Moorriem - Die Truppen von Graf Gerhard von Bremen waren nach einem Raubzug durch die Kirchspiele im Ammerland schon auf dem Rückzug, als sie im Gellener Moor von Männern Gerds von Oldenburgs gestellt und vernichtend geschlagen wurden. Hunderte verloren ihr Leben. Die Schlacht ging als „Bremer Taufe“ in die Geschichte ein.

Als Erwin Hersemeyer in den 40er Jahren einen neuen Namen für den Gasthof seiner Familie in Gellen suchte, musste er nicht lange überlegen. „Die Idee kam mir über Nacht“, erinnert sich der heute 86-Jährige. Als „Bremer Taufe“ war sein Haus dann bis 1990 auch weit bekannt.

Gebaut wurde der Gasthof 1895 von den Urgroßeltern mütterlicherseits – damals noch unter dem Namen „Zum rote Hause“. Er war einer von stolzen 18 Gasthäusern in Moorriem, berichtet Erwin Hersemeyer. Wie an einer Perlenschnur aufgereiht lagen sie an der Landstraße Richtung Oldenburg und der L 864. Die hohe Zahl an Kneipen lag nicht unbedingt daran, dass die Menschen damals mehr getrunken haben. Grund war vielmehr die Struktur der ländlichen Gesellschaft: Bauern, Geschäftsleute und Handwerksmeister trafen sich grundsätzlich nicht im gleichen Krug wie ihre Angestellten. „Auf den Höfen gab es viele Mägde und Knechte. Sie hatten meist keinen Familienanschluss“, erklärt Gerold Maas, der sich viel mit der Geschichte Moorriems beschäftigt. „Sie gingen dann abends in die Gasthäuser um beisammenzusitzen“. Weitere Gäste bescherte den Gastwirten die günstige Verkehrslage. „Schon im 30-jährigen Krieg verlief hier die Strecke für die Börsenpost. Auch die Viehtriebstraße nach Bremen war hier“, sagt Maas. Da fand sich in Moorriem für jeden das passende Lokal zur Einkehr – und zum Feiern.

„Nicht weit von hier in Gellen stand der Wübbelkroog“, berichtet Erwin Hersemeyer. Dort kehrten vor allem Landwirte nach der Arbeit ein. Da das Haus ohne Gründung direkt auf dem weichen Moor gebaut war, wackelten bei regem Betrieb alle Wände – es „wübbelte“. Der Wübbelkroog brannte im Jahr 1914 ab.

Bei Erwin Hersemeyer und seiner Frau Anneliese in der „Bremer Taufe“ fanden auch viele Vereins- und Familienfeiern statt. Ab 1928 betrieb die Familie außerdem eine Zweigstelle einer Getreidemühle. Der Betrieb stellte sich immer wieder neu auf. „Ich habe hier auch die Disco-Abende für die Schüler der Landwirtschaftsschule veranstaltet. Die waren legendär“, sagt Hersemeyer.

Er war immer gerne Gastwirt, auch, wenn man mit diesem Beruf nicht viel Schlaf bekommt. „Manchmal habe ich 22 Stunden gearbeitet. Zum Beispiel, wenn am Sonntagmorgen nach einer Feier hier ein Wahllokal eingerichtet war“, so der 86-Jährige. Mit der vielen Arbeit hatte die Schließung des Lokals trotzdem nichts zu tun. „Die Ämter standen einem ständig auf den Füßen. Wir hätten alles modernisieren müssen. Mit 60 Jahren hätte sich diese Investition nicht gelohnt. Da habe ich den Schlüssel umgedreht.“ Heute sind in Moorriem drei Gasthöfe in Betrieb – noch, denn mit der Gaststätte Meiners schließt im April ein weiteres Traditionslokal.

Friederike Liebscher
Friederike Liebscher Redaktion Oldenburg