Oldenburg/Hamburg - Die Spitzelaffäre bei der EWE kostete ihn 2016 den Job und ruinierte seinen Ruf. Jetzt sieht sich Nikolaus Behr, ehemaliger Personalvorstand des Oldenburger Energieversorgers, rehabilitiert: Der 57-jährige Ex-Manager hat sich mit der Anwaltskanzlei Hogan Lovells International LLP auf einen Vergleich geeinigt. Über den Inhalt haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart; nach NWZ-Informationen soll Behr einen Geldbetrag im hohen sechsstelligen Bereich erhalten.
Behr hatte per Peilsender einen früheren Mitarbeiter überwachen lassen, mit dem sich die EWE seit Jahren im Kündigungsstreit befand. Die Bespitzelung flog auf, als der Ex-Mitarbeiter den GPS-Sender an seinem Auto entdeckte. Behr reichte unter großem Druck der EWE-Spitze seinen Rücktritt ein, „mit sofortiger Wirkung“. Die EWE erklärte per Pressemitteilung vom 19. September 2016: „Die Überwachung von Mitarbeitern oder anderen Personen verstößt auf elementare Weise gegen von EWE vertretene Werte.“
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Angebracht hatte den Peilsender nicht Behr selbst, sondern ein Detektiv – im Auftrag des Hamburger Büroleiters der Kanzlei Hogan Lovells, die die EWE damals vertrat. Personalvorstand Behr hatte dem Büroleiter mit Verweis auf die Fernsehserie „Breaking Bad“ die Anregung zur Überwachung gegeben, er beteuert aber, nicht gewusst zu haben, dass das illegal sei. Er warf der Kanzlei juristische Falschberatung vor und verklagte sie auf Schadenersatz in Millionenhöhe; wegen der Negativ-Schlagzeilen finde er keinen angemessenen Job mehr, sagte er. Das Verfahren endete jetzt mit dem Vergleich, wie ein Sprecher des Landgerichts Hamburg am Freitag auf Nachfrage der NWZ bestätigte.
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„Mit dem Ergebnis meiner Klage bin ich sehr glücklich“, sagt Behr. „Es räumt mit dem konstruierten öffentlichen Vorwurf auf, ich hätte als Personalvorstand vorsätzlich geltendes Recht gebrochen.“ Er will nun von seinen Anwälten prüfen lassen, ob er auch Ansprüche gegenüber der EWE gelten machen kann.
Hogan Lovells bestätigt, dass es einen Vergleich gab. „Bitte haben Sie Verständnis, dass wir uns zum Inhalt nicht äußern“, teilte ein Sprecher der Kanzlei auf Nachfrage der NWZ mit.
Ein EWE-Sprecher sagte: „Von einer irgendwie gearteten Vereinbarung ist uns nichts bekannt, wir kommentieren das deshalb auch nicht.“ Ansonsten gelte weiterhin der Wortlaut der Pressemitteilung vom 19. September 2016.
Die Spitzelaffäre war nur eine Episode der EWE-Krise, die das Unternehmen 2016/17 durchschüttelte – aber sicherlich die bizarrste. 2018 kam heraus, dass nicht nur Behr den Ex-Mitarbeiter bespitzeln lassen hatte – der Ex-Mitarbeiter hatte zuvor auch Behr ausspioniert.
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