Neuvrees - Erneute Wolfsrisse an Damwild: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag sowie in der darauffolgenden Nacht von Freitag auf Samstag hat das Tier in einem eingezäunten Damwild-Gehege in Neuvrees in der Nähe der Feldstraße insgesamt fünf Rehe gerissen.

Sebastian Bischof kümmert sich um das Gehege, das seiner Großmutter gehört. Er hatte am Samstagmorgen von den toten Rehe in dem Gehege erfahren, berichtete er gegenüber NWZ. Wolfsberater Hermann Wreesmann, der die Wolfsbisse an den getöteten Tieren begutachtete, stellte auf NWZ-Nachfrage fest: „Es besteht für mich kein Zweifel daran, dass es ein Wolf war.“ Was ihn so sicher macht, sind vor allem Videoaufnahmen aus dem Gehege.

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Vier Kameras hatte Sebastian Bischof am Gehege angebracht, die auch Live-Bilder übermitteln. Sie zeigen vergleichsweise deutlich, dass ein größeres Tier in dem Gehege unterwegs ist und die Tiere in großer Aufregung sind. Wreesmann, der die Aufnahmen sichtete: „Die Bilder sind sehr eindeutig.“

In der ersten Nacht gegen 6.30 Uhr am Morgen wurden zunächst zwei Tiere getötet, eines davon hatte der Wolf fast komplett aufgefressen, ein zweites mit einem gezielten Kehlbiss getötet. In der Nacht darauf hatte das Tier zwischen drei und fünf Uhr drei weitere Rehe mit Kehlbissen getötet. Lediglich überlebt hat in dem Gehege ein großer Hirsch. „Der Hirsch ist total verstört“, schilderte Sebastian Bischof seine Eindrücke.

Wie der Wolf in das Gehege gelangt ist, ist bereits geklärt: Er hatte sich unter dem rund 1,80 Meter hohen Maschendrahtzaun durchgebuddelt. An dem Zaun befanden sich zudem Haare des Wolfes, die der Wolfsberater entnahm. Die DNA-Probe soll Klarheit darüber bringen, ob es sich bei diesem Wolf um den gleichen handelt, der vor wenigen Tagen in Peheim auf einer Weide drei Stück Damwild gerissen und vor wenigen Wochen in der Molberger Dose Schafe gerissen hatte. Auch zuletzt in Peheim hatte sich der Wolf unter dem Zaun durchgebuddelt.

Das rund einen Hektar große Gehege in Neuvrees liegt rund 200 Meter entfernt von einem Neubaugebiet.

In Peheim war in der vergangenen Woche ein Wolf in ein Damwild-Gehege gelangt und hatte drei Tiere getötet. Zwei der Tiere waren aufgerissen und ein weiteres Tier am Hals tödlich verletzt worden. Das Gehege befindet sich inmitten eines landwirtschaftlichen Betriebes an der Straße Neuer Winkel – Luftlinie gerade einmal zehn Kilometer entfernt von Neuvrees. Grund zu der Annahme, dass sich im Gebiet mindestens ein Wolf aufhält.

Reiner Kramer
Reiner Kramer Redaktion Münsterland (Stv. Leitung Cloppenburg/Friesoythe)