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Gründerszene Im Nordwesten iEmergency – Mit 700 Euro ins Smartphone-Glück

Inga Wolter

Oldenburg - Schwups, da ist es passiert: Übermütig springt der Kollege im Urlaub in den Hotel-Whirlpool. Wie schön warm und sprudelig das ist! Im nächsten Moment könnte er schon wieder eine Abkühlung gebrauchen: Siedend heiß fällt dem Kollegen ein, dass sein Handy noch in seiner Badeshorts-Tasche steckt und jetzt mit ihm im Wasser herumpaddelt.

So oder so ähnlich passiert es vielen Smartphone-Besitzern. Der Klassiker, den laut Experten vor allem Frauen magisch anziehen: Smartphone in die Gesäßtasche gesteckt, auf der Toilette die Hose heruntergezogen und das Telefon in der Kloschüssel versenkt. Einige dieser Unfall-Handys landen in der Oldenburger Smartphone-Klinik iEmergency.

Die Klinik gibt es bereits seit 2012. Manuel Sandstede und seine Mitarbeiter haben seitdem Tausende Smartphones repariert, viele Handybesitzer wieder glücklich gemacht, einige enttäuscht. Sich durchgebissen, neue Techniken gelernt.

Jetzt ist es an der Zeit, anderen Gründern ein paar Tipps mit auf den Weg zu geben, findet Manuel Sandstede. Das ist ihm wichtig, das wird im Gespräch klar. „Es hatte zwar auch Vorteile, sich allein durchzubeißen, aber einfach war es nicht.“

Als sie damals mit 700 Euro starteten, wussten sie vieles nicht. Er und sein damaliger Geschäftspartner gründeten eine Gbr, ohne „vernünftigen Businessplan“. „Lasst lieber die Finger von einem Gbr-Vertrag“, sagt Manuel heute. Denn wenn sich die Wege der Geschäftspartner trennen, steht meistens jedem die Hälfte des Unternehmens zu. Bei iEmergency kam es so. Auch einen Businessplan würde Manuel erstellen, wenn er heute noch einmal von vorne anfangen würde.

Es war ein Risiko, den vorherigen Job zu kündigen. „Ich hatte Angst, dass unsere Smartphone-Klinik nicht angenommen wird, dass schlichtweg keiner kommt.“ Manuel fragte sich schon, was er machen würde, wenn kein Geld hereinkommen würde. Der einzige Vorteil: „Da wir keinen Kredit aufgenommen hatten, hatten wir nichts zu verlieren.“

Immer wieder kamen neue Überraschungen auf die jungen Gründer zu: Sie mussten Nachzahlungen leisten, weil sie nicht alle Steuern bei der Kalkulation beachtet hatten. „Dann verlangte die IHK Geld von uns, obwohl wir keinen Auszubildenden hatten“, erinnert sich Manuel. Erst nach einiger Zeit wussten sie, mit welchen Einnahmen und Ausgaben sie rechnen mussten. Auch mit der Werbung - ein wichtiger Punkt für viele Gründer - sammelten sie erst mit der Zeit Erfahrung.

„Am Anfang steckten wir viel Geld in die Werbung, zum Beispiel an Fahrradständern“, erinnert sich Manuel. Viel effektiver sei Facebook- und Buswerbung. Facebook, weil es nicht viel kostet und die Zielgruppe direkt anspricht. Bus-Werbung, weil sie jeden Tag neue Leute anspricht und so viele erreicht.

Manuel Sandstede beißt sich durch. Und zieht in die Innenstadt.

Zwei Monate machte iEmergency keinen Gewinn. Von den ersten Einnahmen kauften die Gründer neue Ersatzteile ein. Zunächst boten sie Reparaturen nur für iPhones an, später auch für Smartphones anderer Marken. Das technische Know-how eigneten sich die Gründer selbst an. „Nach und nach lernten wir immer mehr Geräte kennen und verstanden, wie sie funktionieren.“ Zweimal hätten sie am Anfang ein Smartphone ersetzen müssen, weil es bei Reparaturversuchen kaputtging. „Manche Geräte kann man nicht mehr reparieren“, sagt Manuel. „Oft ist die Platine defekt. Das ist wie ein Motorschaden beim Auto.“ Auch geht es darum, die Daten auf dem Smartphone zu retten.

„Ich zahle mir nur das aus, was ich zum Leben brauche“, sagt Manuel. Es ging voran. Drei Jahre lang machte er keinen Urlaub, nahm sich keinen einzigen freien Tag. Bis der Akku leer war. „Wenn ich mich noch einmal selbstständig machen würde, würde ich Zeit für mich einplanen“, sagt Manuel. Im vergangenen Oktober stellte er eine Vollzeitkraft ein. In Zukunft möchte er sich gerne einen weiteren Mitarbeiter suchen, auch für die Buchhaltung. Um die kümmert er sich zurzeit nach Feierabend.

„Eine zweite Filiale wäre auch toll“, sagt Manuel. „Davon träume ich schon seit zwei Jahren, hatte aber keine Zeit, mich darum zu kümmern.“ Immer wieder überlegte er, einen Laden in der Innenstadt zu eröffnen. Er war sich aber nicht sicher, ob sich die viel höhere Miete rentieren würde. Ob im Zentrum wirklich viel mehr Laufkundschaft käme. Trotzdem: Manuel packt jetzt die Gelegenheit beim Schopfe und zieht zu Anfang Juni mit seiner „Notaufnahme“ in die Innenstadt, an den Heiligengeistwall, neben das Wallkino.

Tipps für andere Gründer:

Gründungs- und Innovationszentrum der Universität Oldenburg

Business Angels Deutschland

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