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nordwest-zeitung

Schützenvereine In Nordenham Ein Stück Dorfkultur steht auf der Kippe

Jens Milde

Nordenham - Wenn die Sportschützen Esenshamm Anfang November ihren Schützenball feiern, dann wird fast alles anders sein als bisher. Es wird kein Schützenkönig gekürt. Es gibt keinen Jugendkönig und keinen Dorfkönig, keine Ersten und Zweiten Ritter und keinen Kaiser. Erstmals in der 65-jährigen Geschichte des Vereins findet im Esenshammer Hof keine Proklamation statt. Es gibt nichts zu proklamieren. Und nach den Worten des Zweiten Vorsitzenden Lothar Falk, der auch Vereinswirt ist, könnte der kommende Schützenball auch der letzte sein. Der Verein ist von der Auflösung bedroht. Ein ähnliches Schicksal könnte dem Schützenverein Abbehausen bevorstehen. Der Schützenverein Blexen hatte bereits vor 13 Jahren die Segel gestrichen. Eine Tradition scheint langsam, aber sicher, den Bach runterzugehen. Die Gründe dafür sind von Verein zu Verein sehr unterschiedlich.

Sportschützen Esenshamm: Mangel am Schießstand

Die Esenshammer Sportschützen mussten vor zwei Monaten auf Anordnung des städtischen Ordnungsamtes den Schießbetrieb im Esenshammer Hof einstellen. Die Esenshammer nutzen für ihren Sport eine mobile Schießanlage. Sie kann mit einigen Handgriffen im Saal der Gaststätte auf- und abgebaut werden. Bei den regelmäßigen Überprüfungen hatte es nach den Worten von Lothar Falk bisher nie Beanstandungen gegeben. In diesem Sommer war das allerdings anders. Ein unabhängiger Sachverständiger, der die Anlage und die räumlichen Gegebenheiten im Auftrag der Stadt unter die Lupe nahm, kam zu dem Schluss, dass sie in der bisherigen Art und Weise nicht betrieben werden darf.

Das Problem ist nach den Worten von Lothar Falk der Freiraum zwischen Schießauflage und Wand. Der muss mindestens zwei Meter betragen. Im Esenshammer Hof beträgt er allerdings nur 1,90 Meter. Für eine Genehmigung fehlen also zehn Zentimeter. Jahrzehntelang war das nie ein Problem. Dass es jetzt plötzlich doch eines ist, hat den Verein natürlich ziemlich überrascht.

Nach den Worten von Ursula Wilkens, der Leiterin des städtischen Ordnungsamtes, ist mit dem Verein und dem Gastwirt bereits über mögliche Alternativen gesprochen worden. Wie Lothar Falk verdeutlicht, wäre es möglich, die Schießanlage nicht wie bisher in Querrichtung zum Saal, sondern in Längsrichtung aufzubauen. Für ihn ist dies allerdings eine sehr theoretische Alternative, weil sie nicht nur hohe Kosten verursacht, zum Beispiel für die Sicherung von Fensterscheiben, sondern auch einen unzumutbaren Aufwand beim Umstellen des Mobiliars.

Die Sportschützen versuchen in Abstimmung mit dem Oldenburgischen Schützenbund eine Lösung für das Problem zu finden. Sollte sich keine finden, bedeutet das aus Sicht von Lothar Falk das Aus des Vereins, der das Vereinsleben zurzeit mit geselligen Veranstaltungen aufrecht erhält. Und das wäre für das gesamte Dorf ein harter Schlag. Die Sportschützen gehören mit ihren 80 Mitgliedern zu den Säulen des Vereinslebens in Esenshamm. Die Hoffnung, doch noch eine Lösung zu finden, hat Lothar Falk aber noch nicht aufgegeben.

Schützenverein Abbehausen: Mangel an Vorstandsmitgliedern

Auch der Fortbestand des Schützenvereins Abbehausen steht derzeit auf der Kippe. Die Gründe sind allerdings ganz andere. Wie der Präsident Hergen Albers erläutert, ist der Verein auf der Suche nach einem Kassenwart. Mit seinen Bemühungen, in den eigenen Reihen jemanden zu finden, der diesen Posten übernimmt, beißt er schon seit Monaten auf Granit. Hergen Albers sucht zudem einen Nachfolger für das Präsidentenamt, das er seit knapp 30 Jahren ausübt. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er nach so langer Zeit amtsmüde geworden ist. „Die Luft ist raus“, sagt er. Und gleichzeitig stellt Hergen Albers fest, dass es immer schwieriger wird, Ehrenamtliche zu finden, die für ein solches Amt natürlich auch Verpflichtungen eingehen müssen. Und das nicht zu knapp. Nach den Worten von Hergen Albers haben die Auflagen der Europäischen Datenschutzgrundverordnung die Arbeit erheblich erschwert.

Ein weiteres Problem im Schützenverein ist aus seiner Sicht, dass viele der rund 100 Mitglieder zwar gerne den Sport ausüben, aber darüber hinaus wenig Interesse am Vereinsleben haben. Spätestens bis Februar 2020 müssen die Abbehauser Schützen ihren Vorstand komplettieren. Sollte dies nicht gelingen, droht die Zwangsauflösung.

Sportschützen Nordenham: Mangel an Nachwuchs

Szenarien wie in Esenshamm und in Abbehausen zeichnen sich bei den Nordenhamer Sportschützen, dem rund 60 Mitglieder angehören, zwar nicht ab. Aber angesichts der Mitgliederentwicklung sieht die Zukunft bei den Schützen, die ihr Domizil an der Atenser Allee haben, auch nicht allzu rosig aus. „Es wird immer schwieriger, Nachwuchs zu finden“, sagt der Vorsitzende Rolf Hecken. Und deshalb befürchtet er langfristig eine Überalterung. Dabei tut der Verein einiges, um den Trend aufzuhalten. Die Schießsportwoche, das letzte Überbleibsel der einstigen Nordenhamer Woche, ist nach wie vor sehr beliebt. Aber die Hoffnung, mit dieser Aktion für alle Interessierten neue Mitglieder zu gewinnen, erfüllt sich nur selten.

Fazit

Gleich zwei Schützenvereine in Nordenham stehen auf der Kippe. Eine Auflösung wäre für die verbliebenen Mitglieder ein Schlag ins Kontor. Im Stadtnorden ist das bereits vor 13 Jahren passiert. Der Schützenverein Blexen hatte in seinen besten Zeiten rund 100 Mitglieder. Aber das ist lange her. 2006 wurde er aufgelöst, weil es ähnlich wie jetzt in Abbehausen Probleme gab, Vorstandsposten zu besetzen und weil immer weniger Mitglieder an den Veranstaltungen teilnahmen.

Lothar Falk und Hergen Albers bedauern diese Entwicklung. Sie sehen die Gefahr, dass ein Stück Kulturgut verloren geht.

Und vieles ist bereits verloren gegangen. Der Schützenball in der Nordenhamer Stadthalle Friedeburg war einmal ein gesellschaftliches Großereignis, wie Rolf Hecken mitteilt. Seit Ende der 80er-Jahre gibt es ihn nicht mehr. Und mit Wehmut blicken viele Abbehauser auf die 70er-Jahre zurück, als ihr Schützenfest noch eine dreitägige XXL-Dorfparty mit Umzug, Raupenbahn und Schießbuden unter freiem Himmel war. Inzwischen ist es zu einer vereinsinternen Grillparty geschrumpft.

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