Oldenburg - Eine Familie mit drei Frauen aus drei verschiedenen Generationen – Ursula Popken wurde 1935 geboren. Sie ist die Mutter von Nele Schinzing, Jahrgang 1958. Tochter von Nele und Enkelin von Ursula ist Lieselotte Schinzing, Jahrgang 1995. Wie entwickelt sich das Bild der Frau innerhalb einer Familie über die Jahrzehnte?
Dieser Frage ist die NWZ anlässlich des Weltfrauentages am Donnerstag, 8. März, in einem Gespräch mit den drei Frauen nachgegangen.
Die erste Generation
Ursula Popken wuchs mit vier Geschwistern in der Nachkriegszeit bei ihren Eltern auf. Sie besuchte die Kunsthochschule, erhielt aber keine abgeschlossene Berufsausbildung. „Ich habe Töpferei gelernt, aber abgebrochen, weil ich dann ja geheiratet habe“, erzählt Ursula Popken. Danach gab es für sie nur noch die Familie. Gearbeitet im klassischen Sinne hat sie nicht. Das habe ihr Mann gemacht, erzählt sie. Ursula Popken lebte das Rollenbild der Frau, die für ihre Familie alles aufgab.
Die zweite Generation
8. März
Frauenfrühstück: Ab 10 Uhr findet im Treffpunkt Gemeinwesenarbeit Bloherfelde/Eversten, Bloherfelder Straße 170, und im Stadtteiltreff Kreyenbrück, An den Voßbergen 58, ein Frauenfrühstück statt.
Zu einem Nachmittag unter dem Thema „WeltFrauen* solidarisch“ lädt von 12 bis 17 Uhr die IBIS e.V., Klävemannstraße 16, mit Unterhaltung, Mitbringbuffet, Konzert und vielen weiteren Angeboten ein.
Poetry Slam: In der Flänzburch, Friedensplatz 2, findet ab 20 Uhr ein Poetry Slam der Organisation „Muslam“ statt. Eintrittsgelder gehen an das Frauenhaus in Oldenburg.
Vorträge: Ab 20 Uhr präsentiert die Evangelische Familienbildungsstätte, Gorch-Fock-Straße 5a, den Vortrag „unerhört, unbekannt, vergessen – Auf dem langen Weg der Gleichberechtigung“.
Film- und Lesungsreihe: Ab 20 Uhr eröffnet das Gleichstellungsbüro und das Cine k die Film- und Lesungsreihe „100 Jahre Frauenwahlrecht“ mit einem Sektempfang und dem Film „Die göttliche Ordnung“. Der Film wird am 10. März um 18 Uhr wiederholt.
Der Film „Suffragette - Taten statt Worte“ wird am 9. März um 18 Uhr und am 11. März um 11.30 Uhr gezeigt.
10. März
Demonstration: Von 12 bis 14 Uhr bringen das Oldenburger Frauen Forum mit Unterstützerinnen am Lefferseck in der Innenstadt feministische Forderung auf die Straße.
14. März
Theater: Um 19.30 Uhr schlüpft die Schauspielerin Birgit Scheibe, in einer szenischen Lesung im Cine k und musikalischer Begleitung durch Karin Christoph, in die Rolle der Frauenrechtlerin Anita Augspurg.
Ihre Tochter Nele wiederum konnte nach der Schule studieren und war nach ihrer Berufsausbildung auch in der Werbebranche tätig.
Doch nach der Geburt des ersten Kindes waren Familie und Karriere zusammen nur schwer vereinbar. „Das habe ich nach einem Jahr gemerkt. Ich hatte in der Werbebranche ja keinen Halbtagsjob und mein Kind musste den Tag über bei der Tagesmutter sein, abends wenn ich noch einmal ins Büro musste, kam dann ein Babysitter. Das wollte ich irgendwann nicht mehr. In meiner Generation habe ich es nicht geschafft, Kinder und eine erfolgreiche Karriere gleichberechtigt unter einen Hut zu bekommen. Und da war mir die Rolle als Mutter wichtiger“, sagt Nele Schinzing.
Die dritte Generation
Der Kontrast zwischen den Generationen fällt in dieser Familie besonders auf, weil alle drei Frauen einen kreativen Beruf erlernten. Oma Ursula begann die Töpferausbildung, Nele arbeitete in der Werbebranche und Lieselotte studierte Kunstgeschichte – allerdings nicht in Deutschland, sondern in London, an der Goldsmiths University. In dieser Stadt sammelt sie nach der Uni in einer Galerie auch ihre ersten Berufserfahrungen.
Die internationale Ausbildung ist definitiv eine der Chancen, die die Frauen der vorherigen Generationen noch nicht hatten. „Die Chance, im Ausland zu studieren, habe ich zum einen durch die Globalisierung, aber auch, weil meine Eltern mich gleichberechtigt zu meinen Brüdern unterstützten. Ich habe von ihnen die Aussicht auf eine Karriere bekommen – als Frau“, sagt Lieselotte.
„In der Hinsicht wollten wir unseren Kindern immer die besten Chancen ermöglichen“, ergänzt Nele Schinzing.
Hilfe und Dankbarkeit
Der Verzicht auf die Karriere hat es Nele Schinzing ermöglicht, ihrer Tochter viel Wertvolles mit auf den Weg zu geben. „Von ihr und auch von meiner Oma habe ich gelernt, wie wichtig Familie, Ruhe, Durchhaltevermögen und Arbeitsmoral sind“, sagt Lieselotte.
„Ich bewundere beide Frauen dafür, dass sie ihre Familie – sehr zu meinem Vorteil – immer in den Vordergrund gestellt haben, auch wenn das persönliche Opfer als Frau bedeuteten. Das alles wird mir erst jetzt deutlicher, wo ich am Anfang meiner Berufslaufbahn stehe“, erklärt Lieselotte.
Vielleicht wird es für sie, wenn die Zeit soweit ist, möglich sein, Karriere und Familie parallel zu leben. Die Frauen ihrer Familie haben vor ihr schon dafür gekämpft, dass es ihr – spätestens aber irgendwann einmal ihrer Tochter – gelingen kann.
„Unabhängig bleiben – diesen Tipp habe ich für Lieselotte“, sagt Nele Schinzing. Unabhängig und stark, aber eingebettet in die Familie. Schließlich können die Generationen immer wieder von einander lernen und sich unterstützen.
