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NWZonline.de Plus

Was die Fahrradstadt Oldenburg alles nicht hat

25.07.2018

Oldenburg /Frankfurt A. Main Oldenburg nennt sich Fahrradstadt – und weist tatsächlich einen hohen Anteil von Fahrradfahrern im Gesamtverkehr auf. Doch gemessen an den Bedürfnissen dieser Verkehrsteilnehmer und an dem, was andere Städte für Radfahrer tun, fällt Oldenburg zurück. Nicht nur die Radwegeinfrastruktur lässt zu wünschen übrig, wie die zahlreichen Beschwerden in einer aktuellen Artikelserie der NWZ belegen. Auch echte Leuchtturm-Projekte sucht man im Stadtgebiet vergebens.

Infos zur Ausstellung

Die Ausstellung „Fahr Rad! – Die Rückeroberung der Stadt“ ist bis Sonntag, 2. September, im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt/Main zu sehen. Geöffnet dienstags, donnerstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr, mittwochs 11 bis 20 Uhr, montags geschlossen.

Eintritt neun Euro, ermäßigt 4,50 Euro, bis 18 Jahre frei. Führungen samstags/sonntags 14 Uhr. Katalog 49,90 Euro im Buchhandel, 34,90 Euro im Museum.

Mehr Infos unter:

Mehr Infos unter:www.dam-online.de

Eine Bestandsaufnahme moderner Konzepte für den Verkehrsträger Fahrrad bietet eine aktuelle Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main. Unter dem Titel „Fahr Rad!“ präsentiert die Schau beispielhafte Radverkehrsprojekte in Kopenhagen, Groningen, New York, Oslo, Barcelona und Portland (USA). Deutschland ist mit dem Ruhrschnellweg und dem Verkehrskonzept von Karlsruhe vertreten.

Eine Übersicht über zwei Dutzend weitere Projekte weltweit rundet die Ausstellung ab. Oldenburg ist weder in der Einzelpräsentation noch in der Übersicht vertreten. Eine Einschätzung der Situation für Radfahrer in Oldenburg durch die Kuratoren der Ausstellung war auf Nachfrage nicht möglich.

Kann Oldenburg die Vorzeige-Projekte anderer Städte nicht kopieren? Nein. Die Erläuterungen zur Ausstellung weisen darauf hin, dass keines der Projekte einfach übertragbar ist. Zu verschieden sind bauliche Rahmenbedingungen, die bestehende Radinfrastruktur, die Zahl der Radfahrer und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Ausstellung gibt aber Impulse für Lösungen.

Parken in Fahrradhotels in Norwegen

Lillestrøm (Norwegen) hat 2016 das Fahrradparkhaus Sykkelhotell eröffnet. Auf 500 Quadratmetern ist Platz für 394 Fahrräder. Das „Fahrradhotel“ ist so gestaltet, dass die Architektur den Stellenwert des Rades widerspiegeln. In zehn Städten Norwegens gibt es bereits solche „Hotels“, weitere sind in Bau.

Bild: Ibrahim Elhayawan

Der geschlossene „Tresor“ für Fahrräder ist rund um die Uhr verschlossen. Nutzer können ihn für umgerechnet rund fünf Euro à 30 Tage über ihr Handy entsperren.

Fahrradpavillons in Mainz

In Mainz baut die Mainzer Verkehrsgesellschaft Fahrradpavillons für private Räder. Die sieben Quadratmeter großen Pavillons bieten über ein Karussellsystem Platz für zwölf Räder; es schützt vor Rost, Beschädigung und Diebstahl.

Bild: Schoyerer

Der 2015 aufgestellte Pavillon wurde im Werk zusammengesetzt und als Fertigteil angeliefert.

Brücke in Sao Paolo

Bild: Archiv

In São Paulo verbindet eine 90 Meter lange Fuß- und Radbrücke die beiden Seiten des Canal da Represa Guarapiranga. Um die Schifffahrt auf dem Kanal ohne kostspieliges Bauwerk sicherzustellen, wurde die Konstruktion als Hubbrücke in drei Meter Höhe über dem Fluss installiert.

In der Mitte kann das Bauwerk („Friedrich-Bayer-Brücke“) geöffnet werden. Von zwei kreisförmigen Metallinseln (Durchmesser 18 Meter), die auf Beton-Caissons ruhen, lässt sich die Aussicht genießen.

Brücke verbindet Stadtteile in Utrecht

Bild: van der Wee

Die Stadt Utrecht baut bis Ende des Jahres am Bahnhof das größte Fahrradparkhaus der Welt. Es bietet Platz für 13 500 Räder. Damit toppen die Niederländer den bisherigen Rekordhalter an der U-Bahn-Haltestelle Kasai in Tokio mit 10 000 Stellplätzen.

In diesem Zug entsteht die 312 Meter lange Moreelsebrug, die den gleichnamigen Park und die Altstadt im Westen mit dem wachsenden Stadtteil und dem neuen Geschäftsviertel im Osten verbindet. Die ausschließlich für Fußgänger und Radfahrer konzipierte zehn Meter breite Brücke überspannt die Schienen; zusätzlich zu den Markierungen trennen 15 Meter große Eichen die Fahrtrichtungen.

Platz in Kopenhagen neu geplant

Bild: Mortensen

Die Nørreport Station in Kopenhagen ist der am stärksten ausgelastete Bahnhof Dänemarks. Bei der Neugestaltung 2015 hatten die Planer vor allem Radfahrer und Fußgänger im Blick. Es entstanden helle, mit Gras und Solarzellen bedeckte Pavillons. Seit der Neugestaltung fließt der Verkehr nur an einer Seite des Bahnhofplatzes vorbei.

Die freie Passage wurde unter anderem für „Fahrradbetten“ genutzt. Das Bodenniveau dieser Rad-Stellplätze wurde um 40 Zentimeter abgesenkt. So erhalten die Fahrräder Platz, ohne störend ins Auge zu fallen. Eigens entworfene Fahrradständer ordnen die Fahrräder und halten die Radfahrer davon ab, die Grenzen dieser Abstellflächen zu überschreiten. Jeder der 2500 Radstellplätze ist mit LED-Lampen beleuchtet, die abends für ein schimmerndes Lichtermeer sorgen.

Pro

Träumen ist erlaubt

Christoph Kiefer

Genügsamkeit ist eine Tugend – aber manchmal darf man sich auch Appetit holen und träumen. In Bezug auf Radwege ist die Ausstellung im Architekturmuseum Frankfurt ein solcher Appetitmacher. Die Projekte geben eine Vorstellung nicht nur von dem, was theoretisch möglich ist, sondern was es in anderen Städten schon gibt.

Sicher ist nicht alles Gold, was auf geduldigem Katalogpapier glänzt. Und das, was sich Kopenhagen mit mehr als einer halben Millionen Einwohner leistet, muss nicht auch in Oldenburg funktionieren.

Doch vor Problemen wie fehlenden Stellplätzen und langsamen Radwegen steht auch Oldenburg. Wäre nicht auch hier Bedarf für ein modernes Rad-Parkhaus? Und warum können andere Länder Radbrücken über Schifffahrtsstraßen bauen? Die Hafen-Südseite und Teile von Osternburg schreien danach. Und ist das, was für Rad-Mobilität auf dem Fliegerhorst entwickelt wird, der Weisheit letzter Schluss? Wäre hier nicht mal Gelegenheit für einen größeren Wurf? Zum Beispiel einen Radschnellweg in die Innenstadt? Einer Radstadt wie Oldenburg stünde ein wirkliches innovatives Projekt, ein Leuchtturm, gut an. Besonders in Urlaubszeiten sind solche Träume erlaubt.

Contra

Erst Pflicht, dann Kür

Japser Rittner

Ideen, was man alles an tollen Fahrradprojekten in Oldenburg machen könnte, gibt es reichlich. Und es macht auch nicht dümmer, sich interessante Konzepte anderer Städte anzusehen. Das Oldenburger Fahrrad-Problem liegt aber ganz woanders. Statt irgendwelcher Prestige-Objekte brauchen wir erstmal vernünftige Radwege.

Die Ausreden aus dem Rathaus, warum die Nadorster oder die Bremer Heerstraße so aussehen, wie sie aussehen, kann ich nicht mehr hören. Gerade mal 650 000 Euro stehen in diesem Jahr für das Rad- und Fußwegeprogramm zur Verfügung. 2011 waren es sogar nur 270 000 Euro. Mal zum Vergleich: der Umbau des Stadtmuseums soll 14 Millionen Euro kosten.

Das zeigt doch ganz klar, wo die Prioritäten nicht liegen – bei den Radwegen. Deshalb sollte Oldenburg auch nicht ständig so tun, man sei eine Fahrradstadt. Zwar gibt es im Baudezernat fünf (!) Mitarbeiter im „Team Rad“. Doch was tun die eigentlich, damit die Verkehrsflächen besser werden.

Bevor wir uns Gedanken über hochfliegende Radprojekte machen, muss erstmal die Pflicht ordentlich erfüllt werden. Und muss die Verwaltung erst ein Konzept vorlegen – und dann der Rat das Geld bereitstellen.

Den Autor erreichen Sie unter
Christoph Kiefer
Redaktionsleitung
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2101

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