Oldenburg - Droht ein Stromausfall, weil plötzlich alle Mitarbeiter bei den Energieversorgern ausfallen? Bricht das Internet zusammen, weil viel zu viele Leute aufgrund von Schulausfall und Home-Office Netflix anwerfen? Ausnahmesituationen wie die Coronavirus-Lage stellen die Anbieter von sogenannter kritischer Infrastruktur vor Herausforderungen. Doch die EWE, die in der Region viele Menschen mit Energie und Telekommunikation versorgt, beruhigt: „Wir sind vorbereitet“, betont Christian Bartsch, einer der Sprecher des Unternehmens.

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Online-Redaktion
Im Nordwesten

„Als Betreiber kritischer Infrastrukturen trifft EWE konsequente Entscheidungen zum Schutz seiner Beschäftigten sowie zur Sicherung der Versorgung der Menschen mit Energie, Telekommunikation und Wasser“, heißt es. Aber was bedeutet das genau?

Verfügt die EWE über Notfallpläne?

Ja, bereits seit Ende Februar tage der Konzernkrisenstab täglich. Schrittweise, immer der aktuellen Situation angepasst, treffe die EWE AG weitere Maßnahmen, die vor allem die Mitarbeiter, aber auch die Kunden schützen sollen. Darüber hinaus leistet EWE mit den Maßnahmen zur Risikovorsorge einen aktiven gesamtgesellschaftlichen Beitrag, um die Verbreitung des Virus möglichst stark abzubremsen und die staatlichen Gesundheitssysteme vor einer Überlastung zu bewahren.

Laufen die Systeme automatisch?

Die sogenannte Netzleitstelle, von der aus die Energieversorgung gesteuert wird, läuft nur zum Teil automatisch. Auch eine Steuerung per Home-Office sei nicht möglich. „Die Netzleitstelle muss daher immer besetzt sein und ist somit besonders im Augenmerk unserer Risikovorsorge“, erklärt Bartsch. Allerdings gebe es auch hier Pläne für den Fall der Fälle: „Es gibt eine zweite Netzleitstelle an einem anderen Standort, die bei Bedarf aktiviert werden kann. So ist es beispielsweise möglich, getrennte Schichten zu fahren, die sich nicht begegnen.“

Gilt dies auch bei der Telekommunikation?

Hier heißt die „Leitstelle“ Network-Operations-Center (NOC). Von dort aus werden die größtenteils automatisch laufenden Anlagen überwacht. Und das sehr ortsunabhängig. „Das NOC kann bei Bedarf sehr kurzfristig örtlich verlagert werden“, sagt Bartsch.

Seit Ende Februar hat der Konzernkrisenstab der EWE AG die fortschreitende Gefährdungslage täglich bewertet und schrittweise Maßnahmen veranlasst, darunter die intensive Nutzung von mobiler Arbeit (Home-Office), die Absage jeglicher Veranstaltungen bis Ende der Osterferien (darunter Zukunftstag, Jugend forscht, Helene-Lange-Preis und Veranstaltungen in den Shops) und die Reduzierung von physischen Meetings auf ein absolutes Minimum.

Muss mit Energieknappheit gerechnet werden?

„Nein“, so die knappe, aber deutliche Antwort. „Ziel aller Maßnahmen zur Risikovorsorge sowie unserer Pandemiepläne ist es, dass die sichere Versorgung der Menschen jederzeit aufrecht erhalten bleibt.“ Auch mit einer plötzlichen Überlastung der Netze, weil mehr Menschen zuhause sind, müsse nicht gerechnet werden. „Diese Situation gibt es im Jahresverlauf ohnehin öfter“, sagt Bartsch und meint damit zum Beispiel Feiertage.

Gibt es Schulungen in Hygienemaßnahmen?

Im Außendienst und in den EWE-Shops gibt es viel Kundenkontakt. Daher informierte der Konzern schon zu Beginn der regulären Grippesaison „und seither mehrmals über die nötigen Hygieneregeln“.

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Auch auf die Begrüßung per Handschlag werde schon länger verzichtet. „Darüber hinaus haben wir Mitarbeiter angewiesen, mit Erkältungssymptomen präventiv zu Hause zu bleiben.“

Rechnet die EWE AG mit Personalknappheit?

Aktuell sei dies nicht der Fall. Auch gebe es keine Pläne, beispielsweise Mitarbeiter aus dem Ruhestand vorübergehend in das aktive Berufsleben zurückzuholen. Eine Urlaubssperre sei ebenfalls noch nicht verhängt worden. Allerdings „sind Krisenstäbe und Präventivteams im Einsatz“.

Bleiben die EWE-Shops geöffnet?

Nein. Ab diesem Montag, 16. März, werden alle 48 Kundencenter im Versorgungsgebiet der EWE und des Versorgers Osnatel vorsorglich geschlossen. Das betrifft auch den Shop in Oldenburg. Dies wurde am Samstag beschlossen. Das betrifft auch den Direktvertrieb vor Ort. „Der Kundenservice bleibt weiterhin telefonisch und per Mail erreichbar“, betont Christian Blömer, Leiter der Konzernkommunikation. Ebenso könnten Produktbestellungen, Tarifänderungen und viele weitere Services wie gewohnt online (www.ewe.de) erledigt werden.

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Die Schließung sorgt auch dafür, dass angekündigte Veranstaltungen wie Vorträge und Lesungen ebenfalls in den kommenden Wochen nicht stattfinden. „Die Energie- und Telekommunikationsversorgung sind uneingeschränkt gewährleistet“, betont Blömer.