiver Spieler zu Ende. Eine unglaublich lange und intensive Zeit, in der so wahnsinnig viel passiert ist. Es gab natürlich einige Tiefpunkte, von denen man meint, man braucht sie nicht. Aber diese Tiefpunkte sind oftmals die Momente, die dich einen großen Schritt nach vorne machen lassen. Ich bin sehr dankbar für diese Jahre und die Erfahrungen, die ich machen durfte und möchte mich bei allen, die mich während der Zeit unterstützt und gefördert haben, bedanken.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

MEINWERDER.DE
Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.