Neuscharrel/Thülsfelde/Löningen - Gleich mehrfach gab es in diesen Tagen Hinweise auf Vorfälle mit Wölfen. In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch hat höchstwahrscheinlich ein Wolf eine Schafherde an der Hase in Löningen angegriffen. Nicht der erste Fall. Der Schäfer beklagt bereits 23 tote Tiere innerhalb des vergangenen halben Jahres.

Bereits am Montagmorgen wurde an der Thülsfelder Talsperre im Bereich des Auslaufbauwerks in Thülsfelde ein toter Damhirsch mit Verletzungen am Hals gefunden. Auch hier deuteten die Indizien auf einen Wolfsangriff hin, sagte Wolfsberater Hermann Wreesmann aus Altenoythe im Gespräch mit dieser Zeitung. Bereits im März dieses Jahres ist an ähnlicher Stelle ein totes Stück Damwild gefunden worden. Hier konnte man mittlerweile anhand eines Gentests eindeutig nachweisen, dass es sich um einen Wolf gehandelt hat, genauer um den bereits bekannten Wolf mit der Nummer GW1013m.

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Ebenfalls in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ist vermutlich ebenfalls ein Wolf in ein Damwildgehege in Neuscharrel eingedrungen und hat die Tiere vor sich her getrieben. Das Gehege gehört Veronika Röwe. Ihre insgesamt zwölf Tiere leben in einem weitläufigen Gehege rund um das bäuerliche Haus. Die Neuscharrelerin ist vor allem extrem darüber beunruhigt, wie nah sich das Wildtier an ihr Wohnhaus herangewagt hat. Das habe auch ihre neunjährige Tochter völlig verängstigt.

Das Tier hat sich unter dem rund 1,80 Meter hohen Maschendrahtzaun hindurch gegraben. In dem Gehege hat es das Damwild dann wohl vor sich her gehetzt. In Panik durchbrachen drei Stück Damwild den Zaun. Diese wurden dann vermutlich verfolgt. Von zwei Tieren fehlt bislang jede Spur. Ein Damhirsch hat die Besitzerin an einem Waldrand entdeckt. Gut möglich, dass dieser bald zu der Herde zurückkehren wird.

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Veronika Röwe geht davon aus, dass es sich bei dem Angriff auf ihre Tiere um einen Wolf gehandelt hat. Rund um das Gehege hat sie Pfotenspuren entdeckt, die einen Durchmesser von rund zehn Zentimetern haben. Auch Wolfsberater Arno Aumüller, der sich am Mittwoch in Neuscharrel selbst ein Bild gemacht hatte, hält es für unwahrscheinlich, dass es sich bei den Spuren um Abdrücke etwa eines Hundes handelt. Ganz sicher könne man sich derzeit aber nicht sein, sagte er im NWZ-Gespräch. Aufschluss könnte eine Auswertung von DNA-Spuren geben, denn Aumüller hat am Zaun Tierhaare entdeckt, die er zur Untersuchung an den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geschickt hat.

Wie viele Wölfe sich hier in der Region aufhalten, sei nicht eindeutig zu klären. Wölfe würden ein riesiges Territorium für sich beanspruchen und in einer Nacht auch mal Distanzen von 50 Kilometern zurücklegen. Sicher sei aber, dass neben dem Wolf an der Talsperre auch ein Wolfspaar im Bereich Herzlake registriert sei, so Wolfsberater Wreesmann. Er appelliert an die Nutztierhalter, einen Untergrabeschutz zu installieren, heißt: 20 Zentimeter über dem Boden einen Elektrozaun zu errichten. Denn häufig würden Wölfe die Zäune untergraben. Andernfalls laufen die Halter Gefahr, keine Entschädigungszahlungen zu erhalten.

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Veronika Röwe hat diesen Schutz am Mittwoch gleich angebracht. Anscheinend mit Erfolg, denn am Donnerstagmorgen habe sie frische Pfotenabdrücke direkt am Zaun entdeckt. Womöglich sei das Tier durch den Strom verschreckt worden. Dennoch fühle sie sich unwohl bei dem Gedanken, dass rund um ihr Haus vermutlich ein Wolf umherzieht. Sie hat auch bereits ihre Nachbarn gewarnt, die zum Teil Pferde oder Alpakas draußen weiden lassen.

Carsten Bickschlag
Carsten Bickschlag Redaktion Münsterland (Leitung Cloppenburg/Friesoythe)