Neuenburg - Das war mehr als ein Job: Anke Lammers hat ihr ganzes Berufsleben über Kindern dabei geholfen, sich zu entwickeln, zu lernen und dabei einfach sie selbst zu bleiben. Das, was früher Kindergärtnerin und später Erzieherin hieß, nennt Anke Lammers gern Elementarpädagogin: „Wir begleiten die gesamte Entwicklung der Kinder“, sagt die 61-Jährige. Jetzt geht die Leiterin des Kindergartens im Neuenburger Schloss in die passive Phase der Altersteilzeit. An diesem Mittwoch wird sie von der Gemeinde Zetel verabschiedet.
Anke Lammers hat sich in ihren 41 Berufsjahren in Neuenburg um unzählige glückliche Kindheiten verdient gemacht – weil sie die Haltung, dass Kindheit etwas Unantastbares und Wertvolles ist, im Schlosskindergarten etabliert hat. „Kindheit ist ein unschätzbarer Wert, der später nicht nachgeholt werden kann. Die Zeit gehört den Kindern und wir haben die Pflicht, sie in dieser Zeit zu unterstützen und zu begleiten und sie nicht als zukünftige Leistungsträger in eine Richtung zu drängen“, sagt Anke Lammers.
Die gebürtige Neuenburgerin hat die Arbeit im Schlosskindergarten zu ihrem Lebens- und Herzensprojekt gemacht. „In all den Jahren hat sich mein Respekt und meine Wertschätzung gegenüber diesen kleinen Menschen nur noch gesteigert“, sagt sie. Und ihre Begeisterung hat sie an das ganze Team weitergegeben.
Im Alter von 20 Jahren begann Anke Lammers ihre Arbeit im Schlosskindergarten, schon mit 21 wurde sie zur Leiterin. Nach ihrer Elternzeit mit Mitte 20 fing sie mit einer Halbtagsstelle wieder im Kindergarten an und entwickelte die Einrichtung zusammen mit der damaligen Leiterin Elfriede Geisendorff-Mikulka weiter. „Wir haben Pionierarbeit geleistet. Wir waren der erste Kindergarten im Landkreis, der eine offene Elementarpädagogik eingeführt hat.“
Der Kindergarten im Schloss wurde für Integrationskinder geöffnet – erstmals sollten auch Mädchen und Jungen mit Beeinträchtigung in den Kindergarten gehen können. „Das stieß damals auch auf Widerstände und es gab viel Skepsis. Aber die Kinder haben uns gezeigt, wie es geht.“ Denn Kinder beurteilen ein Kind nicht danach, ob es laufen kann oder im Rollstuhl sitzt, ob es sehen kann oder blind ist, ob es zwei Arme hat oder nur einen.
Die letzten elf Jahre hat Anke Lammers den Kindergarten wieder als Leiterin gestaltet. Sie schwärmt nicht nur von dem historischen Gebäude, sondern auch vom tollen Mitarbeiter-Team, von der guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde und den vielen Unterstützern im Ort, die mit Projekten das Kindergartenjahr bereichern – von Imker, Förster und Feuerwehr über Rotes Kreuz und Lebensrettungsgesellschaft bis zu Unternehmen und landwirtschaftlichen Betrieben. Kinder großzuziehen sei eben die Aufgabe eines ganzen Dorfes.
Im Schlosskindergarten in Neuenburg habe sie einen Ort gefunden, an dem sie ihr ganzes Berufsleben lang mit Herzblut wirken konnte, sagt Anke Lammers. „Und dafür bin ich unendlich dankbar.“ Ihre Nachfolge wisse sie in guten Händen: Die 31-jährige Kim Baumgarten wird die Kindergartenleitung ab 1. November übernehmen.
