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NWZonline.de Plus

Das sagt Krogmann zur massiven Kritik an der Kulturpolitik

27.02.2019

Frage: Warum, Herr Oberbürgermeister, leistet sich Oldenburg keinen eigenständigen Kulturdezernenten?
Jürgen Krogmann: Sicher kann man sich die Frage stellen, ob eine Stadt von der Größe Oldenburgs mit einem reichen Kulturangebot nicht einen eigenen Kulturdezernenten verdient hätte, der sich noch intensiver und fachlicher um das Thema kümmern kann. Ich habe die Frage mehrmals mit der Politik und dem Rat diskutiert, und man hat, vornehm gesprochen, verhalten reagiert.
Frage: Ist ein Kulturdezernent nur eine Geldfrage?
Krogmann: Aus meiner Sicht nicht. Aber es gibt in der Kommunalpolitik eine starke Zurückhaltung, wenn es darum geht, einen neuen hoch bezahlten Verwaltungsposten wiederzubesetzen.
Frage: Hatten Sie je Bauchschmerzen, den Job des Kulturdezernenten als Oberbürgermeister mitzumachen?
Krogmann: Nein, habe ich nicht. Aber es ist wichtig, dass man qualifizierte Mitarbeiter hat, und die haben wir hier in der Oldenburger Stadtverwaltung.
Frage: Es gibt etliche Kulturschaffende der Stadt, die unzufrieden sind mit der Leitung der Städtischen Museen.
Krogmann: Es wird immer Menschen im Kulturbetrieb geben, die nicht zufrieden sind, besonders dann, wenn sie bei der Verteilung von Mitteln oder Räumen nicht gebührend bedacht werden. Da hilft kein Grummeln, sondern nur, die Dinge offen anzusprechen. Frau Deufel hat beim Stadtmuseum neue Akzente gesetzt. Sie kümmert sich intensiv darum, wie man es schaffen kann, dass noch mehr Menschen zu uns kommen, auch solche, die bislang die Museen eher gemieden haben. Es geht letztlich um eine bessere kulturelle Teilhabe. Da gibt es dann natürlich Veränderungen, die naturgemäß nicht allen gefallen.

Zur Person

Jürgen Krogmann wurde 1963 in Steinfeld geboren. Der SPD-Politiker, der zuvor beim NDR und als Stadtsprecher Oldenburgs tätig war, war von 2008 bis 2014 Abgeordneter des Niedersächsischen Landtags und ist seit November 2014 Oberbürgermeister (OB) der Stadt Oldenburg. Krogmann ist nicht nur OB, sondern auch als Kulturdezernent der Stadt tätig.

Frage: Warum kann man mit dem Horst-Janssen-Museum nicht mehr Besucher als die jährlich ca. 20 000 anlocken?
Krogmann: Janssen hat als Zeichner Weltgeltung. Aber es tritt nach nun zwei Jahrzehnten eine natürliche Sättigung ein. Deshalb müssen wir das Thema „Janssen“ in Projekten und Ausstellungen immer neu erfinden. Ich meine aber, dass das Team des Museums das gut macht.
Frage: Was versprechen Sie sich von einem millionenteuren neuen Stadtmuseum?
Krogmann: Eines ist allen klar: Das alte Stadtmuseum kann nicht so bleiben. Es stand zu lange im Schatten des Janssen-Museums, und wir haben keinen Ort, wo wir uns adäquat über die Geschichte der Stadt informieren können. Die jetzige Dauerschau dümpelt eher vor sich hin. Das heißt, wir bauen – ich betone dies, weil das einige falsch verstanden haben – keine städtische Galerie, sondern in erster Linie ein Museum für die Geschichte der Stadt.
Frage: Wo wir bei dem Thema Geschichte sind: Haben Sie etwas gegen ältere Menschen?
Krogmann: Nein, gar nichts. Ich bin ja selbst dabei, einer zu werden.
Frage: Aber nachdem Klaus Modick (67) nicht mehr als Berater des Kulturausschusses aktiv sein will, haben Sie gesagt, dass Sie sich in dem Bereich eine Verjüngung wünschen . . .
Krogmann: Das bezog sich in keiner Weise auf Herrn Modick. Wir stehen aber generell vor der Aufgabe, jüngere Menschen mit ihren Impulsen für den Kulturbetrieb zu gewinnen. Wenn wir jetzt schon eine Nachfolge suchen müssen, wäre dies auch eine Chance.
Frage: Ist es nicht schade, einen Bestsellerautor als Berater zu verlieren?
Krogmann: Ich schätze Herrn Modick sehr und danke ihm für sein Engagement. Allerdings ist es eine Sache, ein guter Autor zu sein, und eine andere, sich in die teilweise kleinteiligen Debatten der kommunalen Politik zu begeben. Ich vermute, dass er da ernüchtert ist und seine Konsequenzen gezogen hat.
Frage: Wenn Sie Prioritäten setzen müssten – an wievielter Stelle stünde die Kultur?
Krogmann: Also, das ist nicht wenig, wenn ich zum Beispiel allein an das Projekt neues Stadtmuseum denke oder die Standortfrage der Musikschule. Und von der Kibum bis zum Ossietzky-Preis bringe ich mich ein. Das ist schon ein erheblicher Teil meiner Arbeit. Es ist nicht so, dass der OB im Monat mal eine Stunde Kultur macht.
Frage: Das einst schöne Wallkino verfällt seit Jahren – was tut die Stadt dagegen?
Krogmann: Das ist ein sehr ärgerliches Thema. Der Eigentümer bewegt sich gar nicht. Er geht auf keine Angebote ein. Deshalb werden wir uns erst einmal Zugang verschaffen, um festzustellen, ob das Gebäude bereits im Innern verfällt. Ich finde es schlimm, dass man in einer solchen Situation Menschen nicht einfach enteignen kann – ein so bedeutsames Gebäude mitten im Stadtbild!
Frage: Sie haben die Bau-Dezernentin Nießen nicht geholt, sondern seinerzeit als OB übernommen. Nun lassen Sie aber Frau Nießen ziehen . . .
Krogmann: Sie wurde nur auf Zeit gewählt. Damit muss man professionell umgehen.
Frage: Machen Sie den Job jetzt auch noch mit?
Krogmann: Nein, wir teilen die Arbeit hier auf, solange bis das Baudezernat wieder besetzt ist. Das wird wohl im Herbst der Fall sein.
Frage: Was haben Sie zuletzt im Oldenburgischen Staatstheater gesehen?
Krogmann: Ich glaube, das war „Emilia Galotti“. Ich weiß, worauf Sie hinauswollen: Natürlich gehe ich gern zu Kulturveranstaltungen, aber ich habe auch viele andere Termine. Ich bin ja auch nicht jede Woche beim Basketball. Kultur ist schon ein fester Teil meines Lebens.
Frage: Ist Kulturpolitik reine Geldverteilungspolitik?
Krogmann: Alle, die Kultur machen, wollen abgesichert sein. Dafür habe ich Verständnis. Und da können wir öffentlich einiges tun. Der Rat der Stadt Oldenburg hat jetzt aber einen Prozess eingeleitet, wo es um Fragen der Förderung von Kultur geht, aber auch um die Frage der Qualität von Angeboten, auch wenn das schwer zu messen ist. Ich bin gegen ein kulturelles Laissez-faire, aber auch gegen das rigorose Kürzen. Mal sehen, zu welchen Ergebnissen der Rat hier gelangen wird.
Frage: Haben Sie ein Gesamtkonzept für Oldenburgs Kultur?
Krogmann: Von so etwas halte ich nicht viel. Ich sehe es nicht als meine Aufgabe an, ein kulturelles Haus nach meinen Vorstellungen zu bauen. Ich muss die Mittel bereitstellen, Rahmenbedingungen schaffen und helfen, damit sich das Kulturangebot selbst weiterentwickeln kann.
Lesen Sie auch:
NWZ-Analyse zur Kultur-Politik in Oldenburg: Ratlos, planlos, sinnlos (Abo), Artikel vom 19. Februar 2019
Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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