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Tagespflege In Nordenham Kikis Kinderparadies am Ku’damm

Jens Milde

Nordenham - Bodie sitzt am liebsten auf dem Spielzeugtrecker. Und natürlich muss ein Anhänger hintendran. Am Dienstagnachmittag braucht er den mit dem Güllefass. Kirsten Koptein-Albers hilft dem Dreijährigen beim Ankoppeln. Und dann braust er los. Annika, ebenfalls drei Jahre alt, nimmt den anderen Trecker, den mit der Baggerschaufel. Owen ist noch zu klein dafür. Aber im Garten von Kirsten Koptein-Albers, die von den Kindern nur Kiki genannt wird, gibt’s noch viele andere Sachen zum Spielen. Das Trampolin zum Beispiel. Auf dem tobt sich Hanno aus. Für den achtjährigen Fußballer das ideale Torwarttraining.

Ein ganz normaler Nachmittag bei Kiki? Nicht ganz. Normalerweise ist auch noch Hauke da, Hannos elfjähriger Bruder. Aber der hat heute länger Schule. Kirsten Koptein-Albers ist Tagesmutter. Mehr als 100 Tagespflegekräfte gibt es im ganzen Landkreis. Wenn es um Kinderbetreuung geht, wird ihr Beitrag immer wichtiger.

Nachmittags betreut Kirsten Koptein-Albers in der Regel fünf Kinder im Alter von ein bis elf Jahren. Am Vormittag kümmert sie sich um zwei Kinder. Die sind beide 20 Monate alt. Ihr Arbeitstag ist auf die Minute durchgetaktet. Um 7.30 Uhr kommt Leonie. Sie bleibt bis 13.30 Uhr. Um 8 Uhr kommt Jelte. Er bleibt bis 11.30 Uhr. Um 12.45 Uhr ist Kirsten Koptein-Albers im Kindergarten St. Willehad in Nordenham, um Annika abzuholen. Anschließend fährt sie weiter zur Südschule. Dort steigt Hanno zu. Nächster Stopp ist am Gymnasium, wo Hauke einsteigt – wenn er keinen Nachmittagsunterricht hat. Dann wird gemeinsam Mittag gegessen. Um 13.45 Uhr kommen die beiden Brüder Bodie und Owen. Die haben schon gegessen. Hauke und Hanno machen nach dem Mittagessen ihre Schulaufgaben . . .

Organisationstalent

Organisationstalent ist gefragt, um diesen Arbeitstag zu meistern, vor allem dann, wenn irgendein unglücklicher Umstand den Zeitplan ins Wanken bringt. Umso erstaunlicher ist es, mit welcher Gelassenheit die 50-Jährige ihren Alltag managt. Sie hat den Anspruch, jedem Kind gerecht zu werden. Und das schafft sie auch – weil sie Erfahrung hat.

Kostenbeitrag hängt ab vom Jahreseinkommen

„Gut betreut in der Kindertagespflege“ ist das Motto einer deutschlandweiten Aktionswoche des Bundesverbandes für Kindertagespflege. Ziel ist es, der Tagespflege, die für die Kinderbetreuung auch in der Wesermarsch eine große Rolle spielt, mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

In der Wesermarsch gibt es zurzeit mehr als 100 Tagespflegekräfte, die etwa 220 Jungen und Mädchen betreuen. Das entspricht etwa 15 Krippengruppen.

Der Landkreis fördert als Träger der öffentlichen Jugendhilfe die Kindertagespflege für Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres. Die Vermittlung der Kindertagespflegekräfte überlässt der Landkreis den Familien- und Kinderservicebüros in den Kommunen. Eine Liste mit den Kontaktdaten der Büros finden Interessierte im Internet unter www.landkreis-wesermarsch.de. Dort findet sich auch die Satzung über die Förderung von Kindern in der Kindertagespflege.

Tagespflegekräfte schließen einen Vertrag mit den Eltern der Pflegekinder ab. Auf Antrag bekommen Eltern einen Großteil der Kosten erstattet. Der Kostenbeitrag der Eltern ist abhängig vom Jahreseinkommen. So bezahlen Familien mit einem Jahreseinkommen zwischen 16 001 und 20 000 Euro bei einer Betreuung im Haushalt der Tagespflegekraft 70 Cent pro Betreuungsstunde. Bei einem Jahreseinkommen ab 48 001 Euro liegt der Kostenbeitrag bei 1,90 Euro.

Seit 2007 ist Kirsten Koptein-Albers Tagesmutter. Auf Langeoog hatte sie in einer Mutter-Kind-Kureinrichtung gearbeitet. Nach der Trennung von ihrem damaligen Mann zog es sie zurück in die alte Heimat. Inzwischen lebt sie mit ihrem neuen Mann am Kurfürstendamm in Sarve. Viel ländlicher geht’s nicht.

In der Zeitung hatte Kirsten Koptein-Albers davon erfahren, dass in Nordenham Tagespflegekräfte gesucht werden. „Ich wollte gerne wieder arbeiten, aber am liebsten zu Hause“, erinnert sich die 50-Jährige. „Außerdem habe ich schon immer gerne mit Kindern gearbeitet.“ Um als Tagesmutter eingesetzt zu werden, musste sie eine Fortbildung absolvieren – insgesamt 160 Stunden. Erik hieß das erste Kind, das sie betreute. Damals war Erik sieben Monate alt. Elf Jahre ist er bei Kiki geblieben. Seine beiden Geschwister kamen später dazu. „Meistens bleiben die Kinder für zwei Jahre“, erzählt die 50-Jährige. Aber es gibt Ausnahmen.

Spielkameraden im Haus

Kirsten Koptein-Albers ist selbst Mutter von zwei Kindern. „Die hatten immer Spielkameraden im Haus. Und das hat immer prima geklappt.“ Zumindest bis zur Pubertät. Dann sind sie gerne auch ihre eigenen Wege gegangen.

Die Kinder haben bei Kiki alles, was sie brauchen – und noch ein bisschen mehr. Zwei Katzen streunen ums Haus herum. Auf einem Acker wachsen Kartoffeln und Erdbeeren. Annika würde gerne schon ein bisschen ernten. „Dafür ist es noch zu früh“, ruft ihr Kiki zu. Besonders spannend finden die Kinder den Stall. Zehn Hühner haben hier ihr Zuhause. Gerade ist ein Küken zur Welt gekommen. Natur pur auf dem Grundstück, das umgeben ist von grüner Wiese.

Die Kinder sind am liebsten draußen. Manchmal fährt die Tagesmutter mit ihnen zum Strand oder zu einem Spielplatz. Ihr Auto ist ein Siebensitzer. Aber auch für schlechtes Wetter ist Kirsten Koptein-Albers gerüstet. Die Kinder haben ein eigenes Spielzimmer. „Sie lieben es, wenn wir gemeinsam backen oder basteln. Und sie sind ganz versessen darauf, Geschichten zu hören.“ Das Regal mit den Kinderbüchern ist prall gefüllt.

Die Eingewöhnung in der neuen Umgebung fällt den Neulingen nicht immer leicht. „Da fließen anfangs auch schon mal ein paar Tränen“, berichtet Kirsten Koptein-Albers. Aber bisher ist die Eingewöhnung immer recht schnell gegangen.

Großen Spaß am Job

Natürlich weiß die 50-Jährige nach ihrem Arbeitstag, was sie getan hat. Aber sie hat großen Spaß an ihrem Job als Tagesmutter. „Es ist einfach toll, zu sehen, wie sich die Kinder entwickeln, wie sie langsam laufen und sprechen lernen.“ Ans Aufhören denkt sie nicht. „Ich bin mir aber auch nicht sicher, ob ich das bis zu meiner Rente machen kann.“

Pro Kind und pro Stunde verdient die Nordenhamerin 4,80 Euro. Mehr als fünf Kinder darf Kirsten Koptein-Albers nicht betreuen. „Das möchte ich auch gar nicht. Schließlich will ich jedem einzelnen Kind gerecht werden.“ Mit dem Geld bestreitet sie ihren Lebensunterhalt. Als Selbstständige muss sie sich um die Kranken- und die Pflegeversicherung selbst kümmern. Der Landkreis gibt die Hälfte dazu. 

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