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Folgen Der Insolvenz Oldenburger leiden unter der Thomas-Cook-Pleite

Oldenburg - Quasi auf den gepackten Koffer sitzt Lisa Gabriel mit ihrer Tochter Zoe und Nachbarin Julia Kleen. Das Reiseziel – die Kapverdische Insel Sal im Westen von Afrika. Ob aus dieser Reise noch etwas wird, steht am Dienstagabend jedoch noch in den Sternen – obwohl sie alle Rechnungen bezahlt haben.

Am Montag meldete der britische Reiseveranstalter Thomas Cook Insolvenz an. Das Ergebnis waren Flugpassagiere, die nicht mehr befördert wurden und Hotelgäste, die ihre Zimmer, die sie über den Reiseveranstalter bereits bezahlt hatten, im Hotel erneut zahlen oder anders unterkommen mussten.

Hotel ist nicht bezahlt

Genau das ist es auch, was Lisa Gabriel aus Oldenburg passiert ist. Noch während sie der NWZ von ihren Erfahrungen der vergangenen beiden Tage berichtet, erhält sie die Nachricht ihres Hotels, dass die gebuchten Zimmer vom Reiseanbieter Bucher Reisen, eine Tochter des Thomas-Cook-Unternehmens, nicht bezahlt sind. „Wir haben das Angebot, dass die Reservierung bestehen bleibt, wenn wir die Zimmer vor Ort zahlen“, liest die 34-Jährige aus der Benachrichtigung des Hotels vor. Für sie eine bittere Nachricht, denn eigentlich haben die sechs Urlauber (Lisa Gabriel mit Mann und Tochter sowie eine Freundin mit zwei Kindern) ja schon bezahlt – für die Gesamtreise etwa 4700 Euro. 2200 Euro entfallen davon auf das Hotel.

„Ich weiß noch nicht genau, was wir machen“, sagt Gabriel. Vor allem weil noch nicht klar sei, wie es um die Flüge bestellt ist. „Ich habe bei der Airline angerufen und nachgefragt. Da gab es erstmal eine Bestätigung, allerdings nur mündlich.“ Eine schriftliche Bestätigung habe man ihr nicht ausstellen wollen. „Auf die warte ich im Moment noch.“ Ob die Gruppe um Lisa Gabriel die Reise noch antreten wird hängt wohl auch davon ab, ob sie nur das Hotel oder die Gesamtkosten der Reise erneut zahlen müsste.

Eine besondere Tragik trifft die Reisegruppe, weil sie auf der Insel im Atlantischen Ozean eigentlich einen doppelten Geburtstag feiern wollte. „Mein Mann und meine Nachbarin werden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen beide 40 Jahre alt. Das war auch der eigentliche Anlass für die Reise“, sagt Gabriel, die trotz aller Umstände die Ruhe bewahrt.

„Es bringt mir nichts, jetzt auf irgendwen sauer zu sein. Vor allem nicht auf die Leute im Reisebüro. Die waren sehr freundlich, konnten mir bisher aber leider auch noch nichts Konkretes sagen“, berichtet sie weiter.

Anbieter nicht erreichbar

Von der Thomas-Cook-Pleite betroffen sind auch Dennis Sagorowski aus Meppen und seine Freundin Franziska, die in Oldenburg lebt. Jeweils 800 Euro sind der Verlust, den die beiden zu beklagen haben. Denn so teuer war der Urlaub in die Türkei, den sie über den Reiseanbieter Neckermann, ebenfalls ein Tochterunternehmen des insolventen Reiseanbieters Thomas Cook, gebucht haben.

Ärgert sich: Dennis Sagorowski

Ärgert sich: Dennis Sagorowski

„Die Nachricht war für uns ein richtiger Schock“, erinnert sich Sagorowski im Gespräch mit der NWZ. Seine Freundin und er hätten sich extra Teilzeitjobs besorgt, um das Geld für die Reise zusammenzubekommen. Statt der Vorfreude auf den Urlaub im Oktober haben die beiden jetzt eine ungewisse Zeit vor sich, denn sie wissen noch nicht, wie es weitergeht.

„Die Hotline des Anbieters ist nicht erreichbar und auch das Reisebüro, in dem wir den Urlaub gebucht haben, kann uns keine genauen Auskünfte geben“, berichtet der 18-Jährige. Er ist sich sicher, dass die Reise, die das Paar Anfang des Monats bezahlt hat, geplatzt ist. Ob er sein Geld wiederbekommen wird, weiß er nicht. „Was mich am meisten an der ganzen Sache ärgert ist, dass der Anbieter telefonisch nicht mehr erreichbar ist. Es gibt keine Reaktion und auch kein Statement für die Kunden. Ich bin richtig wütend.“

Wolfgang Alexander Meyer
Wolfgang Alexander Meyer Redaktion Oldenburg
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