Oldenburg - Eine seltsame Beobachtung berichtete Gesine P. (voller Name ist der Redaktion bekannt) per Mail. Sie habe mit der App ‚Flightradar24‘ eine Auffälligkeit im Verhalten eines Flugzeugs entdeckt. „Ich benutze die App, um so ein wenig an der Welt teilzuhaben“, erklärt die Leserin. In letzter Zeit habe sie über ihrem Haus zwar Flugzeuge gehört, in der App war aber keine Maschine aufgelistet.
Zuletzt habe die App bei diesen Vorkommnissen zwei Learjets des kanadischen Herstellers Bombardier angezeigt. Einem Screenshot, den sie der NWZ zukommen ließ, kann man die Flugroute eines der Flugzeuge nachempfinden.
In Schleswig-Holstein startend, flog der Learjet über die Elbe in den Luftraum über Oldenburg. Dort begann es dann dem Screenshot zufolge, mehrmals im Kreis zu fliegen. Zwei Male verschlug es das Flugzeug bis an die Grenze von Nordrhein-Westfalen und zurück. Gegen 10:45 Uhr befand sich das Flugzeug anscheinend wieder geradewegs auf dem Rückweg nach Schleswig Holstein. Was hat es mit diesen Flugmanövern auf sich? Warum kann man nicht alle dieser Flugzeuge auf ,Flightradar24’ sehen?
Rätselhafte Mission
Die Redaktion ging den Fragen nach. Der einzige in Frage kommende Flugplatz in Schleswig Holstein ist der Fliegerhorst Hohn. Dieser befindet sich an dem Startpunkt, den man auf dem Screenshot sehen konnte. Der Nato-Flugplatz wird betrieben von der Bundeswehr. Ebenfalls an diesem Flugplatz ansässig ist die kleine Fluggesellschaft GFD (Gesellschaft für Flugzieldarstellung mbH).
Eigenen Angaben auf der Firmenwebsite zufolge, ist die Airbus-Tochter im Besitz von 14 Flugzeugen des Typs Learjet 35 A/36 A. Mit diesen fliege sie vornehmlich Übungseinsätze für die Bundeswehr. Dazu gehören auch sogenannte Zieldarstellungen und viele weitere Dienste für das Militär. Mittlerweile biete die GFD neben militärischen Diensten auch Landvermessungen für Universitäten und Privatkunden an. Auch für solche Aufträge sind ungewöhnlich anmutende Flugmuster vonnöten.
Nach Anfrage bei der GFD wurde ursprünglich vermutet, dass es ich um eine Landvermessung handeln könnte. Nach Beschreibung des Flugverhaltens wurde der NWZ mitgeteilt, dass es sich bei den Flugzeugen wahrscheinlich um einen Übungsflug für militärische Zwecke gehandelt habe. Der Flugbetriebsleiter der GFD, Björn Glaß, erklärte, dass sich in letzter Zeit die Anfragen von Nutzern der Website häufen würden. „Ohne Flightradar kann man sich gar nicht über so etwas beschweren“, sagte er.
Hierdurch würden regelmäßig durchgeführte Trainingsflüge von Nutzern der Seite häufig - aufgrund fehlender Expertise- als ungewöhnlich fehlinterpretiert. Glaß war nicht bereit, weitere Informationen zu geben. Das Luftfahrtamt der Bundeswehr verwies die NWZ auf Anfrage zurück zur Partnerfirma in Schleswig Holstein.
Im Jahr 2014 war die GFD in den Schlagzeilen, als zwei Piloten der Firma ums Leben kamen. Sie kollidierten mit ihrem Learjet mit einem deutschen Eurofighter während einer Militärübung.
Flugradar für zu Hause
Flightradar24 ist laut eigener Beschreibung eine Website, die mit Hilfe ihrer Nutzer ein globales Flugverfolgungssystem anbietet. Ungefähr 70 Prozent der kommerziellen Flugzeuge können so identifiziert werden. Im Jahr 2020 soll die hierfür notwendige Technologie verpflichtend werden. Hauptgrund für diese Pflicht ist die Genauigkeit des neuen Systems. Private und nicht-kommerzielle Flugzeuge sind aufgrund ihres Alters oft nicht im Besitz dieser Technik.
Die Funktionen der Seite lassen sich zeitlich begrenzt kostenlos nutzen. Danach muss für die Nutzung gezahlt werden. Der Service ist erreichbar unter @ www.flightradar24.com. Auch eine Android- und iOs-App können von Interessierten heruntergeladen werden. Ein ähnliches Angebot für den Schiffsverkehr ist unter @ www.marinetraffic.com verfügbar.
