Wie und wann sind Sie zu dieser Aufgabe gekommen?

Gisela SandstedeIch bin als Integrationslotsin tätig. Nachdem ich im Sommer 2013 nach fast 40 Jahren im Schuldienst ausgeschieden war, fragte mich im Herbst ein Freund, ob ich bereit sei für eine neue Aufgabe, und verwies auf den ersten Integrationslotsenkursus, den die Stadt Schortens durchführen wolle. Da ich Zeit meines Lebens immer gern mit Menschen gearbeitet habe, fand ich die Idee interessant, ohne eine genaue Vorstellung von den Aufgaben zu haben. Den Lotsenkurs durchliefen wir dann mit zwölf weiteren Mitstreitern von November 2013 bis Februar 2014. Es entstand eine nette Gemeinschaft, die sich wöchentlich einmal traf und Lust auf mehr machte. In Zeiten des großen Zustroms von Flüchtlingen erkannten wir, dass unsere Möglichkeiten im lockeren Verbund doch sehr begrenzt waren, so dass wir mit den Absolventen weiterer Lotsenkurse in Schortens einen Verein gründeten – die Integrationslotsengemeinschaft Schortens (ILGS). Zeitgleich verabschiedeten wir mit der Stadt Schortens ein Integrationskonzept, so dass wir bis heute in sehr guter Zusammenarbeit mit der Stadt unsere ehrenamtliche Arbeit durchführen können.

Was motiviert Sie?

SandstedeMich motiviert die Überlegung, dass ich ein ungeheures Glück gehabt habe, in diesem Land nach dem Krieg geboren worden zu sein, gute Ausbildungsmöglichkeiten genossen habe, zu keiner Zeit Not leiden musste und somit ein gutes Leben hatte und habe. Davon möchte ich etwas zurückgeben, und zwar

denjenigen, die dieses Glück nicht erfahren haben.

Sind Sie auch noch in weiteren Bereichen engagiert?

Sandstede Nein. weitere Ehrenämter gibt es nicht, da ich als Vorsitzende der Integrationslotsengemeinschaft sehr viel Zeit für diese Aufgabe aufwende.

Wie viel Zeit bringen Sie auf?

Sandstede Die Zeit zu beziffern ist schwierig, da ich mir keine Notizen mache. Regelmäßig bin ich dienstags zwei Stunden im Integrationscafé. Einmal im Monat treffen wir uns für etwa zwei Stunden mit den Vorstandsmitgliedern sowie ebenfalls einmal im Monat mit allen, die als Integrationslotsen tätig sind. Dazu kommt die Korrespondenz mit allen möglichen Institutionen und Ämtern, Treffen mit amtlichen Stellen, Gespräche mit dem Bürgermeister, mit Vertretern der Stadtverwaltung und des Stadtrats, Wahrnehmung von Einladungen, wo ich über unsere Arbeit berichten kann und vieles mehr. In Einzelfällen kommt immer auch die Unterstützung von Geflüchteten in schwierigen Situationen dazu. Das alles kann ich aber nur leisten, weil ich eine wunderbare Gruppe von Mitstreitern um mich habe, die mit unheimlich viel Elan und Engagement dabei sind und mir den nötigen Rückhalt geben.

Was wünschen Sie sich, was müsste besser werden?

SandstedeIch habe den Eindruck gewonnen, dass diese ehrenamtliche Tätigkeit in Schortens einfacher ist als in anderen Kommunen. Wir bekommen viel Unterstützung und Anerkennung aus der Bevölkerung. Gleichzeitig erfahren wir aber auch, dass die Integration bis heute eine noch nicht gelöste Aufgabe ist, weil die Politik die Weichen nicht so stellt, dass wir schnell vorankommen. Für die Geflüchteten sind Familienzusammenführung, Ausbildung und Arbeit nach wie vor Themen, die häufig Frust und manchmal auch Depressionen herbeiführen.

Oliver Braun
Oliver Braun Redaktion Jever