Oldenburg - Wie viel Freiheit sollen Familien bei der Wahl der Grundschule haben? Bei dieser Frage sind in der jüngsten Ratssitzung fundamental unterschiedliche Standpunkte aufeinandergeprallt.
SPD, Grüne und Linke lehnen eine Entscheidungsfreiheit für Familien ab. Nicole Piechotta (SPD) forderte eine „gute Durchmischung“ von Kindern unterschiedlicher Herkunft. Andrea Hufeland (Grüne) warnte vor Eliteschulen, die entstünden, wenn Eltern bestimmten Grundschulen den Vorzug geben können. Manfred Klöpper (Linke) nannte verbindliche Schulbezirke eine Voraussetzungen für den Schulfrieden.
Esther Niewerth-Baumann (MdL, CDU) dagegen findet „etwas mehr Wettbewerb unter Grundschulen grundsätzlich sinnvoll“. Schulen hätten die Möglichkeit, mehr Profil zu entwickeln, zum Beispiel bei der Nachmittagsbetreuung, beim Sport oder Digital-Angeboten. Die Sorge, bestimmte Standorte könnten Brennpunktschulen werden, teilt die CDU-Politikerin nicht. Es gebe zum Beispiel Schulen mit einem besonders hohen Anteil von Migranten-Kindern, die einen ausgezeichneten Ruf hätten.
Zügigkeit festgelegt
Gegen die Stimmen der CDU legte der Rat in seiner jüngsten Sitzung fest, wie viele Züge jede Oldenburger Grundschule hat. Abweichungen von den festgelegten Zügigkeiten werden künftig möglichst durch Anpassungen der Schulbezirke ausgeglichen. Nur wenn die Schulbezirksgrenzen ausgereizt sind, soll die Zügigkeit der Schule geändert werden. Aus Sicht von Dezernentin Dagmar Sachse steigt durch die verlässlichen Schülerzahlen die Planbarkeit.
Bisher seien lediglich für neue Ganztagsgrundschulen Zügigkeiten festgelegt worden, erläutert die Verwaltung. Dadurch würden „Kapazitätsgrenzen für die Aufnahme schulbezirksfremder Kinder“ definiert. Die Festlegung der Zügigkeit durch den Ratsbeschluss sichere dieses Verfahren nun allen Schulen zu.
„Wer will, der trickst eh’“
Esther Niewerth-Baumann schätzt, dass ohnehin die meisten Eltern ihre Kinder in der Grundschule in der Nähe anmelden. „Und wer partout in eine andere Schule will, bekommt das meist durch Tricksereien auch hin.“ Bekannt seien Fälle, wo Eltern vorgeben, getrennt zu leben, um einen Wohnort im gewünschten Bezirk zu nehmen. Auch durch Angaben zur Tagesmutter oder dem Berufsort würden manche Eltern die Schulwahl manipulieren. Einige Grundschulen machten „das Spiel mit“, weil sie gern mehr Kinder aufnehmen. „Das ist so, deshalb finden wir Schulbezirke nicht gut.“
Nicole Piechotta betont: „In der Bildung darf es keinen Wettbewerb geben. Das ist der Knackpunkt, wo wir uns von der CDU unterscheiden.“
