Neuenburgerfeld - Von der Decke in der Galerie „Cueva Elma“ in Neuenburgerfeld hängen Silhouetten aus Gips, farblos, haltlos, fallend, tänzelnd. „Manche Flüchtlinge sind einfach traurige Traumtänzer. Sie hängen total in der Luft“, sagt Elke Siems. Diese Menschen fallen ins Nichts und beim Aufprall auf die Realität in Europa zerspringen ihre Träume in tausend Teile.
Mit den Ängsten und Sorgen der Flüchtlinge in Europa, aber auch mit der Hetze, dem Fremdenhass und der unerträglichen Realität der rechtsradikal motivierten Anschläge und Parolen in deutschen Städten beschäftigt sich die neue Ausstellung der beiden „Malschwestern“ in Neuenburgerfeld. Die Künstlerinnen arbeiten gerade noch an der Installation, geöffnet werden soll die Ausstellung am 1. Mai von 13 bis 18 Uhr und am 29./30. August von 13 bis 18 Uhr in der Galerie an der Spolsener Moorstraße 8 in Neuenburgerfeld.
Der Titel der Werkschau lautet „Grundgesetz am Abgrund?“ und stellt damit eine Frage, die sich durch aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen aufdränge. „Wir fragen uns, warum die Menschen, die Hass und Hetze verbreiten, das Grundgesetz so ignorieren können“, sagt Wiebke Eggers aus Hamburg. „Da steht es doch alles schwarz auf weiß: Die Würde des Menschen ist unantastbar. Jeder hat das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Politisch verfolgte genießen Asylrecht.“ Das Grundgesetz spreche so klare Worte, die von allen, die Fremdenhass verbreiten, ignoriert würden. „Wo bleiben da unsere Politiker? Warum sorgen sie nicht dafür, dass die Worte im Grundgesetz auch mehr Gewicht im realen Leben haben?“
Doch natürlich gebe es keine einfachen Lösungen für so komplexe Probleme wie die Fluchtursachen, das Schicksal der Flüchtlinge und den Umgang mit dem Problem in Deutschland. „Wir sind alle aufgerufen hinter die Dinge zu gucken und die Werte unserer Gesellschaft zu verteidigen“, sagt Elke Siems. „Und das muss auch die Kunst tun. Jeder hat die Pflicht, im Rahmen seiner Möglichkeiten Stellung zu beziehen, und wir tun das mit unserer Kunst.“
In der Installation, die gerade in der Galerie in Neuenburgerfeld entsteht, sind nicht nur die Flüchtlinge ein Teil des Werkes. Auch die Schlepper, die ihre Netze auswerfen und Menschen mit falschen Versprechen und für viel Geld nach Europa bringen, sind abgebildet, ebenso wie rechtspopulistische Rattenfänger.
„Wir haben nach dem Mord an Walter Lübcke begonnen, uns mit dem Thema Fremdenhass und rechtsmotivierter Gewalt auseinanderzusetzen“, sagt Elke Siems. Sie und ihre „Malschwester“ Wiebke Eggers treffen sich regelmäßig, um gemeinsam zu arbeiten. Es entstand die Idee, dem Thema eine Ausstellung zu widmen – und mit den Anschlägen von Halle und Hanau gewann das Thema Fremdenhass immer erschreckender an Aktualität. „Umso wichtiger ist es, dass wir uns damit auseinandersetzen und wir hoffen, dass viele mit dem Besuch der Ausstellung ein Zeichen setzen.“
