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NWZonline.de Plus Mein Werder

Taktikanalyse – das reicht nicht gegen die Bayern

22.04.2019

Florian Kohfeldt baute seine Mannschaft im Vergleich zur Vorwoche personell nur auf einer Position um: Kevin Möhwald rückte für Yuya Osako ins Team. Auch Bayern-Coach Niko Kovac nahm nur eine Änderung vor, für den verletzten Mats Hummels begann Jerome Boateng in der Innenverteidigung.

Werder hielt an der Formation im 4-4-2 mit der Raute im Mittelfeld fest, ordnete die Besetzung im Mittelfeld aber etwas anders als gewohnt an. Vor Jiri Pavlenka und der Viererkette mit Theo Gebre Selassie, Milos Veljkovic, Niklas Moisander und Ludwig Augustinsson übernahmen im gegnerischen Ballbesitz Nuri Sahin und Maximilian Eggestein die Doppel-Sechs, Möhwald und Davy Klaassen die Halbpositionen und Max Kruse und Milot Rashica spielten im Angriff. Werder agierte in diesen Phasen also mit einem flachen 4-4-2. Besonders war der Rollentausch für Eggestein und Kruse: Der Kapitän spielte auch im eigenen Ballbesitz nicht von der Zehn weg, sondern als Angreifer und Eggestein rückte dafür dann immer in die offensive Zentrale.

Die Idee war offenbar, Kruse etwas aus dem Verkehr im Mittelfeld herauszunehmen und mit dessen zurückfallenden Bewegungen dann kurzzeitig Überzahlsituationen um die beiden bayerischen Sechser Thiago und Javi Martinez herzustellen. Das funktionierte in den ersten rund 20 Minuten auch ganz gut, wie Werder überhaupt sehr flott und mutig ins Spiel fand.

Hohes Pressing und Sonderbewachung

Die Mannschaft empfing die Bayern in einem hohen Mittelfeldpressing und rückte davon ausgehend nach Rückpässen auf Sven Ulreich sofort und geschlossen ins Angriffspressing auf. Bayerns Verteidiger hatten damit ein paar Schwierigkeiten, auf Ulreich als im Vergleich zu Manuel Neuer deutlich schlechterem Fußballspieler wurde sogar aggressiv durchgepresst. Der Plan, Bayerns Gestalter Thiago mit einer Art Manndeckung durch Eggestein aus dem Spiel zu nehmen, ging dagegen von Beginn an nur zur Hälfte auf. Martinez blieb zusätzlich in seiner zentralen Sechserposition und konnte zusammen mit den beiden Innenverteidigern ruhig im Dreieck gegen die beiden Bremer Pressingspitzen aufbauen und den Ball vortragen. Werder konnte also zwar Thiago in dessen halblinker Position kontrollieren, mit zunehmender Spieldauer aber seinem Pressing in Unterzahl in der ersten Linie nicht die nötige Intensität verleihen, die eine ballsichere und selbstbewusste Mannschaft wie die Bayern in Verlegenheit hätte bringen können.

Ordentliches Spiel gegen den Ball

Mit dem Ball fand Werder gleich zu Beginn ein paar Mal gut in den Rücken der Bayern-Außenverteidiger, war dann aber beim letzten oder vorletzten Ball nicht sauber genug und verschlampte auch seine Eckstöße teilweise fahrlässig. Diese fehlende Präzision gerade bei etwas riskanteren Pässen im letzten Drittel sollte im Verlauf des Spiels noch zu einem größeren Bremer Problem werden. Immerhin schaffte es Werder aber zu diesem Zeitpunkt noch, durch längere Ballbesitzphasen die Bayern von eigenen gefährlichen Aktionen abzuhalten.

Verlagerungen auf die ballferne Seite wurden sofort mit doppelnden Bremer Spielern in Ballnähe gekontert, so dass die gefährlichen Flügelspieler der Gastgeber nicht in leichte Eins-gegen-Eins-Duelle kamen. Der Zwischenlinienraum vor der Abwehr wurde geschlossen gehalten, unter anderem Thomas Müller war deshalb kaum ein Faktor. Und weil die Bayern nicht besonders schnell kombinierten, konnte Werder vergleichsweise ruhig verteidigen.

Schlechtes Verhalten nach Ballgewinnen

Durch den fehlenden Zugriff ganz vorne rückte Werder aber im Verlauf der ersten Halbzeit immer noch ein Stück tiefer nach hinten und wartete im tiefen Mittelfeldpressing auf die Bayern. Das Zurückweichen gestattete den Gastgebern mehr und mehr Spielkontrolle und Raumgewinn und sorgte als eine Kollateralschaden für ein dickes Bremer Problem: Mit der vergrößerten Entfernung zum gegnerischen Tor wurde die Mannschaft übereifrig.

Werder versuchte nicht mehr, sich ruhig und spielerisch sauber zu lösen, sondern ging zu schnell in seine Umschaltsituationen und spielte die Bälle tief. Das ist grundsätzlich kein Fehler, wenn der Rest der Mannschaft auf einen weiten Ball auf einer der Angriffsspitzen aber nicht mehr nachrückt oder nicht mehr so schnell nachrücken kann, fehlt es an Verbindung und Absicherung und es entsteht ein großes Loch. Der eigene Spieler ist komplett isoliert und der Ball ganz schnell wieder weg. Werder spielte zu schnell tief und rückte nicht mehr im Block nach, was die eigenen Ballgewinne postwendend wieder zunichte machte.

Veljkovic' Platzverweis der Knackpunkt

Nach der Pause blieb zunächst alles unverändert, die Bayern wurden aber direkter und versuchten weniger um den Bremer Strafraum herum und schneller vor das Tor zu spielen. Die Münchener Flügelspieler drängten nun ein paar Mal diagonal zur Mitte und kamen zu Abschlüssen, vor allem aber wurde Werder schnell tief gedrückt, was den Bayern viele zweite Bälle verschaffte. Der Druck der Gastgeber wurde schon zu Beginn der zweiten Halbzeit deutlich größer, Werder schaffte nur wenig Entlastung und wurde mit der Zeit immer noch unpräziser.

Der Platzverweis für Veljkovic verstärkte diese Effekte nur noch. Kohfeldt füllte die Abwehrkette mit Sebastian Langkamp (für Möhwald) wieder auf, während Kovac sofort Martinez runternahm und den offensiveren Leon Goretzka brachte. Werder stellte damit auf ein 5-3-1 um und bekam den Münchener Angriffsschwung wieder besser in den Griff. Die Bayern spielten viel um den Bremer Strafraum herum und wurden nun ihrerseits ungeduldig und wenig zielführend. Etliche Flanken segelten in den Bremer Strafraum, die aber zunächst ungefährlich blieben. Den Bayern fehlten die Ideen, um die kompakten und tief stehenden Gäste auseinanderzuspielen.

Kovac brachte Franck Ribery für Müller und stellte Gnabry auf dessen Position auf der Zehn, Kohfeldt kurz danach Osako für Rashica. Entlastung brachte aber auch das kaum. Im Gegenteil fiel die Bremer Wand nach einem abgefälschten Schuss von Niklas Süle, als Werder zu spät auf Süle herausrückte und dann schlicht Pech hatte - bezeichnenderweise kein herausgespielter, sondern dem Dauerdruck geschuldeter Treffer. Aber eben auch ein vorentscheidender.

Werder versuchte es mit einem weiteren offensiven Wechsel (Claudio Pizarro für Sahin), die Chancen hatten aber weiter nur die Bayern. Die lange Unterzahl war letztlich der Genickbruch für Werder. Am Ende standen 28 zu drei Torschüsse für die Bayern, Werder brachte nicht einen auf das Bayern-Tor, weshalb der Sieg für die Münchener auch in Ordnung geht. Werder hatte im Spiel gegen den Ball einige sehr gute Momente, war aber im eigenen Ballbesitz ein ganzes Stück von seiner Bestform entfernt. Und das reicht dann auch gegen allenfalls ordentliche Bayern nicht.

Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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Dies ist ein Artikel der "Mein Werder"-Redaktion des WESER-KURIER

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