Oldenburg - 2017 spielte US-Legende Bob Dylan in der Emslandarena in Lingen. 2020 treten Sängerin Sarah Connor und die Band Revolverheld in Bremerhaven auf. Und was ist mit Oldenburg? Immer wieder wird die Frage an die NWZ herangetragen: Woran liegt es, dass die ganz großen Bekanntheiten Oldenburg meiden? „Das ist eine berechtigte Frage“, findet Kim Gütebier, Pressesprecher der Weser-Ems-Hallen (WEH). Er nennt gleich mehrere Gründe dafür.
Schlechte Bedingungen
Auf der einen Seite stoße man an Kapazitätsgrenzen. „Konzertveranstalter wollen Arenen mit 10.000 oder mehr Plätzen. Das können wir nicht bieten“, so Gütebier. Für große Veranstaltungen gibt es die Messehalle mit Platz für 8000 Menschen. Der Nachteil: „Die Halle hat nicht die nötige Höhe für moderne Bühnenproduktionen“, erklärt der Sprecher. Lediglich 8,50 Meter hoch ist sie. Anders die große EWE Arena: Sie hat eine Höhe von 13,50 Metern. Allerdings passen hier nur rund 6000 Menschen rein.
Außerdem, erklärt Gütebier, sei die EWE Arena, anders als zum Beispiel die Emslandarena in Lingen, mit vielen anderen Veranstaltungen ausgebucht. Durchschnittlich 300 Veranstaltungen im Jahr, darunter Spiele der EWE Baskets, Messen und Kongresse finden hier statt. Auch Oliver Mücke von der Bremer Veranstaltungsagentur „Koopmann Concerts“ meint, die Auslastung der WEH sei ein berechtigtes Argument. „Dadurch sein Geld zu verdienen, ist völlig legitim“, sagt Mücke. Weil man sich aber an den Tourplan der Künstler halten müsse, können Konzerte in den Weser-Ems-Hallen oft nicht gebucht werden.
„Es ist nicht so, dass bei uns keine großen Namen zu Gast sind“, sagt WEH-Sprecher Gütebier. Bands wie Santiano, „Feine Sahne Fischfilet“ oder die Magier „Ehrlich Brothers“ – nicht alle gehen an Oldenburg vorbei. Auch im Bereich Comedy ist die Stadt hier gut aufgestellt. „Viele Comedians werden nachgefragt und reisen regelmäßig von Ort zu Ort“, sagt der WEH-Sprecher. Veranstalter Mücke ergänzt Bands wie die Broilers oder PUR. „Aber stimmt – große Rockstars treten bei euch nicht auf“, sagt er.
Künstlerakquise
Für die Kulturetage kümmert sich Programmleiter Andreas Holtz um Auftritte von Künstlern. „Wir hatten zuletzt Weltstars des Jazz wie Charles Lloyd oder John Scofield bei uns zu Gast. Aber auch viele weitere große Namen aus anderen Genres treten hier auf“, sagt Holtz. Dass die ganz großen Rockbands, Popmusiker oder Rapper kaum in den Weser-Ems-Hallen auftreten, hat seiner Meinung nach viele Gründe. „Oldenburg ist nicht die erste Stadt, an die Künstler denken. Es liegt auch daran, dass die Künstlerakquise besser laufen könnte“, erklärt der Programmleiter. Die Weser-Ems-Hallen beschäftigen keine eigenen Booker. Das bestätigt WEH-Pressesprecher Gütebier. „Ich glaube, wenn sich da etwas ändern würde, dann gäbe es die Chance, auch andere Künstler für Oldenburg zu gewinnen“, meint Holtz.
Der Bremer Veranstalter Oliver Mücke nennt einen weiteren Grund: „Oldenburg ist eine C-Stadt.“ Die Stadt liegt nahe an Bremen, Hamburg und Hannover und habe im Städte-Vergleich einen niedrigeren Stellenwert. „Das Problem hat Lingen nicht. Da sind keine anderen großen Städte in direkter Nähe“, sagt Mücke. Er ist überzeugt, dass die ganz großen Stars auch nicht in Oldenburg auftreten würden, wenn es eine Halle für 15 000 Zuschauer gäbe: „Das ist nicht böse gemeint. Wir mögen Oldenburg und würden hier gerne mehr machen. Das entspricht aber nicht der Realität.“
