Molbergen/Friesoythe - „Carla“ ist noch schläfrig, die Operation hat ihr doch zugesetzt. Aber jeden Tag geht es ihr besser. Qualen hatten sie durchlitten, Qualen, die Tierärztin Sabine Maaß die Zornesröte ins Gesicht treiben. Denn die etwa zweijährige Katze ist in Molbergen von einem Tierquäler angeschossen worden. Da ist sich die Ärztin, die in der Tierärztlichen Gemeinschaftspraxis (TGF) in Friesoythe beschäftigt ist und sich für den Tierschutzverein Friesoythe engagiert, sicher.

Ein Ehepaar hatte das zutrauliche Tier in Molbergen im Vorgarten entdeckt. Sie bemerkten die Verletzungen und informierten das Tierheim Sedelsberg. Bei genauerer Untersuchung wurde klar: Das Tier wurde mit einem Luftgewehr verletzt. Insgesamt drei Projektile zeigen die Röntgenbilder. „Die Form der Projektile ist typisch. Es sind Diabolos“, klärt Sabine Maaß auf. Eine Kugel durchschlug möglicherweise den Oberschenkel-Knochen. In jedem Fall war er gebrochen. „Das könnte aber auch bei der Flucht geschehen sein“, mutmaßt Sabine Maaß.

Erforderlich machte der Bruch aber eine Operation, um den Knochen mit einem Implantat zu stabilisieren. Dabei war auch ein Kugelfragment entfernt worden. Dankbar ist Sabine Maaß für die Unterstützung von Dr. Anna Wendel bei der Operation. Noch im Körper der Katze stecken dagegen zwei weitere Kugeln. „Damit kann sie aber noch ein langes und fröhliches Leben leben“, berichtet Sabine Maaß.

Dass die Tat im Umkreis des Fundortes in Molbergen geschehen war, davon ist die Tiermedizinerin überzeugt. „Katzen haben nicht so einen großen Radius.“ Von gezielter Tierquälerei geht sie aus, weil größere Tiere kaum mit einem Luftgewehr getötet werden könnten – erst recht nicht, wenn wahllos auf sie geschossen würde. „Sie werden höchstens verletzt.“ So wie Carla.

Wenn die etwa zweijährige Katze, die nicht gekennzeichnet war, wieder genesen ist, wird sie in das Tierheim Sedelsberg verlegt. Es sei denn, es findet sich jemand, der sich ihrer annimmt. Für Tiermedizinerin Maaß ist Carla ein ganz besonderes Tier: „sehr freundlich und dankbar, nett und zurückhaltend“ – für einen Streuner sehr ungewöhnlich. Auch sei sie nicht so abgemagert wie Streuner es häufig seien. „Ein neues Zuhause hat sich Carla mehr als verdient“, sagt die Tierärztin bestimmt.

Diese Attacke ist kein Einzelfall. Schüsse aus einem Luftgewehr auf eine weitere Katze und auf einen Hund versorgte Maaß alleine im vergangenen Jahr.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)