Oldenburg - Betritt man bei Familie Barelmann das Wohnzimmer, fällt der Blick sofort auf einen riesig ausgebreiteten Stammbaum. Fast der gesamte Wohnzimmertisch wird von ihm bedeckt. Kleine Notizzettel weisen darauf hin, dass hier versucht wird, etwas zusammenzufügen, was lange im Verborgenen blieb: Die Familie hat Verwandte in den USA.

Als Anfang Juni bei NWZ-Leser Klaus Barelmann das Telefon klingelt, hat noch keiner damit gerechnet, dass sich zwei Monate später Besuch aus Übersee ankündigt. „Zuerst dachte ich, dass der Anruf nicht ernst gemeint war“, berichtet der 66-Jährige. „Doch dann dachte ich mir, ich höre mir einfach mal an, worum es geht“, erzählt er weiter. Am Telefon erfährt er, dass Ann Barelman Ross nach gemeinsamen Verwandten suche.

Sofort beginnt Klaus Barelmann mit Nachforschungen in der Familienchronik. Er findet heraus, dass tatsächlich ein Vorfahre der beiden 1728 in Wardenburg geboren wurde. So stieg die Neugier auf die amerikanischen Verwandten, zwei Monate später kommt es zu einem persönlichen Kennenlernen.

Für Ross sei es ein Lebenstraum gewesen, nach Oldenburg zu reisen und sich auf den Spuren ihrer Herkunft zu bewegen. Eigentlich wollte sie die Reise mit ihrem Vater antreten. Doch dazu sollte es nach seinem frühen Tod nicht kommen. Umso glücklicher sei sie, dass dieser Traum vergangenen Samstag endlich in Erfüllung ging.

Mit ihrem Mann und ihrem ehemaligen deutschen Au-Pair, Heike Klukas-Klein, machte sich die 71-Jährige auf den weiten Weg von Kansas nach Oldenburg. „Ich wollte der Familie gerne etwas Familiengesichte zeigen“, sagt Barelmann. Also ging es für die Truppe zur Wardenburger Kirche. Hier konnten sie ein Kirchenfenster bestaunen, das 1933 von einem Vorfahren gestiftet wurde. Aber auch ein Besuch des Schlosses und der Lambertikirche durften nicht fehlen. In der Kirche sei Ross aus dem Stauen gar nicht mehr herausgekommen, als sie das lichtdurchflutete Kreuz an der Decke des Gemäuers entdeckt hatte.

Kulinarisch wurde der Besuch natürlich nach Oldenburger Tradition verköstigt. Rouladen und Rotkohl machten das Mittagessen im „Bümmersteder Krug“ zu einem persönlichen Highlight für Ross. Seit Kindertagen sei Rotkohl eine ihrer Leibspeisen. Leider habe sie es nie geschafft, ihn so zu kochen, wie man ihn aus Deutschland kennt. So konnte sie es sich nicht verkneifen, auch den letzten Rest aus der Schüssel zu verputzen.

Heute freut sich Barelmann, dass er nicht einfach aufgelegt hat als der ungewöhnliche Anruf kam. „Es war, als würden wir uns schon immer kennen“, berichtet seine Frau, Anke Arlick.

Eines ist nach diesem Tag sicher: Das nächste Familientreffen wird nicht wieder sechs Generationen dauern. Barelmann plant eine Reise mit seinem Sohn zu seinen Verwandten in die USA.

Christin Hufer
Christin Hufer Redaktion Wildeshausen