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nordwest-zeitung

Tierauffangstation In Rastede Amme für hilflos wirkendes Reh gesucht

Nathalie Langer

Oldenburg/Rastede - Große Kulleraugen blicken einem aus dem Gebüsch entgegen. Das Rehkitz liegt dort zusammengekauert, alleine und wirkt verletzlich. Doch wer jetzt beherzt zugreifen und dem vermeintlich allein gelassenem Tier helfen will, bewirkt das Gegenteil: Das Rehkitz könnte dadurch sterben.

Junger Rehbock im Gebüsch

Eine Situation wie diese ereignete sich am vergangenen Samstag im Landkreis Oldenburg. Ein Fußgänger mit Hund hatte bei einem Spaziergang einen jungen Rehbock im Gebüsch gefunden und diesen mit nach Hause genommen – sogar kurzzeitig in seinem Badezimmer untergebracht. Erst als er bereits in seiner Wohnung war, kontaktierte er eine Kleintierpraxis im Raum Oldenburg.

„Die Praxis rief dann an und wollte wissen, was mit dem Rehbock geschehen sollte“, sagt die Vorsitzende der Jägerschaft Oldenburg Gabriele Wenzel. „Die Überlebenschancen waren sehr gering.“ Warum ist das Berühren von Wildtieren durch Menschen so gefährlich?

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Versteckt, nicht allein

Der junge Rehbock wird aufgepäppelt. (Bild: Wilmering)

Der junge Rehbock wird aufgepäppelt. (Bild: Wilmering)

Junge Rehe seien geruchlos, im Gegensatz zu ihrem Muttertier, erklärt Wenzel. Wenn ein Mensch nun das Jungtier anfasst, übernähme es den menschlichen Geruch und würde von dem ausgewachsenen Reh verstoßen werden – und somit verhungern. „Dass die Jungtiere alleine sind, ist eine Schutzfunktion, damit keine Räuber angelockt werden. Das Muttertier kommt regelmäßig zum Säugen vorbei.“ Versteckte Tiere, bedeuten nicht, dass sie allein gelassen worden sind.

Das wissen aber viele nicht und bringen die Jungtiere dann zu Klaus Meyer, Leiter der Wildtierauffangstation in Rastede. „Tagtäglich bringen Menschen uns gefundene ,vermeintlich hilflose’ Tiere. Die meisten brauchen aber gar keine Hilfe – also Hände weg.“ Und es sind nicht nur Rehe, die Meyer dann an andere Organisationen weiterleiten muss. Denn die Auffangstation in Rastede nimmt seit drei Jahren aus Zeit- und Kostengründen keine Rehe, Wildschweine und Marder mehr auf.

Von Januar bis August ist Hochkonjunktur

Notfallnummern

Die Wildtierauffangstation in Rastede ist unter t   0 44 02/98 54 44 (Mo.-Fr. von 8 bis 17 Uhr und Sa. 8 bis 16 Uhr).

Speziell für Rehe gibt es bundesweit zwei zentrale Notfallnummern t  01 62/29 68 55 8 oder t  01 62/74 42 77 2.

Auch Eichhörnchen, Hasen und Füchse werden in die Auffangstation gebracht. Besonders mit Vögeln hätten sie viel zu tun. Ähnlich wie bei Rehen werden sie von ihrem Muttertier eine Zeit alleingelassen. Dann hüpfen sie umher und versuchen zu fliegen. „Das ist kein Zeichen für eine Verletzung oder, dass das Tier Hilfe braucht.“ Von Ende Januar bis August kann die „Jungtierzeit“ gehen – dann ist Hochkonjunktur bei Meyer und seinen Mitarbeitern.

Natürlich sei es toll, dass die Spaziergänger sich so engagieren wollen, aber dennoch sollten die Tiere nicht angefasst werden, sagt der Leiter. „Das Aufziehen von Tieren, die aus ihrem natürlichem Lebensraum gerissen werden, ist sehr aufwendig und kostet vor allem viel Geld. Rehkitze brauchen beispielsweise Ziegenmilch.“

Mitnahme strafbar

Wer das doch tut und wie der Spaziergänger ein Reh oder ein anderes Tier mitnimmt, verstoße sogar gegen das Tierschutzgesetz. Wer sich unsicher ist, kann bei Kleintieren bei der Auffangstation oder speziell bei Rehen unter der bundesweiten Rehnotfallnummer anrufen (s. Infobox). Allerdings gibt es eine Ausnahmeregel.

„Wenn das Tier in Gefahr ist, beispielsweise am Straßenrand liegt, kann es in eine Decke eingewickelt oder mit Handschuhen angefasst und umgelegt werden“, meint Meyer. Diese kurze Berührung sollte aber die Ausnahme bleiben. In der Regel nähme das Muttertier das Jungtier dann wieder an. Wenn das Tier allerdings, weil es beispielsweise verletzt ist, mitgenommen werden muss, muss der Jagdpächter informiert werden. Die Telefonnummer gibt die Polizei aus.

Und wie geht es mit dem jungen Rehbock weiter? Derzeit befindet er sich in der Auffangstation von Ursula Wilmering in Vechta. „Ein junger Rehbock sollte nicht mit der Flasche großgezogen werden. Die werden im Erwachsenenalter aggressiv“, erklärt Wilmering. Deshalb versuche sie, eine Ersatzricke zu finden, die ihn annimmt. Dann könne man ihn entweder in ein Wildtiergehege bringen – oder im besten Fall wieder auswildern.

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